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Auf der Planke

Ich habe lange überlegt ob ich das hier posten soll. Schreibt man über den Job? Über Kollegen? Ich weiß, die ein oder anderen schaut vielleicht mal rein hier. Weil ich weiß, dass manche Kollegin manchmal mitliest bin ich mir sehr unsicher darüber zu schreiben. Will ich überhaupt, dass man sowas im Job über mich liest? Denkt man am Ende von mir, ich will jetzt auch noch Mitleid erregen? Will ich mich hier nur rechtfertigen? Heißt es vielleicht dann, ich übertreibe oder ich stelle das falsch dar? Am Ende habe ich es getan, denn es arbeitet in mir und hängt nicht zuletzt ebenfalls mit meiner Situation zusammen. Nicht alles aber manches. Natürlich ist hier nur meine Sicht der Dinge, keine objektive Einschätzung. Es kann gut sein, dass die Darstellung aus meiner Sicht nicht korrekt ist. Das liegt wahrscheinlich auch in der Natur der Sache. Zudem ist hier absolute Anonymität gegeben und nur wer mich kennt, weiß worum es konkret geht. Ich plaudere hier also nichts aus, was keiner wissen darf. Wenn jetzt jemand sagt, das stimmt doch alles so gar nicht…in meinem Bauch ist es aber gerade so. Der Text ist lang. Sorry, normal bin ich kürzer.

Es ist passiert. Zum ersten Mal bekam ich einen Seitenhieb zu hören: „Du warst ja nun öfter nicht da, wegen deinem Kind.“

Als alleinerziehende Mutter löst dieser Satz eine perpetuierende Angstspirale aus. Natürlich ist mir klar, dass ich beim Thema Vereinbarkeit oft scheitere. Scheitern muss. Im Idealfall sollte man ja arbeiten als hätte man keine Kinder und sich um die Kinder kümmern, als müsse man nicht arbeiten. Doch diesen Druck hält man leider nicht lange durch.

Gerade zu Schulbeginn habe ich ja mit meiner Tochter die Aufmerksamkeitsdiagnostik begonnen, was mich mit einer Flut von Arztterminen überspülte. Ich musste es irgendwie schaffen zu arbeiten und fast wöchentlich mehrere Termine mit meinem Kind zu absolvieren. Das Dumme ist nur: Ein Fachharzt sagt DIR wann du kommen kannst und nicht umgekehrt.

Drei Montage musste ich die Arbeit früher verlassen deswegen. Natürlich schützt das auch nicht davor, dass die kleine Maus zwischendrin krank wurde und ich sie wieder aus der Schule holen musste.

Wenn ich auf die nächste 2 Wochen blicke wird mir ganz schlecht. Ich habe schon drei Termine um 8.00 Uhr. Also vor der Arbeit und dann drei um 16.30/17.00, also unmittelbar nach der Arbeit. Gerade so zu schaffen. Nur wenn ich pünktlich gehe. Leider muss die Maus aber auch zum Augenarzt. Der ist um 15.00 Uhr. Der Termin steht seit 4 Monaten. Das alles mit der Aussage im Hinterkopf: „Du warst ja in letzter Zeit öfter nicht da, wegen deinem Kind.“

Klar, würde man mir jetzt sofort die Pistole auf die Brust setzten, dann könnte ich nur sämtliche Termine meines Kindes einfach sofort absagen (Augenarzt, Zahnarzt, Ergo, Therapie). Sicher, das Kind kann auch ohne leben. Dann könnte ich fast arbeiten, als hätte ich keine Kinder. Mit der Einschränkung, dass der Hort irgendwann schließt und niemand mehr krank werden darf.

Da große Problem mit der Vereinbarkeit, wenn du niemanden hast, der dir hilft und wenn du keine Kohle hast um Hilfe zu kaufen, dann ist Vereinbarkeit fast ein Märchen. Natürlich hat das den Arbeitgeber am Ende nicht zu interessieren. Das ist mir bewusst und ist ja auch ganz klar. Die arbeitende Mutter, die zerreißt es eben auf dem Weg dann manchmal.

Ich habe auch noch einen zweiten Job, einen Minijob. Wenn ich da nicht auftauche, dann gibt es halt kein Geld. Die letzten Wochen konnte ich da so gut wie nicht hin. Die Maus krank, ich war auch mal krank und ich muss auch irgendwas gebacken kriegen, irgendwann, zwischen all den Aufgaben. Natürlich fehlen mit jetzt nächsten Monat ein paar hundert Euro.

Selbst wenn ich also nie wieder einen Termin wahrnehme, bleibt da immer noch ein Kind, das aus dem Hort abgeholt werden muss und das mit 100% Wahrscheinlichkeit demnächst wieder krank sein wird. Ehrlich gesagt, schon während ich hier tippe hustet sie, als gäbe es kein Morgen und schon fliegen die Gedanken. Was wenn sie Montag krank ist? Was tue ich dann? Dann heißt es wieder, „die ist nicht da, weil ihr Kind wieder krank ist“. Diese Angst ist neu, bisher dachte ich, ich müsse sie nicht haben, doch mit der kleinsten vermeintlichen Schwäche, kommen dann doch auch plötzlich solche Angriffspunkte. Dir wird ein, wie auch immer geartetes Versagen nachgesagt, und sofort hebt sie den Kopf, die hässliche Schlange des „wegen deines Kindes“.  Jeder legt sofort den Finger auf diese große Schwäche, die sie alle kennen und die natürlich am einfachsten als die Wurzel jedes deiner Übel identifiziert werden kann.

Der Kopf ist oben und ab jetzt ist es weg, dein Gefühl auf festem Boden zu stehen. Ab jetzt siehst du sie vor dir, die Strichliste, jedes Mal wenn du wieder sagen musst, „ich kann nicht“. Ab jetzt schnürt es dir den Hals zu aber trotzdem wirst du es sagen müssen. Jetzt schon habe ich Bauchschmerzen weil ich nächste Woche etwas übernehmen soll, was ich wirklich, wirklich gerne tun würde aber ich weiß im Grunde schon, dass ich es nicht riskieren kann, weil es zu knapp wird um mein Kind dann abzuholen und weil ich wirklich realtiv sicher bin, dass die Maus im Laufe der nächsten Woche krank im Bett landen wird. Ich kann es ihr jetzt schon ansehen. Ich werde vielleicht noch ein paar Tage Schule hinbekommen und dann wird sie richtig krank, weil in der Schule nichts besser wird, sondern schlechter. Wenn ich dann sage, ich kann die Aufgabe nicht übernehmen, dann wird es noch schlimmer, das Gefühl auf die Planke geführt zu werden. Außerdem wäre es der worst case für alle, würde ich kurzfritig vorher ausfallen.

Zum ersten Mal in meiner beruflichen Laufbahn fühle ich mich ungerecht behandelt und merke, dass es doch sehr schnell geht in seinem Wert infrage gestellt zu werden. Egal wie lange alles gut war, ein paar Anschuldigungen genügen. Außerdem wurde mir attestiert, ich würde „eine Fluppe ziehen“ und es sei doch besser mit einem Lächeln zu arbeiten, man frage sich ob mit mir „alles in Ordnung sei.“

Ganz kurz zu meiner „Fluppe“. Nein, mit mir ist sicher oft nicht alles in Ordnung und ich habe auch nicht viel zu Lachen. Das hat am aller wenigsten mit meinem Job zu tun. Wenn meine Kollegen sich also fragen, ob mit mir alles in Ordnung ist, weil man es mir ansieht, dann fände ich das ja sehr nett und aufmerksam. Leider aber hat MICH PERSÖNLICH niemand gefragt.

Es wurde auch erklärt, dass man mir schon länger ansehe, dass ich schlecht drauf sei und daraufhin hat man die Kollegen befragt wie ich mich so mache. Mehrere Menschen hätten gefragt was mit mir los sei, kein einziger hat mit mir geredet. Ich weiß auch nicht wer „mehrere“ ist.  Anscheinend also wurde lange über mich geredet aber nicht mit mir. Erst jetzt.

Das tollste daran – jemand hat diese Frage gestellt, der mich nicht mal kennt. Der zwar weiß wie ich heiße und wie mein Gesicht aussieht aber sonst nix. „Was mit mir los sei“, ist also hier nur eine verschleierte Art seine Unzufriedenheit auszudrücken, sonst nichts. Natürlich hat der Mann das Recht sich über meine Leistungen zu beschweren und es als Besorgnis zu tarnen, weil er selber dann viel netter klingt dabei. Das Problem, wenn der fast fremde Kollege Kritik über Besorgnis übt – ich gerate sofort in den Ruch der Überforderung durch Probleme. Ich werde nicht nur für meine Fehler gerügt, es wird die Schuld für meine Fehler in meiner Gefühlslage gesucht. Das ist fatal, wenn dann jeder sofort auf die eine Stelle zeigt an der du quasi schutzlos bist – dein Status als Alleinerziehende mit Problemen und Fehltagen. Das ist eine Gefahr, in der die meisten von uns schweben. Früher oder Später. Das holt viele ein. Da ist das Schreckgespenst der #Vereinbarkeit.

Blöd, dass ich da sitze und wirklich nicht weiß, warum plötzlich jetzt. Meine Arbeitskraft kann ich beim besten Willen nicht als weniger einstufen als früher. Ich würde meinen Arsch drauf verwetten, dass die „Katastrophen“ im Vergleich zu früher weniger geworden sind. Ob meine Art jemanden stört weiß ich nicht. Ich habe keine Erklärung, warum man mich ausgerechnet jetzt abkanzelt. Natürlich mache ich Fehler und muss mich dafür rechtfertigen und zur Rede gestellt werden oder mich erklären….muss ja jeder. Habe ich auch…versucht.

So richtig konkret wurde mir nicht gesagt, was die anderen gegen mich vorbringen aber einige Stichpunkte sind gefallen.

Ich kümmere mich schon seit längerer Zeit darum Orte zu finden, an denen die anderen dann unsere Filme drehen können. Ich habe keine Datenbank mit 300 Locations auf die ich zugreifen kann. Ich muss manche Dinge in Kleinarbeit suchen. Dabei gibt es immer wieder Wünsche, die wirklich nicht einfach sind. Ein Beispiel, das im Nachhinein zu „Unmut“ führte.

Bitte finde ein altes, historisches Wohnhaus. Ein einzelnes Wohnhaus, das „so alt ist wie es irgendwie geht“. Es soll einfach sofort als historisches Haus zu erkennen sein (am liebsten noch einen Lehmboden im Keller – so alt! Nein, nein, den Lehmboden brauchten wir nicht aber das Alter schon gerne.) Dem nicht genug. Dieses Haus soll auch einen sehr alten Keller haben. Rohe Wände, ein Gewölbe, einfach ein sehr alter Keller, wo man so tun kann als sei man im Mittelalter. (Das bedeutet, keine Stromkabel, keine Lampen und so…) Wenn das Haus keinen solchen Keller hat, dann muss ich in unmittelbarer Nähe (!) eben ein altes Gewölbe finden. Okay. Hinzu kommt, das Haus darf nicht weiter als 45 Minuten (lieber nur 30) von der Stadt entfernt sein.  UND!!!!! Die Leute, denen das Haus gehört, die müssen einverstanden sein, dass wir bis etwa Nachts um 01.00 Uhr in ihrem Haus sind.

Was habe ich also getan. Ich telefonierte mit Museen, mit historischen Vereinen, mit Immobilienmaklern, ich suchte Immobilienanzeigen und googelte nach alten Häusern. Was ich fand war alles nicht geeignet. Die Decken zu niedrig (klar, weil eben historisch) , zu weit weg, nicht zu vermieten. Ich fand sogar ein Jurahaus – eines der ältesten Häuser, die überhaupt noch stehen in Bayer. Auch zu weit weg.

Während einer solchen Suche vergeht natürlich Zeit und der Tag X rückt immer näher. Als die Luft immer dünner wurde, ging dann doch auf ein Haus zurück, bei dem ich wusste es hat wenigstens einen tollen alten Keller. Es stellte sich heraus, Leute haben tatsächlich ihre Küche sehr schön auf alt eingerichtet und das Haus hat diese dicken, weißen, unregelmäßigen Wände, die sofort nach Geschichte aussehen. Von außen sah es eigentlich zu gut aud, gepflegt historisch. Es war nicht das, was wir uns gewünscht haben aber es war in dieser Situation eine bomben Lösung und die einzige, die ich hatte. Die Leute waren einverstanden, dass wir in ihrem Wohnhaus drehen bis etwa 21.00 Uhr und dann in ihren Keller gehen und in eines ihrer Gästezimmer für den Rest.

Aus irgendwelchen Gründen kam aber nun der Herr in dem Haus auf die Idee, dass er alle seine Türen zusperrte, von den Räumen wo wir nicht explizit hinein mussten. Anscheinend ließ er das Team auch nur auf ein Dixi Klo gehen.

Das wurde mir dann irgendwann erzählt. Viel später erst. Was das solle? Wisst ihr was? Ja, tatsächlich, ich bin nicht im Traum auf die Idee gekommen, dass der Mann alle Türen zumacht und ein Dixi Klo da hat! Nein, ich habe den Mann nicht explizit danach gefragt, dass wir auch mal auf ein normales Klo müssen, wirklich auf diese Idee bin ich nicht gekommen! Liegt das an meinem angeblichen Frust oder meiner angeblichen Überforderung, dass ich auf dies abgefahrene Idee gar nicht kam?

Das ist ein Beispiel für so eine „Katastrophe“ die es immer wieder gab. Vom ersten Tag an (vor 4 Jahren) und die ich auch jederzeit zugebe, mich aber gleichzeitig außer Stande sehe sie vollkommen zu verhindern. Egal was ich alles sage, es werden immer wieder andere dumme Sachen passieren, weil wir eben manchmal so unfassbar auf dieses EINE Motiv angewiesen sind. Das ist es: Ich bin manchmal auf einfach diese eine Möglichkeit angewiesen auf Wohl und Wehe.

Eine andere Aufgabe war: Wir brauchen ein Einfamilienhaus, das ebenfalls von außen alt ist. (Nachkriegszeit oder so). Ich habe nicht sehr viele alte Häuser. In der Nähe dieses Hauses (max. 15 Minuten Fahrt) brauchen wir eine Straße durch den Wald. Bitte richtiger Wald, nicht nur paar Bäume. Die Straße soll geteert sein und wir müssen sie für ein paar Stunden komplett sperren. Es darf aber auch nicht teuer sein. Es müsste also eine sehr abgelegen Straße sein, damit man uns überhaupt eine Sperrung erlauben würde.

Ich kann aber nicht irgendwo im Hinterland im Wald anrufen, weil das zu weit ist und weil ich ja da auch kein Haus habe. Zudem, hat schon mal jemand versucht herauszufinden wem, wo, welcher Wald gehört? Das braucht ein paar Anrufe.

Irgendwann war also das Haus gefunden, welches passte und  wo wir zwei Tage bis sehr spät Nachts rein durften (!). Das wird ja gerne vergessen, viele Menschen wollen das nicht, gerade mit Kindern. Um diesen Fixpunkt herum sollte ich jetzt also eine Straße finden. Es zeigte sich bald, dass die Waldgebiete hier sehr dünn waren (wegen Sturm xy). Außerdem waren wir immer noch in der Stadt. Geteerte Straßen durch den Wald sind Verkehrsstraßen, die ich nicht einfach so sperren darf. Selbst wenn ich es beantrage, nicht. Was könnte also die Lösung sein? Ich musste einen Privatmann finden, dem genau in diesem Stück  ein Wald gehört.

Außerdem lerne ich von mehreren Stellen, dass es im Stadtgebiet keine Teerstraßen im Wald gibt. Weil das nicht gemacht wird. Wenn eine Teerstraße durch den Wald geht, dann ist das ein Überlandstraße und die wird nicht gesperrt. Nicht vergessen, der erlaubte Radius war sehr klein.

Egal. Ich fand einen sehr netten und hilfreichen Privatmann mit Wald und der vermietet uns eine Waldstraße in der Nähe des Hauses. Wir durften absperren und wir durften machen was wir wollten, so lange wir wollten.

Selbstverständlich entscheide ich das gar nicht alleine, ob wir denn jetzt da drehen oder nicht. Ich sprach sowohl mit der Kollegin, die vor Ort sein würde, als auch mit unserer vorgesetzten Kollegin. Sie wussten, dass die Straße nicht geteert war und dass ich es nicht geschafft habe eine zu finden.

Inzwischen war der Tag X auch nur noch wenige Tage entfernt.

Ich behaupte nicht, dass es nicht vielleicht in 15 Minuten Umkreis eine Teerstraße durch den Wald irgendwo gegeben hat. Ich konnte sie aber nicht finden und die Zuständigen sagten mir es gebe keine. Ich konnte aber auch nicht einfach mal eben ein anderes Haus nehme und ganz von vorne anfangen. Alleine bis ich wieder ein Haus gefunden hätte, die Zeit wäre um gewesen.

Ich hätte sicher auch eine Teerstraße im Wald bekommen aber eben NICHT nahe beim Haus. Ich drehe mich im Kreis.

Wie ich nun erfahren durfte, gab es also laute Beschwerden vom Team, das dann im Wald drehte. Man fand alles ganz schrecklich und ganz scheiße und man fragte sich, „was denn mit mir los sei?“ Die Kollegin muss wohl irgendwie nicht auf der Höhe sein, weil hier kein Teer liegt.

Natürlich, diejenigen die da am lautesten Schreien, die wissen ja nicht was so krass schwierig war, die sehen nur, ich bin zu blöd für eine Teerstraße aber meine Kolleginnen wußten es genau. Kann sein, dass die sich ebenfalls dachten, warum ich mich so blöd anstelle und das jetzt nicht hinbekomme. Vielleicht haben sie da gesessen und sich da schon über mich aufgeregt, weil ich es nicht geschafft habe oder in ihren Augen nicht genug getan habe. Das kann sein. Vielleicht ist es so. Vielleicht wurde darum gesagt ich sei ja oft nicht da gewesen. (Früher weg wäre wohl richtiger.) Ich kann nur raten.

Was will ich eigentlich sagen. Ich sage nicht, ich habe die Aufgabe ideal erfüllt aber ich finde meine Arbeit und meine Bemühungen und meine Rechercheleistung hat sich eben nicht verschlechtert. Das wird mir ja unterstellt, das mit mir was nicht stimme, meine Arbeit leide, ich sei schlechter geworden. Nein, ich arbeite und recherchiere genau so gut wie vorher und schöpfe alles aus was mir einfällt aber ich konnte das Problem eben trotzdem nicht vollständig auflösen.

Es gab auch noch ein Haus, da dachte man wohl, das Maß ist voll. Angesichts der Tatsache wie eng das war und wie lange ich gesucht habe und wie viele Leute ich angerufen habe, sehe ich das aus meiner Warte etwas anders. Es gab ein Hauptkriterium, welches zu erfüllen war. Ohne dieses eine Kriterium wurde kein Haus akzeptiert. Zusätzlich zu diesem einen wichtigen Kriterium musste das Haus aber auch noch alt genug aussehen, um es als Nachkriegshaus zeigen zu können. Es durfte auch Innen nicht modern sein (Das ist im Jahr 2018 nicht einfach). Einige Häuser flogen raus, weil sie eben nicht hatten was man wollte. Ich rief Makler, Kleinanzeigen, Immobilienanzeigen, googelte wild herum etc. Auch meine Kolleginnen fragten dann rum. Niemand fand etwas. 5 Tage vor Tag X habe ich dann endlich, endlich was gefunden. Ja, was ich nicht wusste, dass der Garten anscheinend an einer sehr befahrenen Straße liegt. Diese Information ist mir bei der sehr reellen Gefahr, kein Motiv zu finden dann entgangen. Das ist mir durchgerutscht. Weil ich so überfordert bin mit meinem Leben? Nein, weil es so knapp war und ich einfach bis kurz vor Exitus noch andere Fragen geklärt habe. (Ein zweites Haus der Besitzerin mit Keller. Wie sieht der Keller aus? Kann man eine Türe da einhängen wo wir sie brauchen etc). Ja, ich habe es übersehen, das ist so.

Am Ende fanden dann alle anderen das Haus total beschissen und damit war ich fällig.

Alle Situationen mit solchen Beschwerden – von denen ich weiß -waren genau solche Fälle.

Natürlich ist mir klar, dass wir uns alle diese Anforderungen nicht aussuchen.

Ich würde auch jetzt noch sagen, ich habe alles gegeben und alle meine Rechercheideen verfeuert. Ja, ich habe eine Fehlerquote, das weiß ich und die hatte ich immer schon, bei der Menge der Anforderungen. Es gab Zeiten da hatte noch nicht mal eine kleine Auswahl von Motiven, da sind viel mehr Abstriche passiert und viel mehr Überraschungen vor Ort, die nicht kalkulierbar waren. Was hat sich geändert? Wirklich nur meine Fresse?

Das Gespräch endete dann damit, dass einfach nicht alle wussten, wie schwierig es ist und das nicht ganz oben angekommen sei, dass es einfach nicht anders geht. Heißt also, ich habe vielleicht nicht oft und laut genug überall betont, dass ich nicht in der Lage bin 5 Probleme in einem Aufwasch zu lösen sondern nur 3 davon. Also was ist das Fazit: Schrei laut und oft, dass du nicht weiter kommst bzw. wie toll weit du gekommen bist aber hier ist Schluss? Die Information drang nicht bis ganz oben durch.

Vielleicht waren diesmal mehr Sonderfälle als sonst dabei und kurz hintereinadner? Die Sonderfälle bargen immer schon Risiken, diesmal waren es vielleicht ein paar mehr?

Das Schlimme ist, ich erkenne vor allem nicht den Abfall meiner Leistungen, der mir attestiert wird.

Frustriert über diese Aufgabe bin ich auch bei weitem noch keine „Wochen“. Erst jetzt, die letzte Zeit, als alle diese Vorwürfe so unterschwellig raus kamen, da wurde ich echt unglücklich damit. Ich mache einen Job, der selbst für meine lange Rechercheerfahrung oft kaum zu lösen ist. Dafür kommt dann nur Kritik zurück? Die beißt mich dann gesammelt in den Arsch? Das möchte ich nicht länger tun. Ja, seit kurzer Zeit habe ich dann sicher auch mal empfindlich reagiert auf noch eine Anforderung und noch eine und immer mit der Auflage, es darf nicht teuer sein, es darf nich weit weg sein, es darf nicht dies und das sein. Das bekomme ich nicht zusammen und dann suche ich und suche ich und dann kommt jemand und fragt mich wieviele Schritte es vom Klo zum Zimmer sind. Ja, absolut, ich wurde irgendwann ungehalten. Das stimmt.

Nichts was ich in den letzten Monaten recherchiert habe und da gab es einige Dinge, auch bei anderen Projekten, interessiert noch irgendjemanden. Jetzt ist man die Mitarbeiterin mit der Fluppe über die sich eine unbekannte Zahl von anderen Mitarbeitern beschweren.Von heute auf morgen steht man auf dem Prüfstand und fühlt sich nicht mehr sicher. Zudem für etwas, das ich  nicht wirklich greifen kann, versteht ihr. Die Aufgabe ist vielschichtig, so dass ich den Fehler nicht einfach festpinnen und ausmerzen kann. Die Beschwerde, dass meine Liste nicht richtig geführt ist. Ja, daran kann ich arbeiten, also wenn ich etwas habe, das in die Liste kann. Das löst aber ja gar nicht die eigentliche Aufgabe: Finde xyz. Wenn ich was für die Liste habe, dann liegt der Gipfel hinter mir. Ich weiß wenigstens, die schlimmsten und schwierigsten Sachen habe ich hinter mir. Ich habe versagt in den Augen des Teams aber jetzt habe ich keine so komplizierten Motive mehr (eins noch, oder so) und kann den Rest sicher besser bestücken.

Eins stimmt auch: Jetzt geht es mir psychisch gerade nicht sehr gut. Ich scheine auf Null zu stehen. Ich habe durch die Trennung hindurch, durch die Scheidung, durch den Umzug , durch so viele Probleme hindurch einen guten Job gemacht, immer wieder gute Dinge geschafft und alles scheint verpufft. Oder ich dachte nur, dass ich das getan habe und man hat mich immer schon ganz anders eingeschätzt? Das ist auch möglich. Vielleicht bin ich schon viel länger auf dem Prüfstand und weiß es nur nicht. Man wölbt die Augenbraue und denkt: Die ist überfordert, die ist oft nicht da, da leidet aber die Arbeit bei der.

….im Hintergrund hustet mein Kind und atmet schwer…. fuck! Ich könnte heulen, echt.

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