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Das Wohl des Einzelnen

Etwa ein Jahr bevor die Beziehung dann endgültig endete beschloss Mr. M. sich wieder im Fitnessstudio anzumelden.  Er hielt es für wichtig, sehr früh hinzugehen damit er fertig sei bevor er eventuell, möglicherweise zur Arbeit gerufen wurde. Übrigens sehr unwahrscheinlich so früh am Morgen. Eine schlimme Zeit begann.

Er stellte sich den Wecker gegen 5.00 Uhr morgens, manchmal sogar früher.

Was passierte also? Der Wecker klingelte um 4.45 oder auch 5.00 oder 5.30 und natürlich wurden alle wach, auch das Baby. Die Kleine wurde wach und sah Mr. M. aus dem Bett steigen und das Schlafzimmer verlassen, was dazu führte, dass sie nach ihm weinte und schrie und sofort aus dem Bett stürzte und hinter ihm herlief. Er ging einfach ins Badezimmer und schloss die Türe. Die Kleine  saß also weinend und schreiend nach ihrem Papa vor dem Bad. Er ließ sie nicht rein oder tröstete sie. Maximal kam ein Satz wie: „Papa muss sich fertig machen“. Er stürmte also aus der Wohnung und hinterließ ein vollkommen gestresstes und weinendes Kind. Jedes Mal! Dreimal die Woche. Es war jeden Morgen eine Qual mitanzusehen, wie er um 4.45 Uhr meine kleine Maus aus dem Schlaf riss, die dann weinend hinter ihrem Vater herstürzte und zu ihm wollte. Meine Mutter, die diese Situation auch erlebte begann zu weinen.

Er ging einfach ins Badezimmer und schloss die Türe. Die Kleine  saß also weinend und schreiend nach ihrem Papa vor dem Bad. Er ließ sie nicht rein oder tröstete sie. Maximal kam ein Satz wie: „Papa muss sich fertig machen“. Er stürmte also aus der Wohnung und hinterließ ein vollkommen gestresstes und weinendes Kind. Jedes Mal! Dreimal die Woche! Ohne Gnade. Man hätte das Kind auch lieb empfangen können und reden und die Türe öffnen.

Er öffnete nicht die Badezimmer Türe und ließ die Kleine mit rein, so dass sie ihm vielleicht hätte zuschauen können und sich beruhigen oder er noch ein paar Worte mit ihr hätte wechseln können. Er gab ihr keine 5 Minuten seiner Aufmerksamkeit um vielleicht ein bisschen mit ihr zu reden er stand auf, macht sich fertig und ging und hinterließ jeden Morgen einen Scherbenhaufen.

Mehrmals bat ich ihn doch bitte einfach so lange zu warten bis die Kleine aufwachte. Jeden Tag zu 90% um 6 Uhr. Das sei auch noch sehr früh und wenn es der Kleinen erspart bliebe vom Wecker aus dem Schlaf gerissen zu werden dann würde sie auch nicht so am Ende sein. Der „Schock“ des Weckers verbunden mit einem hinausstürmenden Vater tue ihr nicht gut.

Er antwortet nur die halbe Stunde mache doch dann auch nix mehr. Den Unterschied zwischen aus dem Schlaf gerissen werden und aufwachen, wollte er nicht verstehen. Ich glaube auch, dass zwischen 4.45 Uhr und 6.00 Uhr mehr als eine halbe Stunde Schlaf liegen, für eine 2 Jährige sicher nicht unwesentlich.

Dann habe ich ihn gebeten doch bitte einfach im Gästezimmer zu schlafen wenn er zum Sport geht. Dann bleibt es der Kleinen auch erspart geweckt zu werden und ihn rausstürmen zu sehen. Das tat er nicht. Es gab Gelegenheiten, da schlief er im Gästezimmer um uns nicht zu wecken, wenn er mal sehr früh zum Dreh musste. Aber dann kam er ins Schlafzimmer um sich seine Klamotten aus dem Schrank zu holen!!!!! Stoisch. Das Resultat???? Muss ich es wirklich aufschreiben?

Er weckte also seine Familie auf zu jeder unheiligen Stunde. Ließ ein schreiendes Kind zurück, dem er keinerlei Aufmerksamkeit schenkte und kümmerte sich nur um sich. Ich kämpfe mit den Tränen wenn ich daran zurückdenke.

Jetzt geschah etwas, das meiner Tochter bis heute das Leben schwer macht. Sie fixierte sich extrem auf Mr. M. Der Mechanismus ist ja ganz einfach: Du sehnst dich nach dem, was du nicht haben kannst. Nachdem er nie für sie da war (für sie DA, nicht bloß physisch präsent) entwickelte sie eine unstillbare Sehnsucht nach seiner Aufmerksamkeit. Selbstverständlich würde er das niemals so sehen und abstreiten bis zum letzten Atemzug. Selbst wenn er anwesend war, es war immer etwas andere noch interessanter (der PC Monitor z.B.).  Die Kleine was nie sein einziger Fokus, nicht mal für eine Stunde also vermisste sie ihn pausenlos auch wenn er da war. Natürlich merkte ich das, ebenso eine sehr gute Freundin von mir, die Psychologin ist, bemerkte das Schema und zur Krönung auch die Kinderpsychologin die ich mit meiner Tochter nach der Trennung besuchte. Als wir mit der Therapie begannen, war Mr. M. noch in unserer Wohnung.  Sie konnte es kaum fassen wir deutlich und permanent meine Tochter ihren Vater vermisste, obwohl er noch zu Hause wohnte.

Irgendwann wurde die permanente Enttäuschung einfach zu viel. Irgendwann akzeptierte ich, dass ich keinen Partner habe und keinen Mann, der ein Vater ist. Bis heute verstehe ich aber nicht wie man zu einem solchen Grad als Vater auf der Gefühlseben seinem Kind gegenüber versagen kann. Eines Tages begann eine Phase in der ich nicht ein einziges Wort mehr zu sagen hatte, die Enttäuschung und die totale Sinnlosigkeit jeder Konversation machten mich sprachlos.

Mr. M. im Übrigens tat wochenlang in totalem Schweigen so, als sei nichts passiert. Er schwieg einfach mit mir, über Wochen und machte absolut keine Anstalten das Wort zu ergreifen. Er saß schweigend und scheinbar zufrieden, dass endlich Ruhe war vor seinem PC oder dem TV und schien nicht Willens überhaupt anzuerkennen, dass hier etwas schief lief.  Er terrorisiert und weiterhin mit seinem morgendliche Ritual und lebte seinen Job, seinen Sport und ansonsten seinen PC. Wortlos.  Ich versankt jeden Tag mehr, ich fing wieder an zu Rauchen und ich wusste, ich musste ein Ende setzten.

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