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Ein 40 Jahre altes Werbeopfer

Ich habe schon mal kurz erwähnt, dass Mr. M. -übrigens bis heute- mit dem allergrößten Vergnügen, immer nur die Produkte kauft mit dem fettesten Markennamen drauf. (Ihr wisst schon, obwohl er ja am Rand der Armutsgrenze lebt). Solange es eine bekannte und bunte Marke ist, ist es auch ganz unzweifelhaft die beste Wahl. Es gibt da ja durchaus ein bis zwei Fakten, die man als Erwachsener über Essen wissen könnte, vor allem, wenn man es dem Körper seines Kindes zuführt und nicht seinem eigenen.

Im Supermarkt lief das dann gerne so:

Ich: „Ich brauche noch einen Joghurt für die Kleine.“

Mr. M. zum Zwuckelchen: „Ja klar, kommt mit, du kannst dir einen aussuchen.“

Ich musste gar nicht schauen, in welchen Gang er mit der Kleinen gehen würde, es war immer der Gang mit den buntesten Packungen und den witzigen Comicfiguren auf dem Essen. Der Gang für die „Kinderlebensmittel.“ Egal wie oft ich ihm erklärte, dass dieses lustig bunte Essen für Kinder genau das ist, was man nicht kauft. Das genau das bunte Zeug die dreifache Menge Zucker enthält. Das ist kein Joghurt, das sind Süßigkeiten. Alles was ich darauf zu hören bekam war ein verständnisloses Gesicht und die Antwort „Das ist doch für Kinder“ und obendrauf die Garantie, dass, sobald ich nicht dabei war, er mit Freude nur dieses Zeug kaufte. Jetzt wo er mit seinem Kind alleine ist kauft er nur noch Joghurt, Käse, Wurst, Soße, egal was Hauptsache es sind bunte Bilder drauf. Er packt ihr den Rest sogar dann für zuhause ein…also schleppt es zu mir. Wahrscheinlich damit er mir zeigen kann, dass er jetzt endlich seiner Tochter das Kinderessen kaufen kann, das sie doch so gerne mag.

Bitte, seid euch sicher, ich bin kein Zucker-Nazi. Wir haben Kekse und Gummibärchen im Schrank aber ich versuche trotzdem, so gut es geht, den Mist in Grenzen zu halten und vor allem fülle ich sie nicht vollkommen unbewusste mit noch mehr Zucker ab, weil die im Fernsehen sagen , dass es extra für Kinder ist und darum natürlich ganz gesund. Ich hatte noch ein Einkaufserlebnis, dass ich nie vergessen werde und das Bände spricht für das was jeden Tag passierte. Wir hüpften kurz in den Vollkorner, weil es schon spät war und wir schnell Spaghettisoße kaufen wollten für das gemeinsame  Abendessen. Mr. M. stand vor dem Regal mit gefühlt 35 verschiedenen Soßen. Mein 40 Jahre alter Ehemann griff nach dem Glas mit dem lustigen Comictiger drauf.

Eine meiner besten Freundinnen und ihr Ehemann sind Veganer. Ich kaufte auch schon viele Sachen bei Alnatura & Co die vegan waren und bei meiner Freundin probierte ich mich dann natürlich auch noch durch allerlei andere vegane Sachen durch. Es gab bei ihr auch immer diese kleinen „Würstchen“, die meine Tochter gerne aß. Ich kaufte die Würstchen immer wieder, weil sie ihr schmeckten und mir auch ganz gut. Mr. M. machte immer eine extra Show daraus die Dinger anzusehen als hätte ich Hundeschieße auf den Tisch gelegt. Das machte er nicht nur bei den veganen Würstchen. Ich trank schon seit vielen Jahren nur Sojamilch etc., weil ich laktoseintolerant bin und ich vertrage auch keine Eier. Ich ersetzte schon seit Jahren Milchprodukte mit anderen Lebensmitteln und  ich kaufe gerne vegane Sachen weil ich da sicher bin, dass nix drin ist was ich nicht vertrage. Ich habe sehr wohl Milchprodukte für meine Tochter zu Hause und sie kann sowohl das Vegane essen, als auch alles andere.

Mr. M. empfand es als sein persönliche Mission immer zu betonen, dass das keine echte Milch sei ( wenn manchmal morgens keine Milch mehr da war und ich die Sojamilch nahm für Zwuckel) und er machte es zu seiner Mission immer abfällig über jedes Produkt zu sprechen , dass er als Vegan und/oder aus dem Bioladen erachtete und er stellte sicher, dass er es immer mit angeekeltem Gesichtsausdruck ansah. Es fielen permanent Anspielungen. „Das muss man nicht schütteln, das ich echte Milch:“

Wisst ihr was ich daran am traurigsten finde? Jeder Erwachsene, der einigermaßen intelligent ist, sollte heutzutage wissen, dass es so wahnsinnig wichtig ist eine gesunde Einstellung zum Essen zu vermitteln. Egal ob Soja oder nicht. Er benahm sich genauso wenn ich etwas kochte. Er betrachtete mein Essen immer ausgiebig und mit großem Misstrauen. Er machte es meist auch sehr deutlich, dass er nicht ganz sicher war ob er es überhaupt essen wollte. Manchmal aß er es mit einer angeekelten Fresse als würde ich ihn zwingen Nacktschnecken zu verspeisen. Einfach nur aus dem Grund, weil es aus dem Bioladen war und/oder weil es gesund war.  Was für eine Botschaft an ein Kind und jeden Tag eine neue Beleidigung für mich. Meistens ignorierte er einfach vollständig was ich überhaupt gemacht hatte und aß irgendwas anderes. Da konnten 3 Töpfe auf dem Herd stehen, er schaut es gar nicht an. Ich erwarte im Übrigen nicht, dass er, oder andere, mein Essen mögen aber ein solches Benehmen von einem erwachsenen Mann seiner Frau gegenüber ist einfach ganz bewußt beleidigend. Das kann man auch anders machen.

Es mag altmodisch sein aber ich bin der festen Überzeugung, dass Essen nicht weggeworfen wird. Vor allem nicht, wenn man ein erwachsener Mensch ist, dann benimmt man sich nicht wie ein 5 Jähriger. „Ich esse meine Suppe nicht“, aus dem Mund eines 40 jährigen Mannes… da fällt mir nix mehr dazu ein.

Wenn ich zu einem Erwachsenen sage, dass das Brot gegessen werden sollte weil es sonst alt wird dann möchte ich nicht hören, „Ich hab aber keine Lust auf Brot!“ Ja, ich hätte vielleicht auch jetzt lieber Sushi aber ich möchte auf jeden Fall nicht das Brot in den Abfall werfen. Ist es wirklich so dumm heute noch zu denken, dass es ein Privileg ist mehr Essen zu haben als man überhaupt essen kann? Ist es wirklich so dumm, seinem Kind beizubringen, dass Essen einen Wert hat. Ja, es ist ein Privileg alles zu haben was man möchte. Ich möchte gerne, dass mein Kind das weiß.

Wie kann man nur von ienem ewachsenen Mann erwarten, das Essen zu probieren und nicht die Fresse zu verziehen, wie ein kleines Kind.

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