Zum Inhalt springen

„Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.“

Ich liege im Krankenhaus nach meiner Dickdarmresektion. Heute ist Tag 4 und ich bin weit davon entfernt mich flüssig bewegen zu können. Übermorgen darf ich raus aber ab Montag ist wieder Alltag angesagt und ich muss theoretisch jeden Morgen die Kleine in die Schule fahren. Momentan ist da kein Drandenken. Zusätzlich habe ich tatsächlich schon am Dienstag und Donnerstag Vorstellungsgespräche. Meine Mama wird mir helfen aber trotzdem wird es ganz schön schwieirg. In einer normalen Woche hat ja die kleine Maus schon selbst 2 Termine. Im Moment bin ich noch ziemlich unsicher, ob das hinhaut!

Ich bin in der glücklichen Lage, dass sich alle, die mich lieb haben und es irgendwie schaffen, zu einem Besuch zu mir quälen. Selbst durchs dichteste Schneetreiben fahren sie in Schrittgeschwindigkeit hinter den Räumfahrzeugen her um mir beizustehen. Eine meine tapferen Besucherinnen: Die Ex-Freundin meines Vaters, von der er mittlerweilen auch schon etwa 20 Jahre getrennt ist. Wir haben Kontakt gehalten, mal mehr mal weniger aber doch immer wieder. Natürlich war ein Gespräch über meinen Vater unumgänglich. Sie fragte mich, ob ich Kontakt habe. Nein, habe ich nicht. Seit über einem Jahr nicht. Wenn ihr euch erinnert habe ich ihm vor geraumer Zeit eine letzte Email gesendet,nachdem er bzw. seine Frau meine Tochter sehnsüchtig und fruchtlos warten lies und mir schlagartig klar wurde, dass ich das nicht zulassenen werde. Schon ich wurde immer in Sehnsucht gehalten. Wurde nicht angerufen, Verabredungen wurden nicht eingehalten, Dinge versprochen, die nie pasierten. Mit meiner Tochter würde ich das nicht mehr zulassen. Dann lieber endgültig die Schnur durchtrennen. So kam es dann auch. Er und seine Frau meldeten sich nie wieder. Natürlich zutiefst beleidigt, wie immer. So, nun also fragte mich seine Ex-Freundin danach und ich erzählte ihr die Geschichte, voraufhin sie mir widerrum berichtete, bei ihr sei angekommen, dass ich mich so frech benehmen würde gegenüber meinem Vater und seiner Frau. Es hieße, ich sei so unverschämt. What?

Man habe ihr über zwei Ecken eine Geschichte erzählt, da sei mein Vater und seine Frau sehr beleidigt gewesen. Sie wollten mit meiner Tochter und mir auf die Wiesn gehen und ich habe irgendwas gesagt mit, „also da müsse man sich ja schon vorher anmeldet“ und ich sei so frech.

Wer mich kennt weiß eigentlich schon mal prinzipiell, dass ich weder frech noch unverschämt bin aber das sei mal dahingestellt.

Ich musste erst kurz nachdenken wovon sie da sprach, weil es vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen war aber dann dämmerte es mir schon. Die Geschichte spielte sich ab vor mindestens zwei Jahren. Da war die Kleine also etwas 4. Ich hatte mich mit den beiden und der Kleinen für einen Samstag im Biergarten verabretet, schon mit mindestens 2 Wochen Vorlauf fest ausgemacht. Denn es ging so gar nicht in die Köpfe hinein, dass meine 4-Jährige für ausgedehnete Wirtshausbesuche nicht geeigent war. Somit war ich froh, wenn es Biergarten war. Das ganze immer unter der Prämiße, dass es den beiden darum ginge, die Kleine zu sehen. Ich machte das hauptsächlich wegen meiner Tochter. Nun gut, kurz vor dem Termin wurde mir also mitgeteilt, sie wollen unbedingt am Samstag auf die Wiesn, weil es am Tag vorher sooooo schöööön und soooo lustig war im Hippodrom und sie wollen uuuunbedingt wieder ins Hippodrom. (Schön und lustig für zwei Erwachsene und ihre trinkfreudige Runde, klar, gell!?) Meine Antwort war hier ganz einfach, dass ich mit meiner 4-Jährigen nicht am Samstag auf die Wiesn möchte und schon gar nicht in ein Bierzelt. Wenn es den beiden darum geht die Kleine zu sehen und ein bißchen Zeit mit ihr zu verbingen, dann sei ein Bierzelt da eher eine schlechte Wahl. Mir war längst klar, dass sie einfach auf die Wiesn wollten und das Wochenende komplett im Kreise der illustren Gesellschaft beim Weinschorle und Bierdunst verbringen. Es ging kein Stück um die Enkelin. Sei Ihnen ja gegönnt aber ohne uns.

Natürlich sagen jetzt die Ersten: Stell dich mal nicht so an, man kann doch auch mit einem Kind auf die Wiesn gehen. Ja kann man, wer aber ein bißchen was über uns weiß, der weiß auch, dass die Kleine sehr dazu neigt Angst zu haben und ihr wisst vielleicht auch was dem Kind der Wiesnbesuch mit dem Vater eingebrockt hat. Ein Bierzelt ist aber definitiv nicht der Ort mit einem kleinen Kind, dass keine 5 Minuten sitzt. Zudem schließen sich „Wiesn“ und „Samstag“ für mich zu 98% gegenseitig aus und das darf man ja auch so vertreten, oder?

Hier möchte ich gerne noch etwas einschieben: Gar nicht lange vor dieser Wiesn-Diskussion waren wir alle zusammen tatsächlich im Biergarten. Mein Kind spielte auf dem Spielplatz mit anderen Kindern, lief durch die Gegend und kam nur kurz zum Essen an den Tisch und um ab und zu etwas zu trinken. Ja, leider habe ich mein Kind nicht im Griff. Nicht genug um sie dazu zu bringen nicht zu laufen, nicht zu toben und am Tisch zu sitzen. Da wurde von meinem Vater schon verschmitzt zu seiner Frau gesagt: „Schau, über solche Kinder regst du dich sonst immer auf!“ Heißt also, seine Frau sitzt sonst im Biergarten und lästert über die lauten Blagen, die so ungezogen durch die Gegend laufen. Man würde also gerne die NAse rümpfen über uns, wären wir nicht leider verwandt. So muss sie warten bis wir wieder weg sind um zu erzählen, dass ich mein Kind nicht im Griff habe.

Nun gut, nachdem ich also sagte Wiesn fällt für uns aus wollten sie wahrscheinlich auf den Samsatg darauf verschieben und ich bin mir sehr, sehr sicher wie meine Antwort ausfiel. Denn die Antwort fiel schon 20 Mal vorher so aus. Leider geht das nicht, denn sie ist jedes zweite Wochende bei ihrem Vater, ich muss das immer etwas weiter im Voraus planen. Bei der Maus muss man sich leider früher anmelden für Besuche. Da ich den Anmelde-Witz ebenfalls schon 20 Mal gemacht hatte und es auch irgendwie leid war, das immer wieder zu erklären, war die Sache damit erledigt.

Da waren sie beleidigt die beiden. Mal wieder.

Man könnte ja drüber lachen, wenn es nicht eigentlich so lächerlich wäre und doch beschäftigt es mich immer wieder. Der Ausspruch meiner Mutter traf es aber wirklich auf den Kopf: „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.“

Ein bißchen tut es mir auch leid für meine Tochter, die immer mal wieder nach diesen beiden egoistischen Leuten fragt.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.