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Immer wieder diese Frage

Ich hatte ein Date. Nicht das erste seit ich getrennt bin, dennoch stellte ich mal wieder fest, was für Vorstellungen die Menschen vom Leben als Alleinerziehende haben.
Die Frage, die mir immer wieder gestellt wird, nicht nur von Männern: „Waaas, du hattest seit der Trennung niemanden?“
Immer bei dieser Frage halte ich eine Sekunde inne und wäge ab, soll ich darauf jetzt ausführlich antworten oder entscheide ich mich für ein knappes: „Hat sich eben nix ergeben“ oder etwas ähnlich  flaches? Was ich manchmal gerne antworten würde:

Ich agiere phasenweise am Rande des Burnout, den Rest der Zeit „nur“ in einem permanenten Wirbel von Mutterpflichten, Arbeit , Alltag und Terminen. Jeden Tag finde ich mich an der Grenze zur Erschöpfung und manchmal darüber hinaus. Selbst wenn endlich, endlich nichts mehr zu tun ist, außer sich ins Bett zu legen dann ist da, im Laufe der Nacht, immer noch ein kleiner Mensch, der mich zwischen ein- und fünfmal aufweckt, weil wir eben nicht jede Nacht gleich gut schlafen, auch nicht mein Kind. Um 22.00 Uhr sitze ich an keiner Bar mehr und schlürfe einen Cocktail, da kann ich vor lauter Gähnen kaum noch sprechen. Manchmal kann ich schon im Büro kaum die richtigen Worte finden, weil mir eine bleischwere Müdigkeit in den Knochen steckt.
Viele von uns kämpfen nebenbei noch gegen drohende oder schon eingetretene Armut, die Tage sind oft von Geldsorgen überschattet. Auch bei mir ein durchaus bekanntes Thema. Jede größere Ausgabe zwingt mich in den Dispo.
Mal eben so gechillt Männer daten, sich umschauen, raus gehen und Leute kennen lernen, das ist eine Illusion! Die meiste Zeit zumindest.
In mein eng gestricktes Leben passen Gott sei Dank noch Freundinnen, Freundinnen die Kinder haben und zumindest eine kleine Vorstellung davon, was es bedeutet alles alleine zu machen. Die mir entgegenkommen, die zu mir fahren wenn es sein muss, weil wir uns anders nicht sehen können.
„Neue Leute“ in einem Zeitplan der nur aus dem Weg von A nach B nach C und D und zurück besteht – wie soll das gehen?
Natürlich kann ich es diesen Menschen nicht übel nehmen. Die haben ja keine Kinder. Die wissen nun mal nicht was das bedeutet. Schon gar nicht was es bedeutet alles alleine zu stemmen. Dennoch fühle ich mich in solchen Momenten irgendwie so verkannt und daran erinnerte, dass es da draußen ein Leben gibt außerhalb meiner Blase am Rande der Erschöpfung. Da gibt es Menschen, die ein völlig anderes Leben leben.

Ich spare mir dann aber doch sämtliche Ausführungen, denn irgendwie habe ich gar keine Lust auf verständnislose Blicke und die deutliche lesbare Frage in den Augen des Gegenübers, ob ich jetzt hier anfangen will zu jammern.

Nö, ich jammere nicht. Ich mache weiter. Jeden Tag.

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