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Der Opa ist raus

Es gibt in meiner Familie noch eine andere Baustelle. Ein Quell immerwährender Enttäuschung sozusagen. Ich lebe schon seit ich denken kann mit einem Vater, der immer wieder ein Totalausfall war und ist. Man stumpft ab. Gott sei Dank war schon als Kind mein Vater keine Bezugsperson für mich, die Enttäuschungen bleiben natürlich. Vielleicht sind sie aber ja nicht ganz so tief. Das einzige was er Mr. M. voraus hat, er hat es gar nicht erst versucht, sich in meine Erziehung einzumischen und mit mir Zeit zu verbringen. Er hatte also nicht die Chance so viel kaputt zu machen, wie Mr. M. sie hat.

Mich überrascht schon lange nichts mehr was von meinem Vater kommt. Es überrascht mich nicht, dennoch ärgert es mich doch immer wieder. Es wurmt mich. Jetzt spielt er sein dämliches Spiel auch bei seiner Enkelin weiter und jetzt hab ich die Schnauze voll.

Meine Tochter braucht wirklich keinen zusätzlichen Quell für Enttäuschung und Traurigkeit. Entweder ein „Opa“ ist da und ist es mit Herz oder er soll es lassen. Nachdem er mich ja wieder mal vollkommen im Stich gelassen hat, als die Trennung passierte, enttäuschte er dann auch weiterhin konsequent: http://apersonalreckoning.de/der-hummer-ist-da-gar-nicht-teuer-echt/

Trotzdem dachte ich, für die Kleine lasse ich es auf sich beruhen. Wenn sie einen Opa hat, den sie mag und der ab und zu da ist, dann ist doch das auch was Wert. Ich hielt also mal wieder die Klappe und machte dann irgendwann meinen Umzug, der mich alles kostet was ich noch hatte und kurz darauf kam Opa zu besuch.

Er schaute sich um. Fand alles ganz hübsch, bemerkte natürlich durchaus „Mensch, musstest du das alles kaufen?“ „Ja, Papa, ich hatte nix und alles was ich hatte passte nicht in die Wohnung, weil es viel zu groß war.“ „Aha“. Die Gegend ist scheiße, das bemerkte er auch.

Meine Tochter indes, war ja nun ebenfalls gerade umgezogen und kam zusätzlich von Mr. M. nach Hause am Tag zuvor. Sie war mit den Nerven runter und zeigte sich nicht von ihrer besten Seite. Sie tobte und schrie und weinte und beachtete den Herrn Großvater nicht. Er und seine Frau waren, ob des schlechten Benehmens sehr angesäuert und suchten dann auch bald das Weite. Weil sie sich von dem kleinen Kind nicht genug beachtet fühlten.

Diese beiden Menschen leben in der Vorstellung, dass eine 5-Jährige im weißen Sonntagskleidchen dasteht und brav die Hand gibt. Vielleicht noch ein Knickschen dazu und flüssig und zusammenhängend Geschichten erzählt, die den Opa erfreuen. Am Arsch!

Immer schon wurde leicht das Gesicht verzogen ob der Tatsache, dass meine Tochter durch den Biergarten tobt und nicht still am Tisch sitzt. Man echauffiert sich nämlich normalerweise über solche Kinder. Leider muss man bei der eigenen Enkelin die Klappe halten.

Nachdem er und seine Frau also beleidigt und kopfschüttelnd unsere Wohnung verließen haben sie sich wiedermal fast ein Jahr nicht gemeldet.

Die Kleine fragt natürlich ein paar Mal nach „Opa“ und irgendwann schickte sie ihm ein Video – ohne Reaktion. Als sie wieder anfing zu fragen, ließ ich Depp mich breit schlagen und meine Maus dort anrufen. Seine Frau ging ran und tat recht freundlich und versprach „Opa“ würde sie später zurückrufen.

Tat er nicht. Die Kleine wartete den ganzen Tag.

Wieder kann ich es nicht einfach abhaken, weil ich dann doch sauer bin. Ich bin sauer, dass man meine kleine Maus so hängen lässt und sich auch noch durch irgendwelchen verqueren, egoistischen Kack im Recht fühlt!

Ich schrieb ihm eine E-Mail. JA, die war nicht besonders freundlich aber sie war ehrlich. Diesmal sagte ich klipp und klar, wenn er sich nicht meldet bei seiner Enkelin und weiter denkt das kleine Mädchen sei in der Bringschuld, dann beende ich den Kontakt, denn ich will nicht, dass meine Tochter weiterhin so enttäuscht wird.

Ich habe nie mehr was von „Opa“ gehört.

 

 

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