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Augenlicht wird überbewertet

Ach ja, Kinderbetreuung ist Mehrbedarf, Brillen sind Mehrbedarf oder Sonderbedarf (oder auch nicht, wie mir nun erklärt wurde). Das ist ja schön aber wer soll die Kraft aufbringen jedesmal darüber zu streiten? Auch wenn es nicht die Brille ist sondern all die vielen anderen Sachen, die da auf einen zukommen in einem Kinderleben. Wer hat das Geld sich jedesmal einen Anwalt zu nehmen und darum zu kämpfen? Die Aussenstehende schreien: „Aber der muss doch“ und „der soll doch“ und „der ist aber verpflichtet“ aber wer soll die Kraft noch haben sich immer und immer darüber zu streiten? Sein Recht einfordern kostet endlose Ressourcen. Wer hat die schon?

Die Maus hat letztes Jahr beim Optiker eine Brille bekommen. Sie ist leicht weitsichtig und manchmal schielt ein Auge so nach Innen. Darum muss sie nun auf jeden Fall in der Grundschule eine Brille tragen.

Ihre erste Brille war natürlich im Kiga irgendwann zerbrochen. Ich habe sie reparieren lassen aber wenn sie erneut bricht kann man nix mehr machen. Ich kaufte also eine zweite Brille. Diese hat die Kleine vor ein paar Tagen komplett verloren.

Nun kaufte ich eine dritte Brille. Das Problem: Die Maus behauptet seit Tagen steif und fest, sie sieht nicht mit dieser Brille.

Da wir die ganze Woche Termine hatten habe ich, Gotte bewahre, den Vater gebeten heute bitte mit ihr zum Optiker zu gehen und mal checken zu lassen wo das Problem liegen könnte. Ich weiß natürlich, dass der Optiker bei Kindern nicht vielmachen kann aber ich hatte vielleicht auf irgendeine Aussage gehofft, die erklärt warum sie sich so streubt.

Das ist das erste Mal, dass Mr. M. in den letzten 6 Jahren irgendetwas hätte erledigen sollen, was wirklich wichtig ist für sein Kind wäre.

Wollt ihr raten?

 

Also ich verstehe das schon richtig? Er hat seine Tochter ganz dolle lieb aber Augenlicht ist nicht sooooo wichtig, dass ER eine Brille bezahlen möchte.

Es hat ihn im Übrigen keiner geschickt eine Brille zu bezahlen. Er sollte sich darum kümmern, warum seine Tochter angeblich mit ihrer neuen Brille nix sieht.

Da ich ihm vor ein paar Tagen aber erzählte, dass ich nicht im Stande bin, in naher Zukunft schon wieder ein Brille zu kaufen – sollte die Maus wieder eine verlieren oder kaputt machen -da antwortete er: „Das tut mir leid aber ich kann auch nix dazugeben.“

Darum ist er wohl heute lieber gar nicht hingegangen und hat erneut klargestellt, dass sein Kind, wenn es nach ihm geht, lieber keine Brille bekommt als von seinem Geld.

Sein Geld geht die Augen seiner Tochter nix an.

Danach hat er mir dann ganz großkotzig erklärt, der Optiker vermisst keine Kinder und man habe ihm nur erklärt, dass die Augen sich dran gewöhnen müssen, weil der Augenarzt die Dioptrien etwas verändert hat. Was er nicht sagt, der Optiker vermisst keine Kinder. So was! Der Outcome war eigentlich der, dass die kleine Maus und er, der Ahnungslose, gehört haben, dass die Augen sich dran gewöhnen müssen. Jetzt kann auch er, der Ahnungslose, seiner Tochter erklären, dass sie die Brille auf der Nase lassen muss und sie nicht nach 3 Minuten runternehmen darf. Ich kämpfe nämlich da alleine drum. Ihn tangiert es ja nicht, ob sein Kind was sieht.

Natürlich bin ich dann doch wieder zum Augenarzt und der hat dann die Gläser erneut etwas abgeändert. Jetzt gehe ich wieder zum Optiker und lasse neue Gläser machen. *Seufz*

5 Kommentare

  1. Antje

    Woah, nach dem Lesen der WA-Nachrichten hatte ich einen Puls von 300. Steigend. Es macht fassungslos. Und das Schlimmste: sie glauben, was sie da schreiben. Und egal, wie argumentativ man ist, es kommt nichts ab. Nichts. Nur noch mehr Blabla, von dem sich keine Termine erledigen oder Dinge bezahlen lassen. WOAH! Aber… sie lieben ihre Kinder ja. Nur irgendwie nicht ganz so bedingungslos, wie es angebracht wäre.

    • Lilli Engelmann

      Für eine Brille reicht die Liebe offenbar schon mal nicht! Das WA Geschwurbel aus der Hölle ist ja leider Standart. Danke für deinen Kommentar!

  2. *niniundminni*

    Liebe Lilli, ich bin vor ein paar Tagen auf deinen Blog aufmerksam geworden und habe mich zunächst total gefreut, da ich eine ähnliche Geschichte habe (plötzliche, nicht so schöne Trennung, kleine Tochter, Wohnungssuche, Kommunikation mit dem Ex manchmal schwierig, Geld knapp…).
    Nun habe ich aber vieles gelesen und muss echt schlucken. Ich verstehe, dass du frustriert und sauer und genervt von der Welt und dem Leben bist, aber es ist doch nicht ALLES scheiße!? Immer. Genauso liest es sich bei dir. Und das Schlimmste: Es sind IMMER ausschließlich die anderen Schuld. Ich habe kaum einen Satz gefunden, wo du zumindest mal kurz reflektierst und deinen Anteil in den Blick nimmst. Dein Ex ist ein Arschloch, die Behörden und die Stadt Scharlatane, dein Kind ist (Zitat) renitent, Wohnungsmarkt: unfair, alle Menschen sind immer schlecht zu dir. Was ist denn mit deiner Familie, mit Freunden, mit Freuden des Alltags? Ich weiß gut, dass man die als Alleinerziehende manchmal suchen muss, aber es gibt sie doch! Dein Zitat sagt sehr viel aus „It takes 2 to tango, BUT…““ Ich denke, dass es niemals nur an einer Person liegt und dass es immer mindestens zwei Wahrheiten gibt. Dass du hier WA-Diskurse und auch sonst sehr Persönliches, Intimes, preisgibst, finde ich nicht okay. . Und bei der Sache mit der Brille liegst du leider falsch, Meine Minni trägt auch eine und du musst schon großes Glück haben, wenn das Gericht die Kosten hierfür als Mehrbedarf anerkennt. Also SOOO dumm ist dein Ex nicht. Und die Kosten für Anwalt/Gericht kannst du getrost in eine neue Brille für deine Maus investieren.

    „Was genau als Sonderbedarf oder Mehrbedarf gilt und was unter den gewöhnlichen Unterhalt fällt, wird von den Gerichten sehr unterschiedlich beurteilt. Kleidung, Möbel, Lernmittel, Musikinstrumente, Brillenkosten, Familienfeiern und Sportverein gelten bei den meisten Gerichten weder als Mehrbedarf noch als Sonderbedarf, sondern sind mit dem monatlichen Unterhalt abgegolten. Klassenfahrten, Schüleraustausch und Kommunion ordnen die meisten Gerichte nur in Ausnahmefällen als Sonderbedarf ein, da sie nicht unvorhersehbar sind!“

    Versteh mich nicht falsch, ich will dich nicht verurteilen. Dein Leben ist mit Sicherheit gerade alles andere als einfach. Und dass du auch noch krank/anfällig bist, macht es doppelt schlimm. Ich wünsche dir einfach nur, dass du Menschen hast, die dich in den Arm nehmen, dir Kraft geben, sich auch mal trauen, dir zu widersprechen und moralische Instanz sind, die da sind, wenn es dir GUT und schlecht geht und dir zeigen, dass nicht alles immer schlecht und ungerecht ist.
    LG, Nini

    • Lilli Engelmann

      Vielen Dank für deinen langen Kommentar! Ich versuche mal das zu beantworten.

      Ich denke ich habe Eingangs erwähnt, dass dies hier sicher nicht objektiv ist und es auch nicht sein will und auch nicht sein muss.
      Darum ist es ja auch ein persönlicher Blog.

      Natürlich bleibt es ganz dir überlassen, wenn du findest, dass ich Zuviel preisgebe. Ich finde: Wenn du es schaffst herauszufinden, wer wir im echten Leben sind, dann habe ich Zuviel preisgegeben – bis dahin habe ich keine Manschetten. Wenn du es persönlich nicht okay findest, dann ist das so.

      Was die unfähigen Behörden und die Stadt angeht, kann ich mich gerade nicht erinnern worauf du dich beziehst. Die einzige Behörde, an die ich mich erinnere ist das Gericht und da lief alles so, wie es halt lief. Wenn du meine Wohnungssuche meinst, ich glaube da hatte ich klargestellt, dass ich auf dem freien Markt suchte. Oder meinst du weil ich feststellte, dass ich keine Leistungen bekomme? Ja, das ist halt so. Zum Leben zu wenig zum Sterben zu viel? Würde ich jederzeit so wiederholen. Ich muss hier auch keine Eigenschuld suchen, wenn es anderen anders geht ist es super, wenn andere noch viel, viel krassere Suchen hinter sich haben ist es scheiße, bei mir war es eben so und das Alleinerziehende (ja, auch ich) auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt sind – oh, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, das haben auch schon sehr viele Menschen vor mir laut gesagt und das ist Tatsache. Wer es so nicht erlebt hat, den beglückwünsche ich von ganzem Herzen.

      Oder sprichst du von der Betreuungsituation? Ich hoffe nicht, denn das hier die Luft brennt hat ja doch inzwischen jeder mitbekommen und ja, hier ist ganz klar die Stadt verantwortlich. Die Politik, die seit Jahren versagt und das kann man sogar fast objektiv so sagen, für alle Eltern sogar.

      Zum Thema Mehrbedarf/Sonderbedarf. Es mag sein, dass Brille nur selten als Mehrbedarf/Sonderbedarf gerechnet wird aber die Grundaussage bleibt. Viele von uns kämpfen um jeden Cent und wer kann das schon auf Dauer. Mir wurde ja auch erklärt, dass die Kinderbetreuung ihn nichts mehr angeht. Mit vielen klugen Worten. Ich denke auch du bist dabei, wenn ich sage: Doch, die Kinderbetreuung geht ihn schon was an. Ich bin mir auch nicht ganz sicher ob man die Einstellung verteidigen muss, dass man seiner Tochter keine Brille zukommen lässt. Ich teilte ihm mit, ich habe schon 3 Brillen gekauft und ich kann jetzt nicht mehr. Muss man sich hinter ihn stellen, wenn er einfach seinem Kind kategorisch eine Brille verweigert? Zumal es ja auch eigentlich nur darum ging, dass der Vater einmal aufgerufen war mit seiner Tochter zum Optiker zu gehen und schon das einfach nicht tun wollte. Das mag verstehen wer will. Ich nicht. Also man kann jetzt eine Lehre loswerden, dass er es nicht zahlen muss oder man kann es einfach scheiße finden, dass der Vater sowas nicht unterstützt. Ich bin immer noch für Letzteres.

      Man darf auch gerne verstehen, dass viele Väter keinen Cent beitragen den sie nicht müssen, man darf es aber auch nicht verstehen und sogar menschlich verurteilen. Das tue ich.
      Man darf es auch hinnehmen, dass man eine ganze Liste aufzählt, was der Vater nicht zahlen MUSS, man kann aber auch sagen, ein Vater könnte freiwillig dafür sorgen, dass seinem Kind diese Dinge nicht verwehrt bleiben. (Ja natürlich nur, wenn er dazu in der Lage ist)

      Auch wenn es eine so schöne Floskel ist, dass immer Zwei dazu gehören. Nein, tun sie nicht pauschal immer. Inzwischen kenn ich sehr viele Frauen, die das erlebt haben. Ein Ehemann, der Vater wird und sich vollkommen aus der Ehe verabschiedet. Ich wurde ja „nur“ alleine gelassen, ich kenne Frauen das passierten noch ganz andere Dinge, nachdem das Kind da war. Nein, daran haben wir keinen Anteil. Nein, wir haben nichts getan um solch ein Verhalten zu provozieren und nein, wir haben es nicht schon vorher gewusst. Wir haben nur irgendwann die Wahl es weiter auszuhalten oder zu gehen. Wenn du dir eine Mitschuld an dem Scheitern deiner Beziehung gibst ist dir das unbenommen.

      Im Übrigen habe ich all die Probleme, für die ich die anderen verantwortlich mache ja auch selbst gelöst. Bis auf die ganz Aktuellen aber die löse ich auch.

      Nein, es ist nicht ALLES scheiße. Immer. Mein Blog findet ja auch nicht immer statt. Er findet dann statt, wenn etwas passiert, dass mir Probleme bereiten. Ich denke es ist auch klar formuliert, dass dies hier kein Blog über meine schönen Zeiten ist. Ich könnte euch auch aufschreiben was toll ist aber das ist nicht mein Blog. Ich schreibe nicht über die Freuden des Alltags und nicht über meine positiven Erlebnisse und ich darf das. Ich darf einfach so entscheiden was ich schreiben will. Das mag man doof finden aber ist so. Das ich meine Freuden nicht teile, das bleibt mir überlassen.

      Und du darfst es auch gut oder schlecht finden.
      Übrigens herrscht durchaus auch breiter Konsens darüber, dass wir Alleinerziehend bei genau diesen Themen, für die ich so einseitig die anderen verantwortlich mache, ganz real und flächendeckend benachteiligt sind.
      Wir sind benachteiligt bei der Wohnungssuche, bei der Jobsuche oder dabei den Job zu behalten. Uns wird es oft zum Verhängnis im Job, dass wir alleine sind mit einem Kind (oder mehreren), wir haben ein Problem bei den Steuern, bei der Kinderbetreuung. Wir haben ein Risiko zur Armut und zur Kinderarmut, wir haben oft deutlich weniger Geld als der andere Partner als Selbstbehalt geschützt bekommt und sorgen aber davon für uns und unsere Kinder, es gibt Probleme bei der Vereinbarkeit etc. Selig sind alle, die das nicht erleben oder die glauben die anderen jammern immer nur. Ich sage, es ist so und es ist nicht wegzudiskutieren und das ist leider eben sehr oft gar nicht happy.

      Ja, viele andere Menschen auf der Welt sind auch benachteiligt, das schmälert aber nicht das Thema.

  3. Kathi

    Wenn du mal wieder eine Brille brauchst, hab da einen super Tipp. Es gibt günstige Kindergestelle über Amazon. Unser Mittlerer trägt auch Brille und wir hatten Zeiten wo wir es nicht so dicke hatten. Da bekam ich dieses Gestell empfohlen.

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