Zum Inhalt springen

Das liebe Geld

Ganz klar, Mr. M. hätte sicher auch einiges zu sagen…aber…joa…das hier ist meine Blogtherapie.

Was ich aber auf jeden Fall zu seiner Sicht der Dinge sagen kann: Im Grunde alles was er je vorbrachte, hatte irgendwie mit Geld zu tun. Sein größtes Problem und was er gebetsmühlenartig wiederholte war, dass ich ihn mit der Steuer allein gelassen habe. Darum möchte ich mal kurz darüber sprechen bzw. darüber, was ich dazu sagen kann.

Als erstes möchte ich mal erwähnen, dass Mr. M. sich in unserer Firma, nein eigentlich ja in seiner Firma (er, der selbständige Kameramann, der gebucht wurde) und in meiner Firma (das Redaktionsbüro in dem er mit drin saß am Schreibtisch uns seine Sachen lagerte etc.) komplett die Buchhaltung machte. Na ja, also, er arbeitete unserer Buchhaltung zu, schrieb alle Rechnungen und hatte einfach den Überblick über‘s Geld. Hat er ja immerhin mal gelernt, so ganz am Anfang. Niemals hatte er in 10 Jahren dieser Zusammenarbeit in Frage gestellt, wer hier den Job mit der Kohle hat.

Schon vor der Schwangerschaft war es im Grunde jedes Jahr das selbe. Die Steuer war fällig, es war ein riesen Batzen Geld, er schimpfte aufs Finanzamt und hatte eine monetäre Krise. Natürlich hatte weder er, noch ich, das Geld auf dem Konto. Jedes Mal stundeten wir also den Betrag und bezahlten die Raten ab. Wir waren auch schon mal knapp davor einen Kredit zu beantragen um die Steuer zu bezahlen, taten wir aber nicht. Mr. M. behauptet zwar heute gerne er habe es getan aber die Kredite, die er aufgenommen hat im Laufe der Ehe waren entweder für seine Technik oder für einen Umzug etc.

Auch irgendwann nach der Geburt kam natürlich wieder die Steuer ins Haus und das alljährliche Spiel begann von neuem. Man bedenke aber bitte, dass fast alles wovon ich bisher berichtet habe, all die schlechte Behandlung, die Missachtung und die Ignoranz zu diesem Zeitpunkt bereits so tief saß, dass ich für die Steuerproblematik wirklich kein großes Ohr mehr hatte. Er hatte mich mit unserem Kind vollkommen alleine gelassen, ohne jede Hilfe oder Interesse, es war mir egal ob er mal wieder übers Geld jammerte. Zumal es jedes Jahr das gleiche Schauspiel war.

Ich hatte seit der Geburt ja auch fast kein Geld mehr verdient, er ließ mich um jeden Cent betteln, welche Hilfe wollte er von mir? Es gab sowieso nur den einen Weg: Stundung beantragen und abbezahlten. Wie immer. Klar ist da kacke aber am Ende des Tages war es Jammern auf hohem Niveau.

Das Steuerthema war unendlich. Wir hatten es vor während der Ehe, wir hatten es vor der Geburt und er hat es auch nach unserer Ehe noch.

Mr. M. hat es in 10 Jahren nicht geschafft ein System zu entwickeln um nicht jedes Mal vom Finanzamt in den Arsch gebissen zu werden.

Auch zu erwähnen ist vielleicht noch, dass er immer schon viel mehr Geld verdiente als ich. Am Ende des Tages hatte er viel mehr Einkommen auf der Uhr und was er alles absetzten konnte etc. Er kümmerte sich auch um die Überweisungen ans Finanzamt. Natürlich gab ich was dazu von meinem Geld aber ich hatte nie so besonders viel zum Ausgeben da, nach Abzug der Fixkosten. Mein Beitrag war sicher verschwindend gering, wenn man aber wieder bedenkt, dass er ohne meine Kunden gar keinen Job gehabt hätte, dann relativiert sich das auch wieder. Genauso wie der Hinweis, dass er ja durch meine Steuerklasse auch mehr verdiente usw. usw.

Wir hatten immer eigene Konten und ein Konto für die Fixkosten. Die Fixkosten zahlten wir 50/50. Bis ich eben nach der Geburt erst mal nichts mehr hatte, um es beizusteuern.

Wann immer es also um das Versagen unserer Ehe ging sprach er immer nur darüber, dass ich ihn mit der Steuer allein gelassen habe.

Was ich euch aber nicht vorenthalten will: Mr. M. hatte sich dafür entschieden sein Auto als Geschäftsauto zu führen. Was ja durchaus Sinn macht und legitim ist. Es gibt zwei Methoden das Auto steuerlich geltend zu machen und Mr. M. entschied sich für die Methode, die ihm am meisten Geld sparte. Jedoch, wie das so ist, dafür gibt es Regeln und die Regeln heißen u. A. Fahrtenbuch. Wer ein Fahrtenbuch führt, der sollte das auch wirklich tun, denn am Ende muss alles genau stimmen. Nicht wahr, jeder Depp kann die Tankbelege mit dem Fahrtenbuch vergleiche und sehen ob da alles stimmt und so… Das wurde ihm auch immer gepredigt. Von allen Seiten.

Es kam wie’s kommen musste: Wir hatten eine Betriebsprüfung. Tja, und neben ein paar kleineren Dingen musste er richtig latzen für seine nicht geführten (nicht richtig) Fahrtenbücher. Was tat Mr. M. anstatt die Niederlage einzusehen, die ja mal eindeutig sein eigenes Verschulden war? Er schimpfte auf‘s Finanzamt und tat laut kund wie scheiße der Staat sei etc. Ja, ja, das arme Opfer. Leider aber seine eigene Dummheit und sonst gar nix.

Den Schuh kann er sich aber leider, leider nur selbst anziehen und das kostete richtig Geld.

Natürlich war das alles eine enge Kiste aber noch mal: Wir konnten alles bezahlen, auch die Miete und wir hatten was zu Essen. Wir liefen nicht Gefahr auf der Straße zu landen. Es hätte dann auch immer noch die Möglichkeit gegeben, sich ein wenig einzuschränken, was wirklich kein Problem gewesen wäre. Wenn es mit dem Geld eng wird, dann muss man eben sparen. Also in meinem Kopf zumindest. Sparen hat auch noch keinen umgebracht.

Er lamentierte in regelmäßigen Abständen darüber, dass er Angst habe wir hätten kein Geld mehr. Es tut mir sehr leid aber irgendwann musste ich ihm mal sagen, dass er wirklich absolut keinen Schimmer davon hatte, was es wirklich heißt „kein Geld“ mehr zu haben. Seine Existenzängste in allen Ehren aber es war nicht bedrohlich.

Ich habe das erlebt. Im wirklichen Leben. Ich verbrachte einen ganzen Teil meines Jugendjahre mit fast täglichen Anrufen von der Bank, mit Pfändungsandrohungen, mit dem Verlust der Wohnung und dem Kampf um eine Sozialwohnung, mit „wir essen nur noch Kartoffeln“ und mit dem wirklichen, echten Risiko nichts mehr zu haben. Das Ende der Fahnenstange, das sieht ganz anders aus!  Was hier passierte war davon weit entfernt, er will das vielleicht glauben aber es war nicht der Fall.

Ganz am Ende des Tages mit all den Vorwürfen- ich würde das Geldproblem nicht ernst nehmen und ich würde mich nicht darum kümmern, dass wir vor dem Ruin stehen- hörte er nie damit auf, Geld auszugeben. Geld für vollkommen unwichtige Dinge. Dinge, die man nicht kauft, wenn man kein Geld hat. Das ist im Grunde die einzige Information, die man braucht. Ein neuer Fernseher, ein IPad, die zehnte neue Tastatur und die fünfzehnte Maus, ein neuer Laptop. Obwohl er und ich zwei PCs zu Hause hatten und zwei im Büro. Eine neue GoPro – ja klar, beruflich aber wenn man arm ist, dann kann man auch noch mit der alten arbeiten, gell. Dann kaufen wir mal eben, so nebenbei, ein paar DVDs, etc., etc. Versteht ihr worauf ich hinaus will? So lebt man nicht, wenn es eng wird im Leben. Lebensmittel kaufte er immer nach dem Prinzip: Das bekannteste Label landet im Korb. Sprich: Immer die teuren Marken.Als ich sagt, `nen Laptop hätte ich auch gerne. Gab er mir den und kaufte noch einen. Was ja nett war, ganz klar, aber so verhält man sich nicht mit einem angeblich so wahnsinnig ernsten Geldproblem…oder?

Hmmm…ja, dachte ich mir.

P.S. Heute übrigens 04/2018 erzählt mir meine kleine Tochter mit 5 Jahren, ihr Papa hat kein Geld, der braucht ihre Spardose! Traurig und entlarvend zugleich.

 

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.