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Eine Erinnerung an der Ampel

Neulich saß ich im Auto, ganz in der Nähe des Kinderkrankenhauses, in dem ich mit Zwuckel nach der Geburt noch einige Tage auf der Intensivstation verbrachte.

Ein Krankenwage rauschte an uns vorbei und ich musste daran denken, wie wir (Zwuckel und ich) damals im Krankenwagen verlegt wurden.

Die ersten drei Tage nach der Geburt verbrachten wir in dem Krankenhaus, dass ich mir ausgesucht hatte. Nach einer unfassbar schnellen Geburt und einer kleinen OP bei mir, fand ich mein Frühchen auf der Intensivstation im Wärmebettchen. Einen Zugang in ihrer winzigen Hand, der größer war als ihre Fingerchen und jeder Menge Kabel. Sie war gesund und fit aber trotzdem… es ist ein nicht ganz einfacher Anblick.

Ich verbrachte also die ersten Tage mit meinem Winzling auf der Brust auf der Frühchenstation. Das sind Tage, die man in einer geschützten Blase verbringt. Es gibt dort keine lauten Geräusche und es sind permanent Schwestern in Zimmer, die sich kümmern. Sie helfen einem bei allem, sorgen dafür, dass irgendwann endlich die Milch einsetzt und dafür, dass die Kinder genug trinken, sie helfen einem beim Stillen, man ist da vollkommen aufgehoben. Die Station war sehr klein. Es gab nur 5 oder 6 Betten, gemütlich und geschützt.

Nach drei Tagen sagten mir die Ärzte, dass ich selbst eigentlich entlassen werden könne aber man könne mich durchaus noch für 2 Tage behalten, wenn es mir noch nicht so gut ginge *zwinker* und ich noch bleiben wolle. Selbstverständlich wollte ich noch bleiben, mein Baby lag ja nebenan.  Also machten wir das mal so fest und ich ging wieder zu meinem Baby und war sehr froh, dass es noch zwei Tage so gehen würde.

Leider hieß es dann am selben Tag drüben auf Intensiv plötzlich, meine Tochter werde in eine andere Klinik kommen, weil die Betten ausgingen und neue Geburten anstünden. Morgen werde sie verlegt werden.

Okay, morgen, damit konnte ich arbeiten, ich würde mich dann eben doch auschecken und morgen dann das Krankenhaus verlassen und Zwuckel kommt in das andere Krankenhaus. Ich musste ja nicht bleiben ohne die Kleine. Alles gut.

Mr. M. war auch da als man mir das unterbreitete. Ich war ein bisschen enttäuscht, dass ich nicht in Ruhe bleiben konnte aber es war in Ordnung. Zudem bedeutet diese Verlegung aber auch, dass ich nicht länger 24 Stunden im selben Gebäude sein würde wie mein Kind. Ich musste die Nächte zu Hause verbringen. Der Gedanke fiel mir schwer.

Allerdings. etwa ein halbe Stunde später wurde ich plötzlich informiert, dass man die Kleinr jetzt schon verlegen würde. Der Krankenwagen sei quasi schon bestellt. What? Plötzlich war ich vollkommen überfordert. Ich musste doch erst noch zur Abschlussuntersuchung und ich musste doch alle spacken und ich wollte doch nicht einfach, dass die mein Baby wegfahren. Draußen stand inzwischen die Familie im Gang, weil sie uns besuchen wollten.

Wenn ich das heute erzähle klingt das nicht so spektakulär. Damals, in diese Phase, war es für mich als bräche kurzfristig die Welt zusammen.  Ich war da in einem sehr verletzlichen Zustand und ich fing einfach an zu weinen.

Mr. M. hatte gerade das Baby im Arm und ich fing an zu heulen.

An die Details erinnere ich mich gar nicht mehr aber ich erinnere mich, dass wieder einmal keine sehr hilfreiche Reaktion von meinem Mann kam. Schon gar keine Reaktion, die irgendwie beinhalten würde, mich anzufassen, zu umarmen oder mich sonst wie körperlich zu unterstützen. Ich erinnere mich genau an das Gefühl, keine Reaktion zu erhalten. Wenigsten etwas wie, okay hör zu, ich packe jetzt deine Sachen und ich kümmere mich um die Familie und du gehst los und suchst den Arzt. Sowas wäre gut gewesen.

Ich zischte los, sprach mit der Familie, suchte meinen Arzt, packte meine Tasche und rauschte zur Abschlussuntersuchung um rechtzeitig zur Abholung wieder bei meinem Kind zu sein.

Wieder stand ich da, verloren vor meinem Ehemann, der nicht mal verstand was das Problem war und mir keine Hilfe bot.

Ich schaffte alles rechtzeitig und war wieder da um mit meinem Baby in den Rettungswagen zu steigen. Wisst ihr was mir dann endlich etwas Ruhe und Sicherheit wieder gab? Die beiden Sanitäter von der Feuerwehr. Die packten meine Maus im Brutkasten ein und fuhren uns ganz ruhig und freundlich und voller guter Stimmung in die andere Klinik.

Drüben angekommen musste ich dann auch noch im Gang stehen vor dem Zimmer der Kleinen und warten bis die Ärzte sie untersucht hatten. Ich war da alleine und den Schwestern fiel sofort auf, dass es mir nicht gut ging. Ich wurde gleich gefragt was los sei, ob man mir helfen könne. Meine Mutter kam bald hinterher und half mir, mich dort zurechtzufinden. Es musste eine Liege geholt werden, die sich die Eltern neben das Bettchen stellen konnten etc. Natürlich weiß ich, dass Mr. M. auch da war, es gibt ja auch Fotos davon aber im Gedächtnis ist es mir nicht sehr stark geblieben. Im Gedächtnis blieb mir der Mensch, der mir Decken brachte für den Liegestuhl und Kissen damit ich besser sitzen konnte stundenlang und der zum DM fuhr um einzukaufen was ich zu Hause jetzt brauchen würde und der los fuhr um Babysachen zu finden in Frühgeborenen-Kleidergrößen, denn die normalen Babysachen waren doppelt so groß wie mein Kind.

Dieser Mensch war nicht mein Ehemann und Vater der kleinen Maus sondern meine Mutter.

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