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Es lasst ned aus, sagt der Bayer

Kaum lag ich nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus 2 Stunden auf dem Sofa, da klingelte mein Handy: Die Schule.

Die Lehrerin meldete sich bei mir. Bevor ich ins Krankenhaus kam hatte ich noch eine Mail an die Schule gesendet und erbeten, ob man sich für die Maus bitte um den Einsatz eines heilpädagogischen Dienstes kümmern könne, denn das obliegt der Schule. Allerdings wurde es in den letzten Wochen also nun zunehmend deutlich, dass die Grenzen an der Schule für die Kleine erreicht sind. Sie steigt inzwischen fast täglich aus dem Unterricht aus mit Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Der Frust wächst, weil sie alleine nicht klar kommt. Im Frontalunterricht kommt sie super mit, denn da wird ihr die Struktur vorgegeben, die sie braucht. Alleine kommt sie aber nicht weiter und ein Teufelskreis aus Frust, Verweigerung, Kopfweh, Bauchweh etc. startet. Wir werden jetzt also nächste Woche einen runden Tisch versuchen aber es sieht sehr danach aus, dass eine andere Schule gefunden werden muss. Meine Reise von Pontius zu Pilatus nimmt also kein Ende. Das Rad aus Terminen, Problembewältigung und Organisation dreht sich einfach nur immer schneller. Nebenbei habe ich ja seit 01.01. keinen Job mehr und suche gerade auf allen Kanälen eine neue Arbeit. Alle meine Bewerbungen sind für Vollzeit, weil es einfach keine Teilzeitstellen gibt. Egal wie lange ich suche, Teilzeit bleibt eine Utopie. (Mag auch an der Branche liegen, ist aber gerade so.)

Es ist gar nicht so sehr die Suche nach einer geeigneten Schule, die mir die größte Angst macht, es ist die Vorstellung das alles zu wuppen mit einem 40 Stunden Job und ohne Hilfe. So gerne würde ich meinem Kind mehr Zeit geben ohne Fremdbetreuung. Mehr Zeit um selbt in Ruhe mit ihr zu lernen, in Ruhe Ihre Termine zu machen, mehr Zeit um runterzukommen. In der Realität aber wird die Zeit noch weniger werden. Auf der anderen Seite ist ein Leben ohne einen Job, der uns ernährt undenkbar. Schon oft habe ich ernsthaft darüber nachgedacht ALG II Empfängerin zu werden und aus dem Druck auszusteigen. Auch das ist eine Illusion, denn dann kommt der Druck des ewigen Geldmangels, der Armut, der fehlenden Teilhabe. Es gibt zwar Menschen, die sagen Armut sei ALG II nicht aber das halte ich für ebenfalls etwas blauäugig. Wenn ich den Muttis zuhöre, die davon leben und alleine sind, dann bestätigen sie mir: Ja – Hartz VI ist Kinderarmut. Hartz VI ist fehlende Teilhabe, ist Kampf um jedes bißchen Normalität für die Kinder, ist Ausgrenzung. Klar, es gibt immer Stimmen, die sagen sie leben ganz prima davon. Bitte erlaubt mir dies stark zu bezweifeln.

Fakt ist: Das Hamsterrad dreht sich weiter. Es dreht sich schneller und ich hoffe und bete, dass es auch in diesem Jahr nicht aus der Verankerung springt.

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