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Check your privilege

Ich erzähle ja immer gerne von Gesprächen, die man als Alleinerziehende öfter mal so führt und die viele von uns schon auswendig mitsprechen können. Gestern hatte ich wieder eine sehr interessante Unterhaltung.

Ein millionenschwererer, gut genährter, weißerer Mann, mit mehreren Immobilien, der als Hobby Autos und Motorräder sammelt, klärte mich auf, dass wir Alleinerziehende uns doch zu laut beschweren für seinen Geschmack.

ER habe seine Kinder ja auch alleine großgezogen. Ja, seine Frau verstarb und der jüngste seiner drei Söhne war damals 9. Das ist ein schwerer Schicksalsschlag und doch würde ich jetzt mal leise anmerken: Kein Vergleich zu einem durchschnittlichen Alleinerziehenden.

Er war ein sehr reicher Mann mit einem Job ganz oben in der Chefetage. Er wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Da gab es keine Trennung, da war keine Mutter mehr, der man die Sorge hätte überlassen können, um weiterhin voll auf seinen Job konzentriert zu sein. Die Option war nicht gegeben.

Er mag seine Kinder zum Arzt gefahren haben und war auch angeblich immer daheim, wenn eines der Kinder krank war und fuhr sie am Wochenende durch die Gegend. Also, man könnte jetzt sagen, ein Vater halt. Selbst mit Frau sollte das keine erwähnenswerte Heldentat sein aber gut, wir lassen ihm das mal.

Nichtsdestotrotz kann sich ein Millionär mit Haushälterin und Führungsposition doch nicht allen Ernstes mit einem Menschen vergleichen, der ein normales Gehalt hat, als Alleinerziehender eher ein Teilzeitgehalt, und davon 3 Kinder (um mal beim direkten Vergleich zu bleiben) durchbringt. Doch? Ja?

Sieht man schon daran, dass er nicht verstand, warum ein Arbeitgeber Alleinerziehende nicht so gerne hat. Damit kenne er sich nicht aus. „Was ist denn das Problem, wenn das Kind krank ist?“ Ja, was juckt‘s die Eiche, gell.

Die nächste Theorie war dann eine, die wir ja auch von den Väterrechtlern ganz gut kennen: Der Grund dafür, dass 80% der Alleinerziehenden, Frauen sind und der Grund, dass viele von Armut bedroht sind oder am Existenzminimum leben ist: Weil ja immer die Mutter das Kind bekommt. Das müsse man mal ändern. So werden also Heerscharen guter, wohlmeinender Väter davon abgehalten sich um ihre Kinder zu kümmern.

Wie sehr sich die Väter ins Zeug legen für ihre Kinder sieht man ja schon daran, dass so viele Väter nach der Geburt des Kindes Teilzeitarbeiten… oh wait…: „2017 waren 69 % der erwerbstätigen Mütter und 6 % der erwerbstätigen Väter mit minderjährigen Kindern in Deutschland in Teilzeit tätig.“

Die Mütter wären nicht mehr arm, würden sie nicht immer die Kinder für sich beanspruchen. Alle die Väter, die doch für ihre Kinder da sein wollen, so wie er es war.

Er und andere seines Schlages, glauben die wirklich, dass hunderttausende Väter sich nach ihren Kindern verzehren und einfach nur nichts tun, weil die Mutter so gemein ist? Echt? Alle die Väter, die zulassen, dass ihre Kinder an der Armutsgrenze leben, die keinen Unterhalt zahlen, die sich armrechnen, die wären ganz wundervolle Väter, wenn man sie nur endlich zu ihren Kindern ließe? Alle die Väter würden ihr Kind annehmen, würden in die Teilzeit gehen (ja, ja geht auch Vollzeit), würden anfangen zurückzustecken und sich liebevoll um alles kümmern. Vorausgesetzt, sie wissen überhaupt was „alles“ bedeutet.

Bevor man mich aufklärt, dass es auch Väter gibt die einfach selbst kein Geld haben. Logo, viele sogar. Sind das die, die zu hunderten vor den Türen der Mütter stehen und ihr Kind regelmäßig abholen?

Komisch, auch seine jetzige Ehefrau könnte ihm eine Geschichte davon erzählen, wie gut sich ihr erster Mann um die zwei Söhne gekümmert hat, nachdem er gegangen war und wie sie den Vater ihrer Kinder böswillig davon fern hielt sich zu kümmern. Auch ihr Ex wollte sich dringend um seine Söhne kümmern und es war ihre Schuld bzw. die des Gerichts, dass er das nicht durfte.

Wow…wovon träumen die denn Nachts…

Alle Zahlen sprechen ja sowieso gegen diesen Quatsch, den diese Leute da verzapfen.

Aber, alle Zahlen sind ja nur darauf begründet, dass die bösen Mütter die Kinder vorenthalten und die armen unterdrückten Männer sich in ihr Schicksal ergeben und ihr Leben lang erzählen, sie würden ja so gerne mehr machen.

Hahahahhahahha……geht gleich wieder.

Schaut mal, dem Stern hat wohl auch keiner erklärt, wo das Problem mit der Armut wirklich herkommt! Das liegt doch an den Gesetzten, die die Väter fernhalten!

„Mehr als vier Millionen Kinder in Deutschland wachsen in Armut auf. Betroffen sind vor allem Familien von Alleinerziehenden. Eine Demo in Berlin will auf das Problem aufmerksam machen. “
Artikel:https://bit.ly/2H2DUsd


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