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Keine Leben ohne Plan B und C

Wenn ich mal zurückdenke an die 4 Jahre mit meinem Mann, dann denke ich vor allem auch daran, dass meine Familie – allen voran meine Mutter- permanent zur Stelle sein mussten um mir Termine aller Art zu ermöglichen.

Ich habe schon erzählt, meine Mutter hat mich mit meinem Baby aus der Klinik abgeholt und meine Mutter hat mich mit ihr zum Kinderarzt gefahren am nächsten Tag und dafür gesorgt, dass ich mit meinem kleinen Frühchen nicht im Bazillen Wartezimmer sitzen muss, sondern wir möglichst gleich rein gehen konnten.  Meine Mutter kam zu mir als ich meine schlimme Abstilldepression hatte telefonierte mit Ärzten und Hebammen um herauszufinden was ich tun sollte. Mr. M. tangierte dies alles nur peripher.

Ich habe erklärt was er tut und ich habe auch erklärt, dass ich den Job in- und auswendig kenne und auch genau weiß, wie der Hase läuft. Ich verstehe das und habe alles verstanden aber nur bis zu einem gewissen Grad, was er getan hat war, mich vollkommen im Stich zu lassen.

Erst so zum Ende meiner Schwangerschaft gab es endlich die Entwicklung, dass er von einem TV Sender gebucht wurde und die Buchungen dann auch langsam mehr und regelmäßig wurden. All die Jahre vorher hatte Mr. M. nur Arbeit wenn ich Arbeit hatte weil ich mit ihm zum Drehen fuhr. Er hatte keine anderen Kunden, nur die Kunden, die ich mit der Redaktion heranschaffte und für die ich drehte. Ich recherchierte, ich fand Themen, ich fand Drehs und er war der Kameramann. Wenn andere Kollegen einen Dreh für mich machten dann war auch er der Kameramann aber außerhalb gab es niemanden. Gott sein Dank änderte sich diese Situation dann genau rechtzeitig und es blieb auch ohne mich bei einem relativ regelmäßigen Einkommen. Unser Büro lief weiter und die Aufträge erledigten Kollegen von mir auch weiter mit Mr. M. Klar war es immer noch auf Abruf aber wie es immer schon war, es gibt immer auch Termine, die einige Tage vorher feststehen.

Ich möchte noch mal betonen, dass ich niemals verlangt habe oder der Illusion erlag, dass Mr. M. regelmäßig zu Hause ist oder heimkommt. Niemals, denn ich weiß es ist unmöglich. Genauso möchte ich aber betonen, dass man nicht seine Kunden verliert und nicht in Armut verfällt wenn  man Zwei oder Dreimal im Monat sagt, heute kann ich nicht drehen. Ich widerhole: ein oder zweimal im Monat.

Das erste Weihnachten mit unserer Tochter hat er einen Dreh angenommen und war nicht da! Ich war alleine mit meiner Familie und ohne meinen Mann. Das Gleiche hat er an Silvester gemacht.

Seine Eltern kamen alle heiligen Zeiten mal in die Stadt – er hat mich mit ihnen alleine gelassen.

Wenn ich krank war ist er nicht einmal zu Hause geblieben Ich musste immer meine Mutter anrufen, weil mein Mann nicht da blieb um sich um sein Kind zu kümmern wenn ich krank war. Um das klar zu stellen: Er ging ins Büro und hat sich da hingesetzt und meine Mutter kam in die Wohnung und hat mir geholfen.

Besonders nett war es, als ich mich einmal die halbe Nacht lang übergeben musste und am Morgen vollkommen am Ende auf dem Sofa lag – Mr. M fragte mich ernsthaft wer unsere Tochter jetzt in die Krippe fahre oder ich könne ja meine Mutter anrufen.

Ja, die Krippe…so ungefähr mir 1,5 Jahren (ein bisschen älter) ging die Kleine 2 Tage die Woche und die Krippe und das Jahr darauf dann 3 Tage die Woche. Nicht ein einziges Mal hat er sie morgens in die Krippe gefahren. Nicht einmal angeboten sie hin zu bringen. Nicht einmal. Ich glaube ich kann es an einer Hand abzählen wie oft er sie gebracht oder geholt hat und nur wenn man ihn ganz explizit darum gebeten hat, weil irgendwas war. Wenn er nichts zu tun hatte blieb er im Bett liegen und stand erst auf als wir beide die Wohnung verlassen hatten  oder später ging er eben zum Sport und hinterließ mir ein aufgelöstes Kind. Wirklich, er lag im Bett bis sich mit der Kleinen draußen war, dann stand er auf und machte sich schön in Ruhe fertig. Ich konnte das mal beobachten als ich in die Wohnung zurück musste weil ich was vergessen hatte. Die Fahrt zur Krippe dauerte im Übrigens etwa 10 Minuten/ 15 wenn viel Verkehr war.

Sätze wie: „Ich hab morgen erst um 9 einen Dreh ich kann sie hinbringen“ oder „wenn du krank bist, dann fahr ich sie schnell in die Krippe.“ oder gar „Ich bin fertig mit drehen soll ich die Kleine abholen.“

… oh Gott ich fall gleich vor Lachen vom Stuhl während ich den Witz schreibe.

Wenn ich also krank war musste ich meine Mutter rufen, weil er sich nicht einmal bereit erklärte zu bleiben. „Wenn ein Anruf kommt muss ich weg.“ Heißt also für mich ich habe sowieso keine Sekunde Ruhe und ich brauche einen Plan B.

Das bedeutet auch er hat seelenruhig zugesehen, wie ich andere Leute organisiere um mir zu helfen und er dafür die Wohnung verlässt und ins Büro geht.

Diese Schema traf auf alles zu was mich angingt: Jeden Arztbesuch, jeden Termin, alles wozu ich gerne mal das Haus verlassen hätte allein und auch jeden Termin mit der Kleinen bei dem ich vielleicht Hilfe benötigte. Mit vollkommener Dreistigkeit forderte er „Ruf deine Mutter an!“ In einem Tonfall als würde er sie dafür bezahlen.

Also ja… theoretisch gab es einen Vater zu meinem Kind und ein Ehemann – zwei Erwachsene um eine Familie zu managen aber in der Realität war dar nur ich und meine Mutter.

Ich wiederhole nochmal: Meistens saß er bei diesen Gelegenheiten im Büro, 2 Straßen weiter, während ein Helfer in seine Wohnung ging um seine Familie zu unterstützen.

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