Zum Inhalt springen

KW 26

Mehrere Dinge haben mich beschäftigt diese Woche.

 

Seit meine Tochter Papas Next mit kleiner Tochter präsentiert bekam kämpft sie unwahrscheinlich hart mit sich und auch mit mir. Natürlich denkt der Vater nicht weit genug und stürzt sein Kind ganz unbekümmert in eine schwere Krise. Natürlich ohne es zu ahnen, ohne ein Gefühl dafür zu haben oder darüber nachzudenken und ohne jede Bewusstsein dafür, dass seine Belange mal wieder im Vordergrund stehen.

 

Ich merke es schon seit einiger Zeit und spätestens seit er mir gebackenen Cakepops beim Geburtstag stand – „die haben ich mit einer Bekannten gebacken“ – Ich hätte mir ja am liebsten vor Lachen in die Hose gemacht. Wie feige, dumm und durchschaubar …oh je!

 

Die Kleine litt schon vor ihrem Geburtstag, wie immer in Form von wahnsinnigem Trotz, totaler Verweigerung jeder Kooperation und ständiger Eskalation. Ich wusste, da ist was im Busch nur nicht genau was. Es war messbar. Es wurde schlimmer.

Denn obendrauf zur inneren Katastrophe, dass der Vater eine neue Tochter gefunden hat (schau nicht so sau blöd, genau das kommt an bei deinem Kind, du Nullschnaller!!!) war auch klar, dass er jetzt dann für mehrere Wochen im Ausland sein wird.

Natürlich hat er in weiser Voraussicht, weil es sein Kind ja gut vorbereiten will, schon Wochen vorher betont, dass er jetzt bald laaaaaange weg ist und sie sich laaaange nicht sehen. Verständlich, dass Kind soll ja nicht überrascht werden und man sollte da auch nix beschönigen!

 

Zwuckel führte also einen verstärkten Kamp mit mir. In der schlimmen Woche steigerte sie sich von einem Problem ins nächste hinein. Jede Eskalation beginnt damit, dass sie etwas haben will. Wie ein Maschinengewehr will sie Dinge haben. Ich will ein Eis, ich will das du mir das kaufst, ich will was zutrinken, ich will ich will. Wann immer etwas nicht erfüllt wird weint sie nach ihrem Papa. Ich will zu meinem Papa, Papa kauft mir immer was, bei Papa darf ich das alles, Papa lässt mich fernsehen, du bist blöd, du bist ungerecht, ich gehe jetzt. Zusätzlich ist fast keine Handbewegung möglich, die sie nicht verweigert. Es zerrt an den Nerven bis da nichts mehr übrig ist. Langsam wird es besser, nach 2 Wochen Papapause.

 

Papa fände das innerlich zutiefst befriedigend. Er würde sich über die Maßen in sich selbst und seinem Tun bestätigt fühlen, denn er ist der besserer Elternteil. Er findet es „ganz normal, dass das Kind einen lieber hat.“ Natürlich ihn.

 

Was er da wirklich verursacht und was er seinem Kind da wirklich antut, wenn man auch nur das kleinste bisschen Verstand hat, das sieht er nicht.

 

——–

 

Außerdem führte ich ein Gespräch über meine Ehe und ich erzählte kurz von der Geldsituation nach der Geburt. Wer hier mitliest, weiß was ich meine, hier die Geschichte: http://apersonalreckoning.de/das-ding-mit-dem-geld/

 

Für alle, die es nicht lesen wollen: Mr. M. degradierte mich nach der Geburt quasi zu einem Kind, dass nach Geld fragen musste und sich rechtfertigen, wo denn das letzte Geld schon wieder sein.

 

Die Reaktion meines Gegenübers war entsetzt: „Er hat sich auch finanziell nicht um sie gekümmert? Hat er Ihnen denn keinen festen Betrag zur Verfügung gestellt? Das ist eine ganz existentielle Sache.“

 

Meine Reaktion darauf war irgendwie sehr gemischt.

Zum einen zieht sich bei mir alles zusammen, wenn man sagt, jemand müsse sich um mich „kümmern“ und mir Geld zur Verfügung stellen. Ich hasse es das zu hören.

Aber es ist ja eigentlich vollkommen richtig. Ich hatte ein Kind bekommen und ja, ich hatte einen Mann und der hätte sich um mich kümmern müssen. Man kümmert sich in einer Familie um die Frau und den Nachwuchs. Selbst um mich und ich weiß heute, mehr als damals, dass ich es gebraucht hätte, jemanden der sich kümmert.

 

Alleingelassen worden zu sein in einer Vollständigkeiten, die sich viele gar nicht vorstellen können, genau das werde ich diesem Mann nie verzeihen. Erst Recht nicht, da er nach wie vor in der Überzeugung lebt im Recht zu sein, sein Verhalten sogar noch vor Gericht rechtfertigt und als gut und richtig darstellt. Da ist Stolz, wo eigentlich nur Scham sein sollte.

 

—————————————–

 

Ich führt ein Gespräch mit einer anderen Mama aus dem Kiga. Eine Frau, die ich wahnsinnig nett und sympathisch finde. Sie hat zwei Kinder und einen Mann.

 

Mutti erzählte mir sie war bei Arzt und ihr Blutdruck (der untere Wert) sei etwas zu hoch. Sie habe Stress. Sie finde, ich sehe immer so gechillt aus! Da musste ich laut lachen aber den Witz verstand sie natürlich nicht. Sie erzählte mir auch noch, sie sei eben fast immer alleine mit den 2 Kindern auch am Wochenende und könne quasi nie weg um was für sich zu tun. Außerdem sei sie total krass perfektionistisch im Haushalt.

 

Phu, liebe Mutti mit Ehemann, ich kann dich schon verstehen. Auch du hast keine Zeit für dich selbst und bist im ewigen Dauerstress. Du arbeitest auch. Ich weiß, das. Umgekehrt merke ich aber, du hast gar keine Vorstellung von einem Leben, indem du wirklich alleine bist. Das muss sie vielleicht auch nicht und sie soll es auch nie erleben.

 

Den einzigen Rat den ich für sie hatte war, man muss ganz dringend lernen, die Dinge, die wirklich nicht nötig sind, sein zu lassen. Nein, ich mache keinen Nudelsalat für das Sommerfest, ich kann nicht mehr. Nein, bei mir Zuhause kann man nicht mit einem weißen Handschuh übers Regal streichen. Kann man schon aber der ist halt dann schmutzig. Wenigstens davon muss ich mich frei machen, sonst kannst du mich nächste Woche in die Klinik einliefern.

 

Dann erzählte sie mir noch ihr Mann sei krank zu Hause, er habe Fieber. Sie fährt ihn jetzt dann zum Arzt. Der Ehemann habe sich am Morgen auf das Sofa gelegt und sich seither nicht mehr bewegt.

Wenn wir krank sind, dann kümmern wir uns trotzdem um die Kinder. Wenn wir Fieber haben, dann stehen wir trotzdem auf und machen unseren Kindern Frühstück und ziehen sie an und bringen sie weg und holen sie ab und machen wieder Essen und, und, und. Wenn wir Kopfschmerzen haben, dann sind da trotzdem Kinder, die uns schütteln und auf uns herumspringen und keine Sekunde der Erholung erlauben. Wo ist denn da der Ehemann? Wo sind sie denn da, die Männer, die wenn sie selbst krank sind reglos auf dem Sofa liegen? Warum ist die Welt voll mit diesen Männern?

Wir lassen uns das gefallen, wir versuchen noch Witze darüber zu machen obwohl sie uns im Halse stecken bleiben und wir leben so weiter. Vielleicht lieben wir sie ja trotzdem und wir trösten uns, dass jeder Schwächen hat aber warum versagen diese Männer zwischenmenschlich so sehr?

 

Wisst ihr was ich mal zu Mr. M. sagte?

Ich sagte zu ihm: „Wenn dein Kumpel U. zwei Bierkästen schleppt. Dann wirst du ohne zu Zögern, sofort zu ihm sagen er solle dir einen geben. Du wirst ihm sofort einen abnehmen. Mir siehst du aber zu, wie ich unser Kind schleppe und die Tasche und den Einkauf und du tust nichts. Ich habe Schmerzen im Handgelenk und trotzdem nimmst du mir das Kind nicht ab.“

 

Wie immer tat er einsichtig. Sonst aber nichts.

 

 

 ———

 

 

 

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.