Zum Inhalt springen

„Du hast kein Auge für diese Dinge, weil du keine Liebe dafür hast, und Auge und Liebe gehören immer zusammen.“ (Fontane)

Wir müssen unsere Kinder lehren
die Erde zu riechen,
den Regen zu kosten,
den Wind zu berühren,
die Dinge wachsen zu sehen,
den Sonnenaufgang zu hören,
und sich zu kümmern.
Gehen wir mit gutem Beispiel voran.

Es ist Sommer und meine Tochter und ich, wir freuen uns über unsere wunderbare Blumenwiese, jeden Tag aufs Neue! Wir bewundern den Wald in unserer Nähe, mit dem kleinen Stück alter Mauer darin und dem alten Torbogen! Wir sehen Schnecken mit großen Häusern und riesige Wurzelballen von umgekippten Bäumen. Wir riechen an Blumen. Mr. M war (und ist es vermutlich immer noch) ein Mensch der kein Auge hatte und keine Wertschätzung empfand für solche kleinen Dinge im Leben.
Niemals würde er sage : „Schau ein Regenwurm.“ oder „Guck den tollen Flieder an!“ Dabei ist seine Tochter daran sehr interessiert. Sie bleibt stehen. Sie schnuppert und fasst an und bewundert. Nicht nur im Konsumtempel.
Wie gut es im Sommer nach dem Regen riecht, wie herrlich der Flieder duftet, wie wunderschön bunt das Herbstlaub ist, wie lau die Sommernacht. Wie wunderbar der Wald. Das konnte er gar nicht verstehen. Wenn ich solche Dine äußerte bekam ich kaum ein Schulterzucken, keine Antwort. Eher etwas fragende Blicke.

Mich machte das immer stutzig.

Ja, es war mir schon sehr oft aufgefallen. Diese Tatsache kannte ich schon, bevor wir ein Kind hatten.

Aber sollte einen diese Entdeckung so zutiefst misstrauisch machen, dass man die Ehe lieber gleich aufgibt? Ist diese Blindheit ein unumstößliches Symptom dafür, dass man es hier mit dem falschen Menschen zu tun hat?

Jetzt hat er eine Neue und geht wandern. Ob er jetzt so tut als fände er es ganz wunderbar? Vielleicht findet er es ja auch wunderbar. Vom Gipfel ins Tal blicken, ja das ist ein gigantischer Anblick! Ja, das hat schon ganz andere berührt. Ob er aber jetzt plötzlich die Schönheit erkennt in der bunten Blumenwiese oder dem Duft von Regen, das wage ich zu bezweifeln. Sowenig wie er sein eigenes Wunder erkannt hat, wirklich erkannt, nicht nur im Herzen auch im Hirn.

Die ganz große Geste, die ist einfach. „Komm ich kaufe dir eine neue xyz.“ Jedoch, kleine Gesten verlangen echtes Herz, echtes Hinsehen, echtes Mitfühlen. Jeden Tag.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.