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Am seidenen Faden

Nächste Woche haben wir einen erneuten Termin zur Diagnostik in Sachen Aufmerksamkeit.

Ich wusste ja schon vor Schulbeginn, dass da etwas auf mich zukommt aber ich hatte es mir nicht so hart vorgestellt.

Über den halben Nervenzusammenbruch der Tochter vor dem Schulgebäude, nur wenige Tage nach Schulbeginn, habe ich ja schon erzählt. Leider entdeckte die Maus sehr bald die Möglichkeit, sich von der Schule abholen zu lassen, wenn man krank ist. Dreimal musste ich, innerhalb von 4 Wochen, die Kleine wieder aus der Schule holen. Einmal schaffte sie es, dass ich sie ganz Zuhause ließ, weil sie angeblich so krank war. Leider zeigte sich bald, dass die Krankheit keine war.

Ich hätte heulen können als ich zum dritten Mal im Klassenzimmer stand und mein Kind mich breit angrinste. Dreimal musste ich alles stehen und liegen lassen und das Kind holen – innerhalb kürzester Zeit. Mir war klar, dass ich das dringend in den Griff bekommen musste bevor die Maus das weiter instrumentalisierte. Nein, nien, ich sprech ihr nicht ab, dass sie isch nicht gut fühlt in dem Moment. Ich glaube ihr auch, dass sie psychosomatische Bauschmerzen hat aber ich kann deswegen nicht einmal wöchentlich alles sausen lassen.

Gott sei Dank ist die Lehrerin wirklich, wirklich bemüht und sehr wohlwollend. Wir haben vereinbart, dass die Kleine nicht mehr anruft bei jeder Kleinigkeit. Sie darf sich hinlegen, sie darf in die Kuschelecke, sie wird raus genommen aber sie bleibt in der Schule, wenn es nicht wirklich nötig ist. Ich hoffe sehr, dass es besser wird.

Das ist leider längst nicht der einzige Stolperstein. Es zeigt sich, dass die Kleine wirklich im Unterricht nur sehr schwer mitkommt. Sie kann sich nicht fokussieren und schafft es leider kaum mitzukommen. Natürlich merke sie das auch selbst sehr schnell. Sie merkt, dass sie langsamer ist, dass sie nicht mitkommt, dass sie nicht besonders gut schreibt etc.

Daraus resultiert leider eine fast tägliche Weigerung zur Schule zu gehen.

Ich lerne mit ihr wann immer es geht. Leider gestaltet sich auch das schwer, denn das Fräulein verweigert oft die Mitarbeit. Der einzige Trick, der ein kleines Bisschen half (und hilft), war die Tokensammlung, mit anschließender Belohnung. Langsam gewöhnt sie sich etwas dran und ich sehe sofort Ergebnisse. Sie kann das alles, nur kann sie in der Schule nur schwer abliefern. Sie braucht jemanden neben sich, der darauf achtet.

Auch hier bin ich dankbar für ihre tolle Schule. Der Erzieher im Hort hilft ihr unheimlich weiter.

Die Maus macht auf Außenstehende den Eindruck, sie sie unkaputtbar. Sie habe endlos Energie und wäre nicht müde zu bekommen. Stimmt aber nicht. Es sieht vielleicht so aus, weil sie sich auch im Hort mit vielen Kindern nicht länger auf eine Sache konzentrieren kann. Sie flippt den ganzen Tag herum, wie ein Schusser, von einem Spiel zu anderen. Nach dem Hort Zuhause ist sie oft dermaßen am Ende ihrer Kräfte, dass sie überhaupt nicht mehr weiß wo sie noch dagegen sein soll und zur Bettizeit einfach nur noch weint und schimpft.

„So einem Kind würde es besser tun, man holt sie nach der Schule ab und sie darf Daheim rumsanteln“, so sagte man mir. Da flammt es auf, das schlechte Gewissen! Da kommen sie hoch, die Schuldgefühle. Glauben Sie mir, ich würde meinem Kind gerne diese Möglichkeit bieten aber wer bezahlt dann unser Leben? Ich würde viel drum geben, könnte ich sie abholen um 11.20 Uhr, sie Zuhause runterkochen und in Ruhe mit ihr lernen. Ja, das wäre schön.

Meine Nerven liegen oft blank. Wie schon so oft festgestellt, reagiert Töchterchen auf schwierige Phasen mit ausdauernder Totalverweigerung.

Sie will also nicht aufstehen, nicht frühstücken, sich nicht anziehen, nicht die Zähne putzen und nicht in die Schule. Oft bin ich, wenn wir um 07.20 Uhr im Auto sitzen am Ende meiner Kräfte und habe diskutiert für zwei Tage.

Am Abend geht es aber oft genauso weiter.

Natürlich weiß ich intellektuell warum sie das tut und ich weiß es ist keine Absicht und ich weiß, was da läuft und trotzdem schaffe ich es nicht das durchgehend zu verkraften. Meine Nerven hängen oft am seidenen Faden und wieder ärgere ich mich dann über mich selbst, dass ich den Langmut nicht gepachtet habe. Manchmal habe ich einfach keine Lust mehr, noch die Lippen zu bewegen. Am Wochenende geht es am Besten. Da schaffe ich mit ihr oft mehrere Übungen und ich merke wie es fruchtet. Leider haben wir aber ja nur jedes zweite Wochenende um das zu tun. Denn ich bleibe dran, immer wieder frage ich sie und im Laufe eines ganzen Tages erwische ich die guten Minuten zum Lernen. Leider mach nur ich das so.

Da erste Mittel der Wahl bei dieser Problematik ist ja Omega3, hoffend, das es was bringt. Natürlich gab es in der Apotheke ein Präparat extra für Kinder mit diesem Problem. Blöd wie ich bin, habe ich es selbstverständlich gekauft. Es stellt sich heraus: Die Kleine bekam davon schrecklich Durchfall. Irgendwas ist anscheinend echt immer! Also erstmal ein anderes Präparat.

Ich bin jetzt gespannt auf die nächste Diagnostik. Die letzte war ja noch zur Kindergartenzeit. Allerdings weiß ich auch nicht was ich noch alles tun soll. Wenn jetzt noch der Logopäde verordnet wird, dann ist endgültig Schicht im Schacht. Wirklich, was soll ich denn noch alles unter einen Hut bringen?

Klar, zu Zeit bin ich arbeitslos und könnte mich prima um alles kümmern. Aber ich muss asap einen neuen Job finden, sonst bricht das Kartenhaus erst Recht zusammen. Manchmal kam mir schon der Gedanke einfach von ALG II zu leben und dafür Zeit zu haben aber das ist Blödsinn ich weiß. Den Weg in die Armut gehen für mehr Zeit mit und für das Kind ist wohl auch nicht die Lösung.

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