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Offene Missachtung

Selbst in diesem Wust aus unerfreulichen, traurigen, enttäuschenden Jahren gibt es ein paar Vorfälle, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Die sich tiefer eingebrannt haben als andere, vielleicht weil sie so symptomatisch waren dafür, was jeden Tag vorfiel. Mal mehr, mal weniger deutlich.

Eine Situation passierte, da war alles schon sehr deutlich am Bröckeln. Da stand die Beziehung bereits auf der Kippe und ich hatte auch schon einmal deutlich kundgetan, dass ich so nicht weiter leben werde. Ich erinnere mich, wie ich einmal wieder da stand und einfach nicht fassen konnte, wie man mich so frech und scheiße behandeln konnte. Ostern rückte näher und ich kaufte schon mal ein paar Sachen für den Osterkorb. Ich wollte ein paar niedliche Sachen finden und auch vermeiden, dass es eine Flut von Süßigkeiten geben würde. In diesem Jahr gab es zum ersten Mal die Überraschungseier in diesen Schaf-Eierbechern. Ich fand die damals total süß und nahm eines in Schwarz und eines in Weiß. Ich war sehr sicher der kleine Zwuckel würde die auch cool finden und es war im Prinzip etwas, was sie danach auch gerne weiter benutzen würde. Egal- warum auch immer, ich fand die Dinger super!

Daheim zeigte ich Mr. M. die zwei Schafe und sagte zu ihm, – und da schwöre ich Stein und Bein drauf- das, ich die beiden für Ostern gefunden hatte und dass ich sie voll süß finde. Ich erklärte außerdem ich sei sicher, dass die Kleine sie auch mögen werde und ich sie jetzte verstecke bis Ostern, damit sie die Maus nicht findet. Ein paar Tage später ging er mit ihr einkaufen und sie kam heim mit dem Überraschungsei und einem Schaf. Ich stand da, mit offenem Mund und ich konnte es kaum fassen. Ich hätte heulen können.

Ebenfalls nie vergessen werde ich Folgendes: Die Kleine war noch nicht lange auf der Welt und wurde noch alle 3 Stunden gefüttert. Von mir. Ich ging meistens nach dem Fläschchen um 21.00/22.00 Uhr ins Bett. Mr. M. blieb vor den Fernseher sitzen und das bis mindesten 00.00 Uhr. Regelmäßig, nicht nur manchmal. Also hatte ich die unfassbare Idee, ihn zu fragen, ob er, wenn er ja eh noch wach war für die Flasche um 23.00 Uhr/00.00 Uhr, sie ihr nicht geben könne. Einfach vor dem TV und ich müsse nicht aufstehen für diese Fütterung sondern dann erst für die nächste. Er antwortete mir direkt ins Gesicht, das ginge nicht, er müsse am nächsten Tag arbeiten. Ich fragte ihn was der Unterschied sei zwischen Fernsehen und dem Kind die Flasche geben und Fernsehen und ich gebe dem Kind die Flasche. Außer natürlich der, dass ich das Bett verlassen musste. An die Antwort kann ich mich nicht mehr erinnern aber ich erinnere mich an das Ergebnis: Er tat nichts dergleichen und ich machte weiterhin jede Flasche.

Auch relativ kurz nach der Geburt setzten wir uns mal zum Essen an den Wohnzimmertisch. Der Zwerg war fast pausenlos an mir dran. (6 Wochen zu früh, ihr erinnert euch? Ein Frühchen.). Ich hatte sie einfach fast immer in Körpernähe und als wir uns setzten schlief sie. Ich stellte also den Spaghettiteller auf meine Knie und aß mit einer Hand meine Nudeln. Das klappte schon aber wer ein bisschen Fantasie hat, kann sich sicher vorstellen wir gut man so essen kann, ne? Mr. M. schlang seine Nudeln runter, stand auf und ging aus dem Zimmer. Ja, ich hätte das Baby auch weglegen können aber das wollte ich nicht und ich glaube das ist auch gar nicht, worum es geht. Welcher Ehemann und Vater sieht denn nicht die Lage und nimmt mir einfach das Kind ab damit ich essen kann und die Kleine trotzdem auf dem Arm ist?

Seit dem Moment der Geburt lebte ich mit dem permanenten, unterschwelligen Vorwurf, „Du verdienst kein Geld. Du lebst hier von meinem Geld. Du gibst hier mein Geld aus.“ Was er da mit mir machte habe ich ja schon erzählt. Irgendwann, ist das Kind natürlich alt genug um zu fragen „Papa wo gehst du hin?“ „Papa was machst du?“ Mr. M wurde nicht müde, jeden Tag zu seiner Tochter zu sagen, nein zu betonen: „Der Papa geht A R B E I T E N. Der Papa muss G E L D  V E R D I E N E N.“ Genau so sprach er das jeden Tag laut vor. Versteht ihr was ich meine? Die Aussage selbst ist ja ok und auch wahr aber diese Art es zu sagen, war einfach eine Unverschämtheit mit gegenüber und es transportiert ja auch an sein Kind eine ganz bestimmte Botschaft.

Als letztes weiß ich noch ganz deutlich, dass ich wirklich die meiste Zeit ziemlich gestresst war oder einfach sehr überladen. Mr. M. hatte die Angewohnheit sobald er die Küche betrat das Radio anzumachen. Immer schon. Während der schlimmen Zeit konnte ich das nur ein paar Minuten ertragen und machte dann wieder aus. Er ignorierte das. Also sprach ich es eines Tages deutlich aus und bat ihn, bitte das Radio nicht mehr anzumachen weil es mir so sehr auf die Nerven gehe. Er schaltete es völlig ungerührt immer wieder an. Ich schaltete es immer wieder aus und sagte einfach nichts mehr.

 

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