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Erinnerung an die große Herbergssuche

Das Jahr geht zu Ende. Das ganze Leben hat sich einmal um 180 Grad gedreht und das Ende ist noch nicht erreicht. Weihnachten rückt näher und ich lasse einmal unsere Herbergssuche Revue passieren. Wir sind umgezogen, endlich. Doch es war ein langer Weg bis in eine neue Wohnung.

Es war keine gute Zeit. Am Ende fühlte ich mich ähnlich verzweifelt, wie vielleicht einst Maria. Niemand wollte sie einlassen, niemand gab ihr ein Dach über dem Kopf obwohl man ihr mehr als deutlich die Notlage ansah – damals, quasi schon in den Wehen, mitten in der Nacht.

Mr. M. hatte also die Wohnung verlassen. Mit nichts als einem feuchten Händedruck. Der angeblich so besorgte Vater verschwendet natürlich keinen Gedanken daran, dass das Dach über dem Kopf seiner Tochter auch finanziert werden muss. Wen interessiert’s? Verantwortung dafür, dass sein Kind weiterhin wohnen kann kennt er nicht, vielleicht sogar eine Idee davon, dass es seinem Kind gut täte im gewohnten Umfeld bleiben zu können hat er nicht. Dass seine Tochter, wenn sie jetzt umziehen muss, nicht mit ihren Freunden auf die Schule kommt und zusätzlich traurig sein wird, sowas belastet den Superdaddy nicht. Er zieht aus und es geht ihn nichts mehr an.

Selbstverständlich war mir unter den gegebenen Umständen klar, ich musste mich auf Wohnungssuche begeben. Mir war ebenso klar, dass es eine Weile dauern wird in der teuersten Stadt Deutschlands mit akuter Wohnungsnot. Anfänglich war mir das auch ganz Recht. Ich wollte meinem Kind Zeit geben. Zeit sich daran zu gewöhnen, dass ihr Vater weg war ohne auch sofort das Zuhause zu verlieren. Mein Gefühl sagte mir, alles wegzureißen in kürzester Zeit kann nur schlecht sein für das kleine Gemüt. Obwohl ich wusste es würde dauern, war ich nicht auf die Realität vorbereitet.

Was passiert also? Ich muss die Wohnung, die wir vorher zu zweit bezahlt haben alleine finanzieren. Selbstverständlich kann ich mir das nicht leisten. Eine 100 Quadratmeter Altbauwohnung in München – man muss kein Prophet sein um zu überschlagen, was ich jeden Monat an Miete hinblättern musste. Mein Opa war derjenige, der mir monatlich Geld gab, damit ich über die Runden kam!

Ich begann sofort nach Mr. Ms Auszug mit der Wohnungssuche und was soll ich sagen: zum ersten Mal in meinem ganzen Leben war ich plötzlich ein Mensch zweiter Klasse. Zum ersten Mal konnte ich erahnen wie sich Diskriminierung anfühlt. Zum ersten Mal bekam ich einen Hass auf all die hochnäsigen Geldsäcke da draußen, die sich in Ihrer Machtstellung als Vermieter (in München quasi die Lizenz zum Geld drucken) einen runterholten bei der Auswahl ihrer zukünftigen DINKS. Pardon my french!!!

Um es kurz zu machen: Ich wurde ein Jahr lang ignoriert, nicht beachtet, so gut wie nie überhaupt jemals zur Besichtigung vorgelassen und jedes Mal abgelehnt.

Obwohl ich alle Unterlagen habe, auf absolut genug Geld im Monat komme, festangestellt bin und keinen Schufa Eintrag vorweisen kann.

Man ist Außenseiter. Man ist vollkommen uninteressant. Jeder, der einmal ansatzweise erleben möchte wie es ist unter Diskriminierung zu leiden, der suche als Mutter mit Kind eine Wohnung in München. Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben wird man wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt werden. Vollkommen egal was auf dem Gehaltszettel steht. Die wenigen Vermieter in dieser Stadt, die ganz bewusst eine Entscheidung für die Mutter mit Kind treffen kann man sehr lange suchen und meistens wird man daran scheitern.

Ich bin als Frau mit Kind quasi nicht existent. Es wird immer, immer jemand kommen der mehr verdient. Am liebsten übrigens ein einzelner Mann für eine 3-4 Zimmer Wohnung. Die schmutzen nicht. Das Kind einer alleinerziehenden Mutter dagegen beschmiert natürlich die Wände mit Kacke und die Mutter raucht Kette und stapelt die Bierflaschen auf dem Balkon – oder beschmiert wahlweise selbst die Wände mit Kacke. Je nachdem. Genau so wird man gesehen und behandelt.

Es gibt sicher einige nette Menschen da draußen, die irgendwo noch genug Mitgefühl gerettet haben um sich für eine Mutter zu entscheiden- mir ist leider keiner begegnet.

Monat um Monat der Ablehnung verstrich und die Angst davor auf unabsehbare Zeit in einer Wohnung festzusitzen, die mich langsam aber sicher finanziell auffraß, wurde immer belastender. Ich musste etwas finden, wo ich uns auf Dauer sicher unterbringen konnte, sicher genug um nicht permanent bangen zu müssen.

Nach einem Jahr tat sich dann irgendwann eine Connection auf und ich fand eine Wohnung. Allerdings nicht aus eigener Kraft. Ich bin mir sicher, alleine und ohne Vitamin B hätte man mir auf dem normalen Markt bis heute keine Wohnung gegeben. Bis heute könnte ich mein Leben nicht ordnen und würde mit jedem Monat näher an die endgültige finanzielle Grenze rücken. Ich habe im vergangenen Jahr meine Glauben an die Menschheit verloren.

P.S.

Dies ist eine Geschichte über die normale Wohnungssuche auf dem normalen, freien Markt. Es gibt viele, viele Ansatzpunkte eine Wohnung zu finden. Ich versichere euch, ich habe sehr viele Wege beschritten und sehr vieles getan. Ich habe viele Menschen und Stellen kontaktiert und Aufrufe und Anzeigen gestartet etc. pp. Nein, ich habe mich nicht nur darauf verlassen ins Internet zu schauen.

 

 

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