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Der soziale Abstieg

Ist es nicht ein wunderbares Ergebnis? Mein zukünftiger Ex Mann lebt ein paar Straßen weiter in luxuriösen 3 Zimmerwohnungen, währen seine Tochter sich mit mir auf den sozialen Abstieg vorbereitet. Wir ziehen in ein Viertel, in dem ich nicht mal das Gefühl habe, dass meine Tochter vor der Türe sicher ist. Ja, ich weiß, man kann noch viel tiefer fallen aber ich bin gerade etwas emotional!

 Ich möchte niemanden beleidigen. Ich weiß, dass viele noch viel weniger Geld haben als ich und mit weniger auskommen müssen. Ich weiß, dass es manchmal schwierig ist am Ende des Monats noch Essen zu kaufen, trotzdem ist es für uns nicht leicht die Situation zu akzeptieren.

 Wir ziehen in zwei Tagen um. Endlich! Es war hart eine neue Wohnung zu finden. Es dauerte über ein Jahr und bitte glaubt mir eines: Wenn ich in irgendwas Experte bin, dann in Recherche. Ich finde Menschen und Dinge und Wege Probleme zu lösen. Ich habe wirklich jeden denkbaren Weg beschritten. Jeden. (Ja, auch Ebaykleinanzeigen. Ja, auch Suchanzeigen. Ja, auch Ämter und Gesellschaften und egal was ihr mich jetzt fragt.) Trotzdem konnte ich keine Bleibe finden ohne Vitamin B. Selbst diese Wohnung bekam ich am Ende nur dadurch, dass jemand jemanden kennt an der richtigen Stelle.

 Ich nahm sie, denn wir müssen hier raus. Ich muss die Kosten reduzieren. Es geht nicht anders. Die neue Wohnung ist günstig (für München) und wirklich sehr süß. Was ist also das Problem? Das Viertel ist das Problem. Ich habe es einfach ignoriert bisher, denn ich habe sowieso keine Wahl und keine Alternative.

 Gestern war ich in er Wohnung um schon ein wenig vorzubereiten und jetzt fühle ich mich beschissen. Wisst ihr wer da so wohnt? Die Leute, denen du in der U-Bahn begegnest und dann sofort den Platz wechselst. Die Tagestrinker und Drogendealer. Mein Nachbar ist totaler Alki und wie ich höre wird in seiner Wohnung gerne gesoffen und gefeiert. Ist das nicht eine schöne Aussicht mit einem Kind?

 Den ganzen Tag sah ich nur abgeranzte Leute mit Bierflasche in der Hand und diese ätzenden, bescheuerten Horden von halbstarken Arschlöchern, bei denen du gleich mal die Straßenseite wechselst. Seltsame, dicke Frauen in Leopardenleggins die auf dem Spielplatz rauchen und mit sich selbst sprechen.

Das Treppenhaus ist versifft von oben bis unten. Ja, das fiel mir auch schon vorher auf aber jetzt passt es so richtig gut ins Bild.

Als ich in meinem jetzigen Viertel wieder ausstieg kam ich mir vor wie im Paradies. Es ist so schön hier. Und ich habe Angst. 

P.S. Der Umzug ist vorbei und ich weine mich jetzt in den Schlaf. Anstatt Schafe zu zählen, zähle ich die Säufer.

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