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Das Ende der Fahnenstange

Ich erinnere mich nicht exakt daran, wann für mich klar war, dass es so nicht weiter ging aber es war irgendwann Anfang 2015. Es war endgültig klar, dass ich diese Ehe so nicht weiter führen würde und, dass ich absolut darauf vorbereitet war es zu beenden. Es hatte lange gedauert aber als ich dann den Entschluss gefasst hatte, diese Farce von einer Familie zu beenden, da wollte es raus! Es brodelte gewaltig in mir und ich war wirklich kurz davor zu explodieren. Also sagte ich Mr. M., dass ich mit ihm sprechen müsse, am selben Abend, es sei wichtig.

Allerdings kam er so spät nach Hause, dass ich schon im Bett war. Das Gespräch war also auf den nächsten Abend verschoben. Dann allerdings rief Mr. M. mich am Nachmittag an und erklärte, er müsse jetzt nach Österreich und wisse nicht wann er wieder daheim sei. Jetzt hatte ich die Schnauze voll und schrieb ihm eine E-Mail. Drauf geschissen, wenn er ernsthaft nicht die Alarmglocken hörte oder trotz der offensichtlich prekären Lage, keinen Platz machte für dieses Gespräch, dann eben schriftlich. Lesen würde ja noch drin sein. Ich habe die E-Mail nicht aufgehoben, ich wusste ja nicht, dass ich irgendwann da sitzen würde und alles aufschreiben, zumal ich ja wirklich dachte, es könnte noch etwas getan werden.

Zusammengefasst schrieb ich ihm alles was für mich im Argen lag und was ihr auch schon alles wisst und, dass ich es beenden werde, wenn sich sein Verhalten nicht signifikant ändert. Da ich keinen Termin erhalten hatte schrieb ich ihm nun eben. An seine Antwort kann ich mich auch nicht erinnern aber als er dann wieder zurück war, setzte er sich auf seinen Hintern um zu „reden“.

Was sich über Mr. M. sagen kann – und ich bin Gott sei Dank nicht die Einzige, die dieses Erfahrung gemacht hat, ich bilde es mir also nicht ein- während einer Unterhaltung hat man absolut das Gefühl, dass er einem zuhört. Man hat auch das Gefühl, verstanden zu werden und man glaubt sogar, in einigen Dingen auf Verständnis gestoßen zu sein. Man führt ein Gespräch mit dem Mann und glaubt, dass man richtig gut kommuniziert hat und er auch echt voll dabei war worum es dir ging. Man denkt das, total.

Nur um am nächsten Tag das absolut exakt gleiche Verhalten, wie am Tag zuvor zu erleben.  Das sprengt wirklich jeden Rahmen der Frustration, du fragst dich ernsthaft mit wem du am Tag davor eigentlich gesprochen hast. Du fragst dich ob du dir alles nur eingebildet hast, ob du inzwischen halluzinierst. Wirklich: Er macht am nächsten Tag stoisch genau so weiter. Absolut nichts passierte. Wie immer.

Jetzt war es endgültig glasklar, ich musste das hier beenden. Ich wusste aber auch, ich brauch einen Job und musste in der Lage sein wieder alleine zu Leben. Das bedeutete wiederum, ich brauchte einen Kindergartenplatz. Die nächsten Schritte mussten also sein: Ein Leben alleine vorbereiten. Es war sowieso gerade der Zeitpunkt gekommen für die Kindergartenanmeldung, also meldetet ich mich bei 16 Kindergärten an und wartete. Wochen später kam ein Brief mit Absagen von allen Einrichtungen. Ich war am Ende! Ohne Kindergarten war ich chancenlos wieder genug zu arbeiten um für uns Sorgen zu können.

Es gab einen Kindergarten, ganz in meiner Nähe, den ich sofort mochte als ich beim Tag der offenen Türe war. Ich hatte irgendwie das Gefühl: „Hier werden wir hingehen“. Von denen war allerdings überhaupt nichts mehr gekommen. Kein Wort. In meiner Verzweiflung machte ich mich auf die Socken und stiefelte hin. Zufällig traf ich am Tore die Leiterin, eine junge blonde Frau, die auch kurz bereit war mit mir zu sprechen.  Ich klagte ihr also mein Leid, dass ich mein Leben nur in den Griff bekommen könnte, wenn ich einen Kindergartenplatz finde und dass alle abgesagt hatten.

Ich musste noch einige Wochen weiter durch eine schweigende Beziehung leiden, bis schließlich der Brief kam, dass ich im November 2015 meine Tochter in den Kiga bringen könne.

Am selben Tag haute ich endgültig auf den Tisch und verkündete, dass ich genug davon hatte untergraben und missachtete zu werden und dass ich mich jetzt trennen wollte.

Glaubt mir irgendjemand, dass Mr. M. anscheinend erst jetzt der Ernst der Lage klar wurde? Jetzt tat er so, als würde ihm klar werden, dass ich es ernst meinte – eigentlich ja auch nur wieder ein Beweis dafür, wie unwichtig ich ihm war- plötzlich machte er einen auf verzweifelt und schockiert und  schlug vor, er wolle mich mir zur Therapie gehen. Er wollte mit mir zu einer Freundin gehen, die Paartherapeutin war. Na ja, eigentlich war sie mehr meine Freundin aber er wollte zu ihr gehen.

Nun gut, 10 Jahre Ehe und ein Kind, wirft man nicht so schnell weg und natürlich versucht man alles, um vielleicht noch mal das Ruder rumzureißen und wenn man sich am Ende nur sagen kann, dass man alles versuch hat.

Ihr erster Vorschlag war, Mr. M solle erst mal ausziehen, für mindestens 3 Monate, sofort. Ja, sie war meine Freundin und wusste natürlich längst was alles so passierte bei mir zuhause aber das wusste Mr. M. genau und er wollte sie trotzdem. Ich möchte niemanden mit unserer Therapie nerven. Kurz zusammengefasst: Mr. M. zog aus. Da er sowieso meistens nicht da war sagten wir der Kleinen, Papa muss arbeiten. Was passierte also? Als erstes wurde klar, dass es im Grunde keinen Unterschied machte für meinen Alltag ob Mr. M. hier wohnte oder nicht. Meine Tage liefen genauso ab wie zuvor nur ohne jemanden, der mich zusätzlich noch untergräbt und gegen mich arbeitet. Es war der letzte Beweis, dass ich eigentlich schon seit Jahren alleine lebte.

Ich weiß natürlich um die Tatsache, dass man als Ehepaar nie wirklich alleinerziehend ist, weil einfach, am Ende des Tages, ja doch nie alles nur auf einer Person ruht. Alleinerziehend bedeutet immer die gesamte Last zu tragen. Ich trug zu diesem Zeitpunkt nicht die finanzielle Verantwortung. Das nicht.

Nach drei Monaten kam er zurück und es lief eine Weile gut aber eben nur so lange wie er es schaffte sich zu verstellen. Denn es hatte sich nichts geändert, weil er nach wie vor gar nicht verstanden hatte worum es ging. Er bewies zwar, dass er sehr wohl so tun konnte als würde er eine Familie leben aber er hielt es nicht durch.  Auch unsere Therapeutin sagte irgendwann zu mir, dass alle Probleme die ich habe für ihn gar nicht existieren. Er fühlt das gar nicht und er fragt sich wahrscheinlich immer noch jeden Tag was eigentlich mein Problem ist.

Ein paar Wochen vor Weihnachten war klar, die Beziehung war tot.

 

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