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Das Ding mit der Öffentlichkeit

Ich möchte hier auch nochmal allen danken, die mir so unwahrscheinlich geholfen haben und mein GoFundMe unterstützten! Ich kann es gar nicht glauben, dass fremde Menschen einem derart helfen! Von ganzem Herzen Danke an euch alle! D A N K E!

Es ist ja klar, sobald man sich an die Öffentlichkeit wendet, muss man auch mit einem Haufen Mist rechnen, ja ich weiß das.

Als ich nach der Trennung monatelang  keine Wohnung finden konnte wagte ich einen Post bei Facebook. Ich erklärte lang und breit was das Problem war und was ich schon alles getan hatte und das ich nun an einem Punkt war, an dem ich nur noch hoffte, dass es jemanden gab, der vielleicht eine Wohnung selbst zu vermieten hatte oder ähnliches. Schon vorsorglich schrieb ich auch, dass ich schon xy und z hinter mir hatte bei der Suche.

Die erste Antwort war ein Link zu einer Wohnung auf Immobileinscout24. Da wäre doch was, ich soll doch mal anrufen. (Untertitel: Bist du dumm, ey?)

Die nächste Antwort war ich solle doch einfach ein Gesuch aufgeben, dann melden sich gleich welche. (Wäre ich ja nie draufgekommen, ne.) Das viele Geld damals für die Gesuche brachte mich keinen Meter weiter.

Und dann schrieb mir jemand, ich müsse doch nur zum Jugendamt gehen, da helfe man mir. Hmmm… wenn das Jugendamt Wohnungen vermitteln würde, wäre die Schlange bei denen wahrscheinlich einmal quer durch München.

Ich habe es übrigens getestet, wider besseren Wissens. Nein! Die helfen da nicht!

Wundersam fand ich aber damals schon, was manche Menschen glaubten, wie sehr man eigentlich vom Staat aufgefangen wird. Es ist ja fast schon niedlich, naiv zu glauben, man könne zum Jugendamt gehen, weil man keine Wohnung findet und da wird man geholfen. (Es ist sicher etwas anderes, wenn Obdachlosigkeit droht aber ich glaube auch dann ist das Jugendamt nicht die Ansprechstelle.)

Nein, als ganz normaler Wohnungssuchender, ohne Hartz IV, ohne Bezugschein, ohne drohende Zwangsräumung aber eben alleinerziehend, da hilft der Staat nicht. Auch die Stadt nicht. Auch die Kommune nicht. Manchmal im Leben wird einem eben einfach nicht geholfen. Selbst wenn du all diese Dinge hättest, bist du in München auch nur eine von 546 anderen, die auf jede Wohnung kommen.

Dieser Glaube an den allzeit hilfreichen Staat wird mir gerade wieder aufs Butterbrot geschmiert.

Natürlich hätte man etwas anders machen können aber ich denke, ich hätte meine Situation gerade nicht verhindern können, ich glaube ich wäre da nie smooth durchgekommen.

Wer bei mir reinschaut, der weiß sicher, dass ich ein GofundMe gestartet habe, weil mich die Rechnung meiner Anwältin nach der Scheidung in eine echte Finanzkrise stürzte.

Schon zur Trennung brauchte ich eine Anwältin und schon da musste ich am Ende inkl. Gerichtskosten 2000€ bezahlen. Schon dieses Geld hatte ich nicht und musst es mir von meinem Opa leihen.

Und ja, natürlich weiß ich, dass es Dinge gibt wie Gerichtskostenhilfe, Prozesskostenhilfe und wie sie alle heißen. Ja, ich habe bereits beim allerersten Zusammentreffen, das ich jemals mit meiner Anwältin hatte, danach gefragt. Sie ist übrigens eine Freundin einer sehr guten Freundin von mir und ich weiß, die macht keinen Scheiß. Also, sie sagte mir gleich, dass ich zu viel verdiene um Hilfe zu bekommen.

Ja, ich verdiene Geld und Gerichtskostenhilfe ist nun mal für Menschen, die noch weniger haben als ich. Egal wie oft man mir das jetzt erklärt und mir Links schickt zum Thema Gerichtskostenhilfe. Wieder glauben anscheinend viele, jeder der es braucht wird vom Staat aufgefangen und wer nicht aufgefangen wird, der muss automatisch genug Geld haben.

Im Nachhinein weiß ich aber immer noch nicht, wie ich die Kosten hätte verhindern können. Ich brauchte meine Anwältin. Ich habe nichts getan um irgendwas zu verzögern. Wir haben nur reagiert und ich habe auch nicht einen Gerichtstermin verschwendet, weil ich keine Unterlagen vorzulegen hatte. Die Option zu sagen, ich habe kein Geld für eine Anwältin, ich tue einfach nichts, die hatte ich nicht. Doch schon – klar, aber ernsthaft, will mir jemand sagen ich hätte uns einfach von Mr. M.s Gnade abhängig machen sollen? (Ihr erinnert euch: „Ich will da nicht auf eine feste Summe festgenagelt werden. Wenn ich was übrig habe gebe ich es euch.“)

Natürlich war mir klar, dass es mich am Ende wieder viel Geld kosten würde aber 4000€ das haute mich einfach um. Ich habe keine Rücklagen mehr, nichts.

Ich brauche euch ja nicht erzählen was immer los ist. Zahnarztrechnung, Schulanfang, Umzug alles geht an die Rücklagen und/oder den Dispo.

Jemand erklärte mir dann auch: Also wenn man über die Grenze für Gerichtskostenhilfe komme, dann bekäme man ja auf JEDEN FALL Ratenzahlung. Hö? Die Rechnung auf meinem Tisch ist von meiner Anwältin. Von der bekomme ich gar nix auf JEDEN FALL. Das ist ihre freie Entscheidung ob sie mir Raten gewähren möchte. Bei diesem Betrag lässt sich auch niemand auf 50€ Raten ein. Also Raten sind super aber auch das Geld dafür habe ich nicht übrig. Sondern kann halt dann einfach keinen Cent mehr ausgeben.

So und dann kam noch der Tipp es gäbe ja sowas wie Vorschuss. Ja, danke aber im Moment wäre also die Zeit für einen Nachschuss, ne. Ich habe die Rechnung hier liegen! Was genau hilft mir der Tipp vom Vorschuss?

Manche lassen auch gar nicht locker und bohren nach, weil sie meinen, da kann was nicht stimmen. Was wollen sie denn eigentlich von mir hören! Ja Leute, ich bin eben dumm wie Brot und gehe jetzt betteln. Geht‘s denen dann besser?

Natürlich muss man sich hinterfragen lassen, wenn man schon Geld von fremden Menschen haben will. Mir ist bewusst, dass ich gerade um Geld bettle, dennoch sind manche Erfahrungen mir manchen Menschen doch sehr erstaunlich, findet ihr nicht?​

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