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Alles anzünden!

Es ist so unfassbar ermüdend. Wie viele Menschen laufen nur rum auf der Welt, die den Satz „Ich habe niemanden“ nicht verstehen?

Wir können uns doch sicher alle auf Folgendes einigen: Wenn ich einen Vertrag eingehen möchte um einmal in der Woche zu einer bestimmen Uhrzeit etwas nur für mich zu tun. Alleine. Dann muss ich zu diesem Zeitpunkt eben auch alleine sein.

Gut.

Wir können uns sicher auch darauf einigen, dass diese Privatvergnügung außerhalb der Arbeitszeit stattfinden muss.

Super.

Jetzt habe ich nun mal ein Kind und bin außerhalb der Arbeitszeit dadurch per se nicht alleine.

Verstanden.

Folglich brauche ich also jemanden, der an jedem Tag x zu einer Zeit y (Abends, da ja außerhalb der Arbeitszeit, die ja belegt ist mit Arbeit) zuverlässig und wiederkehrend mein Kind betreut.

Soweit sind wir noch alle einig, oder?

Jetzt sage ich aber: „Ich habe da niemanden, der das tun kann.“

Ohhhhh….. da geht’s schon los mit innerlich die Augen verdrehen und einem ersten leichten Vorwurf. „Also wenn Sie das wirklich machen wollen, dann muss man das sicher hinbekommen.“

*Grillen zirpen*

Also nochmal langsam überlegt. Ich habe niemanden, der mein Kind nimmt. Woran, denkt das Gegenüber also, scheitere ich? Kind irgendwo für eine Stunde draußen anbinden?

„Suchen Sie sich doch einen Babysitter!

Bahnbrechender Vorschlag. Kam mir noch nie in den Sinn!

Der billigste Babysitter, den es so realistisch zu finden, gibt kostet 8€ die Stunde. Ich muss also für eine Verabredung 16€ zahlen (ich muss ja auch noch hin und zurück fahren). Das ganze mal 4 = 64€ im Monat um einen Termin wahrzunehmen. Die habe ich nicht.

Wieder werden leicht die Augen verdreht. „Ich sehe schon, Sie wollen einfach nicht.“

Nehmen Sie sich doch eine Leihoma, ich kennen viele, die damit tolle Erfahrungen haben.

Ich weise nur äußerst ungern darauf hin: Leihomas klingen so lieb, gell aber die wollen auch Geld von mir und zwar mehr als 8€ pro Stunde.

Nein, nein, die gibt es kostenlos.

Oh je, oh je. Leider habe ich auch hier einen Einwand, einen ganz doofen. Ja, ich kenne diese Stelle. Ich war da schon persönlich. Es ist in der ganzen Stadt die EINZIGE Stelle mit ehrenamtlichen Leihomas. Wollen Sie mal raten wie lange da die Warteliste ist.

Jetzt wird man sehr ungeduldig mit mir. „Sie wollen einfach nicht, Frau E. man bekommt das immer irgendwie hin.“

Sind wir wieder beim Kind draußen anbinden?

Ich möchte da manchmal so wütend werden. Wo leben diese Menschen denn? Haben die wirklich so wenig Ahnung? Die meinen das ja ernst!

Haben sie keine Freunde?

Klar habe ich Freunde aber die nehmen mein Kind nicht einmal die Woche. Am Abend für zwei Stunden, die nächsten 6 Monate. Die haben eigene Kinder.

Haben sie denn Eltern?

Klar habe ich eine Mutter aber die kann das eben auch nicht.

Und immer dieser verschissene Dreck, man wolle einfach nur nicht! Ja ne, is‘ klar, man hat uns alles nur ins Gehirn geschissen und eigentlich liegt die Lösung auf der Straße. Die kostenlose Leihoma, der willige Babysitter, die hilfsbereiten Nachbarn, das La La Land!

Ich will nicht leugnen, dass es alle diese Dinge gibt.

Klar, “throw money at the problem“ ist der einfachste Weg. Habe ich aber nicht. Schaffe dir ein zuverlässiges Netzwerk, da lach ich aber mal laut. Ich habe nun mal im Problemviertel grade keine netten Nachbarn zur Hand, denen ich meine Kind rüberschiebe.

Geil auch der Vorwurf warum man sich denn so viele Termine „mache“, das müsse weniger werden!

Dabei hab ich nur Termine aufgezählt, die überhaupt nicht freiwillig „gemacht“ sind. Ich weiß ja nicht wie es meinem Gegenüber so geht aber ich tue mich schwer einfach mal alle Behandlungstermine für mein Kind sein zu lassen und sämtliche Untersuchungen halt dann nicht zu machen, obwohl sie mir angeraten werden? Geht’s eigentlich noch? Nicht ein einziger meiner Termine ist „selbstgemacht“ oder hat irgendwas mit Beschäftigungstherapie zu tun.

Ich weiß, die meisten Alleinerziehenden wissen genau wovon ich spreche und zucken nicht mal mit der Wimper, weil sie wissen, dass ich die Wahrheit sage. Dennoch, ist man denn als Nicht- Alleinerziehende oder als Alleinerziehende, die eben Glück hat und bei der es super läuft mit Eltern und Netzwerk und Familie, wirklich so ignorant, dass man denkt die Welt läuft für alle so?

Ich möchte grade alles anzünden!

2 Kommentare

  1. Ani

    I feel you. Leute mit super familiärem Netzwerk kommen überhaupt nicht auf die Idee, dass es anders sein KÖNNTE. Nun bin ich zwar nicht alleinerziehend mit meiner 3 jährigen, aber ausserhalb uns 2 Eltern gibt’s halt auch niemanden. Das verstehen auch so viele nicht, die einfach mal das Kind für einen Nachmittag zur Oma geben oder ein Wochenende zu zweit wegfahren. Das haben wir uns auch schon alles anhören müssen. Da könnte ich auch verzweifeln ob der Ignoranz und den Sprüchen wenn ich von unserer Belastung spreche. Hoch lebe der Kindergarten.

    • Lilli Engelmann

      () Danke dir für deinen Kommentar. Ja, das musste mal raus 🙂 Ich weiß, dass es auch in einer Beziehung wirklich nicht zu viel freie Zeit gibt. Die Sprücheklopfer nerven überall!

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