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Ich fürchte den Tag X

Viele von euch kennen es vielleicht selbst und manche wissen, dass es mir seit der Trennung so geht: Mein Kind sagt mir permanent, dass sie den Papa mehr liebt, dass sie zu ihrem Papa will, dass der Papa ihr Liebling ist.

Natürlich, erkennt sie nicht, dass der Mann im Grunde niemals Verantwortung für sie übernommen hat und übernimmt.

Angesichts der Vergötterung dieses Versagervaters habe ich sowieso schon oft gedacht, wie lange es wohl dauern wird, bis mein Kind ernsthaft zu mir sagt, sie will weg von mir.

Wenn ich dann aber auch noch so viele Geschichten lese von Müttern, denen genau das passiert, dann bekomme ich noch mehr Angst.

Genau das: Wir kämpfen in den schwierigen Jahren. Der Vater geht ungestört arbeiten. Wir reiben uns auf zwischen Job, Kind, wenig Geld, Verantwortung und quasi kein eigenes Leben mehr, bis die Kinder dann groß genug sind um ohne große Hege zu funktionieren und dann gehen sie zum Vater. Gehen zu dem Haushalt, der mehr Geld hat, der Freiheit verspricht und ein Leben ohne Regeln in Aussicht stellt.

Im Idealfall gibt es da eine Next, die weiterhin dafür sorgt, dass der Vater keine Verantwortung übernehmen muss und sich um die Termine kümmert und du bleibst zurück.

Nach jahrelangem organisieren von Hilfen und Ärzten und Schulen, Sprechstunden, Besprechungen, Kampf mit Wutanfällen und Erschöpfung. Irgendwie durchhalten, wenn die Tochter wieder und wieder aus der Schule abgeholt werden will. Zuhause lernen und wieder kämpfen. Morgens Aufstehen und manchmal unter schweren Bedingungen ein sich verweigerndes Kind irgendwie in die Schule bekommen.

Wenn das alles durchgestanden ist, dann kommt ein Kind, dass langsam Pickel bekommt und sagt, sie geht. Sie geht dahin, wo immer schon Milch und Honig flossen und ich sie nur aus reiner Gemeinheit und Egoismus davon fern hielt.

Wenn ich diese Bedenken äußere, dann werde ich immer beruhigt, das würde nicht passieren.

Ich habe panische Angst davor und ich weiß nicht was ich tue, wenn es doch passiert. Andere Mütter erzählen zu Hauf, dass genau das eingetreten ist.

​Ist das dann die späte Rache der Versagerväter? Der Endsieg, den sie dann über uns davon tragen, weil das Kind freiwillig zu ihnen kommt. Zu ihnen, die ja insgeheim immer schon die besseren Eltern waren und nur die Umstände haben sie von ihren Kindern ferngehalten. Die bösen Mütter. Wie unfassbar gut müssen sie sich dann fühlen, wenn das Kind freiwillig zu ihnen kommt, weil es groß genug ist, die Fesseln abzuschütteln?

Ich übertreibe? Nein, das denke ich nicht. Denn auch Mr. M. hat mir schon mal ganz vielsagend reingedrückt, dass die Tochter ja irgendwann alt genug sei um selbst zu entschieden bei wem sie Weihnachten verbringen möchte.

Subtext: Natürlich bei ihm, dem geliebten wundervollen Vater.

Das Kind, das sie all die Jahre angefüttert haben mit nichts als Vergnügen und Konsum. Mit Brot und Spielen, beschert Ihnen dann den großen Triumph über die Mutter. Um das Kind kann es den Erzeugern ja nicht gehen, denn das wäre auch schon viel früher dagewesen.

Obwohl ich nicht weiß ob der Tag kommen wird habe ich große Angst davor und der Gedanke an den Versager Vater, der sich dann fühlen wird wie der König der Welt, der bringt jetzt schon meinen Puls auf 180.

2 Kommentare

  1. Gojibeere

    Ich verstehe Deine Angst. Weil ich sie auch habe. Und ich immer groß töne, dass wir auf die Bedürfnisse unseres Sohnes Rücksicht nehmen und eventuell Betreuungsänderungen vornehmen müssen, sollte sich das irgendwann mal klar abzeichnen. Klar spreche ich da in erster Linie von mir und meiner Hoffnung, dass mein Kind irgendwann dieses elende Wechselmodell selbst in die Ecke kloppt, weil es sich bei mir zuhause fühlt. Haken an der Sache ist nur, dass ich das Eine nicht verlangen und das andere ablehnen kann, obwohl es aufs selbe rauskommt. Wenn der Kleine also irgendwann einfach entscheidet, bei Papa sein zu wollen, muss ich dem Folge leisten. Einfach weil er im Vordergrund stehen soll. Das war eines der wenigen Dinge, die der Ex und ich uns versprochen haben (und Jeder interpretiert das natürlich auch anders).
    Mich beruhigt, dass ich das ganze Spiel schon von der Bonustochter kenne, als wir noch zusammen waren. Der Papa (+ich) war der Held, der Tolle, der Großartige. Ist er heute noch, obwohl sie längst nicht mehr die Prinzessin ist, jetzt, wo es einen Thronfolger gibt. Ganz bittere Geschichte und immer wieder neue Tiefpunkte, die mich zweifeln lassen, ob dieser Mann auch wirklich ein Herz hat. Trotzdem: sie liebt ihn. Sie vermisst ihn. Es macht sie wütend, dass er sie so hängen lässt, sich nicht meldet, nur schimpft und sie zum Aschenputtel geworden ist. Wir Erwachsenen fragen uns oft, wann sie aufhören wird, ihn auf ein Podest zu stellen. Wahrscheinlich nie.
    Das ist aber nur die eine Seite – denn ernst machen, bei IHM leben und nicht bei Mama? No way! Niemals! Auch wenn ihre Mama mit ihr auch einiges auszustehen hat, und ja, mit 7 auch mal beschimpft und angeschrien wird. Trotzdem – nie würde die Kleine bei ihrem Papa wohnen wollen. Und das wollte sie damals, als es „bei uns“ so famos war, auch schon nicht. Der Papa hat es versucht (über meinen Kopf hinweg). Es ging kein Weg rein.
    Ich glaube, dass Kinder instinktiv spüren, dass manche Entscheidungen im Leben einfach schon viel weitreichender sind als andere. Mal eine Woche die Sau raus lassen und sich pampern lassen? Klar! Das Ding durchziehen und alle Zelte bei Mama abbrechen? Niemals. Und das kann ich mir nur mit ihrem Urinstinkt dahin erklären, wer schon immer an ihrer Seite war. Vom ersten Moment war. Wessen Herzschlag sie gehört und welche Haut sie das erste Mal gerochen haben. Ja, nenn‘ mich kitschig. Aber ich glaube fest dran. Weil ich es aber in den wirklich zweifelnden Momenten auch einfach muss. 😉

    • Lilli Engelmann

      Meine Liebe, ich danke dir sehr für deine Worte und die Zeit, die du dir genommen hast. Ich hoffe inständig, dass du Recht hast. Das schlimmst für mich sind die Momente, in denen ich von anderen Müttern höre, dass ihre Kinder, sobald sie alt genug waren, gegangen sind. Mütter, bei denen es eben genau so klingt wie bei mir. Sie haben sich jahrelang den Arsch aufgerissen, das eigene Leben hinten angestellt und dann ist das Kind weg zu einem Vater, der auf einem Podest steht. Natürlich kenne ich keine davon persönlich und weiß auch nicht wie es wirklich aussah aber ich habe Panik davor. Lasst uns hoffen, es wird nicht so kommen. Danke dir!

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