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Die schmerzhafte Illusion

Leider lebe ich den Klassiker von „Erziehungsmama“ vs. „Spaßpapa“ von„mankannnichtalleskaufenwasmansieht Mama“ vs. „klarbekommstdualleswasduwillst Papa“ und „erstdenkendannkonsumieren Mama“ vs. „alleswasreingeht Papa“. Letzteres im Übrigen anwendbar auf Medien, Zucker, Fastfood und diverse andere Dinge.

Ich lebe mit einer Sehnsuchtsfigur Papa, gegen die ich nicht ankomme. Obwohl ich natürlich weiß, mein Kind ist nun mal zu klein um die gewaltigen Löcher in der Superpapafassade zu sehen, weh tut es trotzdem.

Ich kämpfe mich durch jeden Tag, er tut nichts – von der Stunde der Geburt an- ist er nie an der Seite seiner Tochter und doch ist er der große Held. Er war nie da, wenn sie krank war. War nicht hundert Mal mit ihr beim Kinderarzt, Zahnarzt, Augenarzt, Kardiologen. Er war nicht an ihrem Bett bei ihrer ersten Vollnarkose oder hielt ihre Hand bei 40 Fieber, Kotzerei und Durchfall, entfernte die Läuse von Ihrem Kopf oder brachte ihr Fahrradfahren bei.

Kindermund sagt Dinge wie: „Ich will bei meinem Papa wohnen. Papa spielt jetzt Lotto damit er ganz viel Geld hat und nie mehr arbeiten muss und dann kann ich bei ihm wohnen.“ Ach mein armer kleiner Schatz!

Natürlich, wann immer ich etwas verlange, was sie nicht will. Wann immer ich etwas durchsetze und hart bleibe schreit sie nach: „Papa, ich will zu meinem Papa.“ Na klar, beim Spaßmenschen ist das Leben leichter!

Es ist hart! Der Mann, der mich vollkommen im Stich ließ, den ich erst mit Anwältin und Gericht davon überzeugen musste, dass er weiterhin etwas zu verantworten hat, der permanent seinen Umgang absagt, verschiebt, ausschließlich nach seinem Terminkalender lebt, der alles tut was seinem Kind letztendlich nicht weiterhilft, nach dem sehnt sie sich und sagt mir permanent ins Gesicht sie will zu ihm, weg von mir, ausziehen!

Bei aller Vernunft, es ist jedes Mal ein Stich ins Herz.

Irgendwie hoffe ich innig, dass der Tag kommt an dem mein Kind erste Risse entdecken wird in der Fassade! In der meine Kind nicht mehr zu beeinflussen ist mit Geld, Geschenken, Süßigkeiten und Fernsehen- jedenfalls nicht mehr so, dass sie vollkommen geblendet ist.

Ich muss warten ob sie selbst erkennt und der Weg dorthin wird sicher für mich schmerzhaft werden. Das Podest wird immer höher und ich kann nur Schweigen und auf den Tag hoffen an dem es wieder anfängt zu schrumpfen.

Der Superpapa sonnt sich derweilen im Glanze, der ihm natürlich auch zusteht. Ungefragt wurde mir erklärt, er sei nun mal der „Spaßpapa“ und es sei ja auch ganz normal, dass ein Kind einen Elternteil lieber mag als den anderen – sprich ihn.

Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.

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