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„Einfühlsam zu sein und zu fühlen sind zwei verschiedene Dinge. Das eine ist eine Frage des Herzens, das andere ist eine Frage des Urteilsvermögens.“ (Denis Diderot)

Es gab Momente, da sprach ich Mr. M. beides ab. Sowohl das Einfühlungsvermögen als auch das Urteilsvermögen. Mr. M. war sehr oft auf beiden Ebenen vollkommen blank.

Natürlich wusste ich, dass für den kleinen Zwuckel eine schwere Zeit anbrechen würde, sobald Mr. M. endlich aus der Wohnung war. Es würde ihre Verwirrung etwas lindern aber es würde ihr zweifelsohne sehr schwer fallen. Sie war so fixiert auf diesen Mann, es war traurig anzusehen.

Ich tat zwei Dinge.

Erstens ich suchte mir eine Kinderpsychologin. Ich ging mit ihr hin, schon bevor er auszog. Ich dachte und denke es heute noch, dass es ihr nur helfen kann. Ich wollte diese Hilfe für sie in Anspruch nehmen. Lustig war… nein eigentlich war es traurig, dass die Psychologin sofort folgende Entdeckung machte: Meine Tochter sehnte sich extrem  nach ihrem Vater obwohl der ja noch zu Hause wohnte. Wann immer sie andere Kinder mit ihren Vätern auf der Straße sah oder in der Praxis musste sie darüber sprechen, dass sie auch einen Vater habe, obwohl der selten bei ihr war. So als müsse sie sich das selbst versichern und anderen. Ich habe mir das also nicht eingebildet oder erzähle es, weil ich Mr. M. einen Koffer vor die Türe scheißen will. Diese Beobachtung machten mehrere Menschen ganz ohne viel zu wissen über uns.

Zweitens entschloss ich mich dazu ihr eine Katze zu kaufen. Zwuckel ist ganz verrückt nach Tieren und liebt alles was vier Beine hat. Eine Katze kann ich Händeln einen Hund schaffe ich nicht. Ich hatte auch noch richtig Glück, denn ich hatte mich für eine Britisch Kurzhaar entschieden und dies beiläufig der Freundin einer Freundin erzählt, also nicht mal jemanden aus meinem direkten Umfeld. Tatsächlich meldete sich die Freundin nach ein paar Tagen bei mir, sie habe da jemanden, der jetzt demnächst Kätzchen bekomme. Wie perfekt. Es war genau die Rasse und es würde auch noch ein paar Wochen dauern, alles passte. Leider stellte sich ja dann heraus, dass Mr. M. keine gesteigerten Anstalten machte, möglichst bald zu gehen und so überschnitte sich der Einzug der Katze mit seinem Auszug doch um einige Wochen. Ich konnte es nicht ändern, anders wäre es mir lieber gewesen. Ich fuhr also mal zu dem jungen Mann mit dem Katzennachwuchs, um sie mir anzusehen. Er schlug vor, ich könne meine Tochter ruhig auch mitbringen damit sie ihren neuen Freund kennen lernen könne. Einige Tage bevor der kleine Kater soweit war fuhr ich also mit Zwuckel dorthin und stellte die beiden einander vor.

Jetzt, bitte, lasst folgende Szene vor eurem inneren Auge ablaufen:

Eine 4-Jährige betritt eine Wohnung mit 5 Babykatzen und erfährt, dass einer der kleinen unfassbar süßen Fellknäuel bald zu ihr heimkommt.  Sie spielte mit den Kätzchen und war vollkommen verliebt und happy. Muss ich euch noch mehr sagen oder seid ihr bei mir? Ich denke, ihr seid bei mir! Jeder der schon mal ein Kind vor dem Weihnachtsbaum gesehen hat, weiß wovon ich sprechen.

Jetzt stellt euch dieses Kind vor, wenn es Nachhause kommt und ihren Vater trifft. Rote Wangen, total happy, riesen Lachen im Gesicht und sofort laut verkündet :“ Papa, Papa, ich bekomme eine Babykatze!!!“

So und nun, bitte, malt euch aus, wie ihr reagieren würdet! Was wäre eure Antwort an dieses Kind?

Ich habe einen Vorschlag. Ihr würdet wenigsten so tun als würdet ihr euch für sie freuen. Ihr würdet wahrscheinlich, mit zumindest gespielter Freude, etwas sagen, das sich ungefähr so anhört: „Das ist ja toll“ oder „Das ist aber schön für dich! Freust du dich?“ Einfach nur für das kleine Mädchen, dass sich so freut. Liege ich da ungefähr richtig?

Ihr Vater antwortete ihr mit einem Satz: „Hunde sind aber doch viel cooler:“

Muss ich noch erwähnen, dass jedes andere erwachsene Familienmitglied die Reaktion zeigte, die ich hypothetisch beschrieben habe? Egal wer, egal ob derjenige Katzen liebt oder hasst, egal ob derjenige die Idee gut oder schlecht fand, egal ob ihn die Geschichte überhaupt interessierte…jeder einzelne tat so und freute sich für mein Kind.

Bis zum heutigen Tag und speziell damals war es für Mr. M. extrem wichtig unablässig zu betonen, dass Hund viel cooler seien und immer wenn sie von der Katze sprach einen angewiderten Gesichtsausdruck zu machen. Also zumindest einen Gesichtsausdruck, der seine Geringschätzung deutlich machte auch für ein Kind. Auch versäumte er es nicht immer etwas dazu zu sagen, das zumindest leicht negativ auf Katzen gemünzt war.

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