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Die Armes-Kleines-Würstchen-Schublade

Offensichtlich ist es ein Gesetzt, dass jeder bei der Scheidung zum Arschloch mutiert. Falls nicht, dann herzlichen Glückwunsch. Mr. M. hat sein Arschlochtum nun erneut unter Beweis gestellt und diesmal mit einem Griff in die unterste Armes-Kleines-Würstchen-Schublade.

Diese spezielle Unverschämtheit macht mich gerade wirklich wütend.

Kurz zum Verständnis: Nach meinem Volo machte ich mich als freie Journalistin mit anderen Kollegen selbständig. Ein paar Jahre danach machte ich mich dann ganz alleine selbständig. Vom ersten Tag an zog ich Mr. M. beständig mit. Die Branche läuft in Grundzügen so: Redakteur zieht Aufträge an Land oder wird beauftragt. Redakteur bucht einen Kameramann seiner Wahl und dann wird gedreht. Ich hätte jeden anderen nehmen könne. Habe ich natürlich nicht und, was viel wichtiger ist, meine anderen Kollegen drehten dann auch mit ihm, weil er eben mein Mann war. Auch wenn sie ihn nicht unbedingt sehr mochten. Innerhalb „meines Büros“ wurde er also beschäftigt und seine Rechnungen bezahlt. Auf diese Weise kam er natürlich auf relativ viele Aufträge und auch auf mehr Verdienst als ich. Er hatte keinen einzigen anderen Auftraggeber. Dieser Zustand ging viele Jahre. Ich hatte einen Kundenstamm aufgebaut, ich recherchierte und er war mein Kameramann. Alles lief auf mich und mein Büro. Von dem was rein kam wurden die laufenden Kosten bezahlt und die Kollegen, die für mich arbeiteten und er. Ohne dass Mr. M. jemals einen Kunden gehabt hätte, der ihn ohne mich buchte. Später dann schrieb er die Rechnungen, natürlich, wir arbeiteten zusammen. Dennoch, ich war die „Firma“. Wir hatten dann auch ein eigenes Büro in der Stadt zur Untermiete. Während ich bereits schwanger war wurde klar, das Gebäude in dem unser Büro war würde Grundsaniert werden und alle mussten raus. Zudem hatten wir natürlich immer schon die Idee, dass ein kleiner Laden in der Nähe unserer Wohnung ganz praktisch sei.

Wir fanden tatsächlich so einen kleinen Laden und zogen das Büro dorthin um. Wieder war es „mein“ Büro. Es trug meinen Namen. Der Mietvertag, das Telefon, das Briefpapier. Die Kollegen stellten mir die Rechnungen und er auch. Nach der Geburt arbeitet er weiter mit meinen Kunden und freien Kollegen und erst zu diesem Zeitpunkt hatte er dann auch zum ersten Mal einen eigenen Kunden.

Was genau ist jetzt der Aufreger? Natürlich geht es ja jetzt um nachehelichen Unterhalt und bli bla blubb. Allen Ernstes ist sich Mr. M. nicht zu schade, in einem Schreiben seines Anwaltes zu behaupten, bitte festhalten: ER habe ein Büro FÜR MICH, in der Nähe der Wohnung angemietet um es mir leichter zu machen!

Das armselige Würstchen hat seinem Kind nicht ein einziges Mal den Arsch abgewischt, hat mir beim Weinen, Kotzen und Leiden zugesehen ohne einen Finger zu rühren, hätte ohne mich jahrelang keinen Cent verdient und der meint das ernst? Wirklich? Wirklich??

Habe ich schon erwähnt, dass die Kaution für das VON IHM angemietet Büro von meinem Vater kam? Der große Macher hat ganz großspurig ein Büro angemietet für die kleine Frau, um ihr im Beruf zu helfen, mit der Kaution meines Vaters. Ja ne, is klar,nä!

Die Krönung ist dann, dass ich ihm schon sehr bald vorschlug, das Büro zu kündigen, weil wir es eben nicht mehr so wirklich dringend brauchten. Er weigerte sich. Er. Mr. M. erklärte mir, nein, er brauche ein Büro, wo er jeden Morgen zur Arbeite gehen könne. Er möchte nicht zuhause sein und dort arbeiten, weil ihn das nicht genug motiviere.

Ich möchte lachen und brechen zugleich. Ich finde es zutiefst armselig und gleichzeitig dermaßen infam gelogen!

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