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Das Ding mit der Arbeit

Ich habe es ja schon erzählt: Pflichtbewusst meldete ich mich direkt nach der Empfängnis bei der Kinderkrippe an. Ich war ja Selbständig und Geld musste rein. Bis zu Schwangerschaft bzw. sogar noch im Laufe der Schwangerschaft waren mein Kundenstamm und mein Büro das einzige was unsere Existenz sicherte. Mr. M. hatte bis dahin keine eigenen Kunden, die ihn ganz unabhängig von mir gebucht hätten. Natürlich war es über die Jahre unser Büro geworden und Mr. M. trug seinen Teil dazu bei. Nichtsdestotrotz, die Kunden kamen von mir und waren von mir  über Jahre gepflegt worden.

Es gab da nur etwas, dass ich nicht vorhersehen konnte und worauf ich nicht vorbereitet war: Mutter zu sein.

Mir ist klar, dass ich hier nur für mich und nur über mich spreche. Alle Menschenkinder sind anders und jede Frau erlebt es für sich. Das hier ist nur meine Erfahrung.

Mir ist ebenfalls klar, dass es viele Frauen gibt, die keine andere Wahl haben, als so schnell wie irgend möglich wieder zu arbeiten und genauso viele, die das auch wollen und gerne machen.

Was das Geld angeht hatte ich die Möglichkeit mir und meinem Kind Zeit zu geben und ich hätte es auch gar nicht anders fertig gebracht.

Nach kurzer Zeit mit meinem Kind wurde mir sehr klar, dass, selbst wenn ich sofort einen Krippenplätz bekommen hätte, ich es nicht geschafft hätte mein 6 Monate altes Baby von 8 Uhr morgens bis 4 oder 5 Uhr Nachmittag wegzugeben. Das hätte mich fertig gemacht. Um in meinen Job zurückzukehren hätte es aber so sein müssen und –  ganz ehrlich- 5 Uhr wäre oft noch zu früh gewesen. Um 5 Uhr Nachmittag war ich die Hälfte der Zeit noch nicht mal zurück in der Stadt.

Eines möchte ich nochmal klar stellen: Ich bin nicht blauäugig. Wenn ich gesehen hätte, es klappt nicht mit der Kohle, dann hätte ich anders gehandelt.

Als es dann aber soweit war und die Kleine auf der Welt war hatte Mr. M. es zum ersten Mal geschafft einen eigenen Kunden zu haben, der ihn wirklich sehr regelmäßig buchte. Außerdem lief auch meine „Firma“ noch parallel und warf Aufträge ab, die er erledigen konnte mit anderen Kollegen. Wir liefen nicht Gefahr zu verhungern. Meine Theorie einfach weiterzumachen und Morgens gleich Zeitungen zu Hause zu lesen und weiter anzubieten, versuchte ich aber ich schaffte es nicht. Das war mir schlicht zu viel.

Das erste Mal, dass ich wieder etwas von einer Kinderkrippe hörte war im Juni 20103. Unsere Tochter war da gerade ein Jahr alt geworden. Vielleicht stimmen mir andere Mütter zu, wenn ich sage: Eine Einjährige ist sehr mobil, läuft vielleicht auch schon fleißig durch die Gegend und spielt mit allem, spielt im Sand und babbelt vor sich hin aber eine Einjährige (oder meine Einjährige) interagiert noch nicht mit anderen Kindern.

Nicht so wie man es im Kopf hat, bei dem Gedanken an Kindergarten oder Krippe. Viele kleine Kinder, die da miteinander spielen. Einjährige können das nicht. Man ist einfach noch ein Baby.

Ich stand also vor der Entscheidung, ob ich meine Einjährige 5 Tage die Woche 8 Stunden, weggeben wollte. Meine Prämisse dabei war immer noch: Wenn ich sie weggebe, dann weil ich arbeiten muss. Unter 6 oder gar 7 Stunden Betreuung war das nicht machbar. Ich fragte trotzdem ob man auch halbtags gehen könne aber nein, entweder ganztags oder gar nicht. Mein Bauch wusste sofort, ich wollte das nicht. Mein Bauch wollte sie noch nicht weggeben und ich wusste sie hätte da keinen „Spaß“ mit anderen Kindern, weil sie noch gar nicht mit anderen Kindern spielte. Sie würde als nur gefüttert und gewickelt werden und den Rest des Tages für sich alleine vor sich hin starren, hoffentlich mit einer netten Betreuung, die sie auch hochnehmen und sich kümmern würde wenn sie weinte.

Ich glaube wir wissen alle, dass es manchmal besser ist gar nicht zu wissen, was sich da den ganzen Tag so abspielt in den Kitas. Zumal die Einrichtung, die sich bei mir meldetet in einem Stadtteil war an den sowohl Mr. M. als auch ich nicht die besten Erinnerungen hatten, ums Mal nett auszudrücken. Beruflich.

Trotzdem war ich wirklich wahnsinnig hin und her gerissen zwischen meinem Gefühl und der Tatsache, dass es quasi Irrsinn ist einen Krippenplatz abzulehnen, wenn man einen bekommt.

Ich sagte Mr. M., dass ich mein Kind noch nicht hergeben möchte und dass ich mich nicht gut fühlte mit dem Gedanke und was mich eben so beschäftigte in dieser Sache. Er sagte, es sei in Ordnung wenn ich sie nicht weggeben wollte. Ich wusste, er meinte es nicht ehrlich und nicht von Herzen (bedenkt, wie er mich behandelte, wenn es um Geld ging). Für mich stand trotzdem im Vordergrund meinem Gefühl zu folgen und ich nahm seine halbherzige Antwort einfach für voll.

Als die Maus dann 1,5 Jahre alt wurde, war sie soweit. Sie war wahnsinnig interessiert an anderen Kindern. Sie suchte den Kontakt und versuchte zu interagieren. Das war für mich das Signal nochmal über die Krippe nachzudenken. Man hatte mir damals schon erklärt, dass es nur zwei öffentliche Krippen hier in der Umgebung gab, die halbtags anbieten. Wenn ich dort hin wolle, müsse ich mich einfach neu anmelden und wieder warten. Also zurück auf die Liste, auf der ich ja schon mal ein Jahr lang war. Das machte wenig Sinn, also suchte ich jetzt doch nach privaten Krippen. Bei nur halbtags Buchung verringerte sich ja der Preis. Die ganze Woche Vollzeit war unbezahlbar aber ich fand eine Krippe in der Nähe, die noch ein Plätzchen frei hatte für 2 Tage die Woche. 2 Tage die Woche war immer noch teuer im Vergleich aber es war machbar und da die Kleine ja nun wirklich gerne spielen wollte fühlte ich mich dabei auch gut. Die Krippe war wirklich toll und gab mir ein absolut gutes Gefühl.

Ja, jetzt ging es mir nur darum der Kleinen den Umgang mit anderen Kindern zu ermöglichen und ihr in dieser schönen Krippe neue Eindrücke mitzugeben. Es war nicht mit der Absicht wieder voll durchzustarten im Beruf. Ich machte es nur, weil ich dachte es sei jetzt richtig für sie.

Natürlich machte das den permanenten, unausgesprochenen Vorwurf ich würde nur sein Geld verbraten  noch schlimmer. Gleichzeitig ist es der beste Beweis dafür, dass wir es uns leisten konnten die Krippe noch zu bezahlen – also wirklich keine Gefahr der Verarmung durch meine Faulheit bestand.

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