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„Ich habe dich lieb“

Wer schon ein paar Mal mitgelesen hat, der weiß wahrscheinlich, wie schwer es für mich oft ist, dass meine Tochter Ihren Vater quasi anbetet. Es gab Zeiten, da war es besonders hart, weil sie mich dauernd verbal entwertete. Dann wurde es etwas besser aber immer, immer musste ich damit leben, dass da ein Bild vom tollsten Menschen aller Zeiten über mir hing, gegen das ich natürlich nicht anstinken konnte. Ich bin Alltag, ich bin Erziehung, ich bin Hausaufgaben, ich bin öfter Nein als Ja.

Er ist Konsum, er ist Medien, er ist ohne Verpflichtungen.

Und nun kam der Tag, an dem mir Mr. M. eines Abends schrieb, das Kind weine nach mir. Sie wolle zu mir!

Wisst ihr was: Ich habe gefeiert! Also innerlich, kurz vor dem Einschlafen.

Für mich war es das erste Mal, das ich jemals etwas hörte, das Mr. M. deutlich machte er ist nicht der einzig geliebte Superdaddy.

Ich weiß ja, dass er in dieser Überzeugung lebt. Er klärte mich ja mal auf, es sei doch klar, dass das Kind einen von uns mehr liebe – also ihn.

Endlich, endlich durfte er erfahren, dass ich auch wichtig bin. Ich hörte es auch zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit.

Langsam bemerke ich hier und da kleine Veränderungen. Sie äußert sich darüber, dass Mr. M wieder mal das Reiten abgesagt hat und sie wieder nicht sieht. Sie ärgert sich, dass er die einzigen Ferien, die er mit ihr verbringt wieder zu seinen Eltern fährt mit ihr und dann die Oma auch noch an den Urlaubsort mitschleppt. Natürlich versteht Sie noch nicht, dass er das aus Bequemlichkeit macht. Sie bemerkt, dass er andauernd seine Verabredungen verschiebt etc.

Zum ersten Mal höre ich immer öfter den Satz: „Mama. ich habe dich lieb.“ Natürlich höre ich das immer schon bzw. ich höre fast immer die Antwort: „Ich dich auch!“ Es ist aber neu, dass die Kleine es permanent von sich aus zu mir sagt. Wo es doch früher immer hieß: „Ich habe den Papa lieb:“

Ist das armeselig? Als Mutter darauf zu warten, dass dein Kind dir endlich sagt, es hat dich lieb?

Gestern trafen wir uns mir Mr. M. zur Übergabe für einen Tag. Es war schon Abend, also trafen wir uns kurz im Einkaufszentrum, wo ich was besorgen wollte und aßen gemeinsam etwas. Danach standen wir zur Verabschiedung und ich sagte etwas wie: „Dann lass und mal tschüss sagen!“ zu meinem Kind. Die Kleien Maus küsste Mr. M uns sagte „Tschüss!“

Das war natürlich nur eine winzige Kleinigkeit und wir lachten alle aber es war auch etwas, was früher niemals passiert wäre!! Egal wie witzig es war, es war trotzdem ein Zeichen, dass die Zeiten der bedingungslosen Anbetung vorbei sind.

Es mag doof sein als Mutter nicht drüber zu stehen und solche Gedanken zu haben aber es hilft meiner kleinen Seele gerade ungemein.

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