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Manche Menschen haben keine Ahnung. Doch davon im Überfluss. Teil III

Wieder so ein Tag an dem ich mich frage, ob Mr. M. eigentlich den größten Teil seines Lebens auf einem anderen Planeten verbringt oder ob er doch von sich denkt, so sehr über allen anderen zu stehen, dass die Worte der Mitmenschen es nicht Wert sind überhaupt sein Gehirn zu erreichen. Was auch immer es sein mag, wie schon so oft, stehe ich sprachlos vor so viel Ignoranz und Fehleinschätzung, dass mit ganz Schwarz wird vor Augen.

Die Unterhaltung begann damit, dass ich Mr. M. mitteilte, am 11. April sei Schulanmeldung.

Schon die erste Antwort reichte eigentlich: „Wo wollen wir sie anmelden?“

Wo? …. Wollen?…. Hä?…In 7 Wochen ist Schulanmeldung.

Ich schlage vor, wir buchen kurzfristig das Eliteinternat um die Ecke. Die warten schon seit Wochen nur auf deinen Anruf, die sitzen neben dem Telefon und trommeln mit den Fingern bis du endlich anrufst und dein Kind da anmeldest.

Vor zwei Wochen etwas hatten wir uns kurz mal unterhalten und er meinte plötzlich. Also ER habe sich überlegt, er könne die Kleine ja einfach bei sich anmelden und dann kann sie da auf die Schule gehen. Mal eben so, 3 Monate vor der Schulanmeldung haut er das so raus.

Dieser Vorschlag hat in meinen Augen diverse Fehler. Erstens habe ich meine Tochter schon vor Monaten im Hort angemeldet und zwar nicht nur online sondern ich habe persönlich telefoniert, bin dort hingegangen, habe meine Unterlagen abgegeben und mit der Leitung gesprochen etc.

Von diesem Platz hängt mein Beruf ab! Mr. M. glaubt, er kann jetzt mal eben kurzfristig die Schule ändern, mal eben so das Kind ummelden und dann hat sich das schon geregelt. Der glaubt das wirklich.

Zweitens, meine Tochter lebt bei mir und da ist sie auch gemeldet. Du tust nichts. Noch weniger als nichts und du wirst einen Teufel tun und die Kleine bei dir anmelden.

Drittens, ich kümmere mich täglich um den Tagesablauf, die Termine, das Hin und Her. Klar, dir fällt mal eben so ein sie soll in einem anderen Stadtviertel in die Schule gehen. Ich soll das managen. Nur labern und absolut nichts tun kannst du die verreiben.

Dieses Thema war also auf jeden Fall besprochen, mit dem Ergebnis: Nein, er meldet sie nicht mal eben um.

Abgesehen davon gibt es auch kein großes „wo wollen wir das Kind anmelden“. In der Sprengelschule. Wo man sein Kind eben anmeldet, als normaler Teilnehmer am Schulsystem. Mr. M. denkt ja von sich prinzipiell nicht als normaler Teilnehmer von Irgendwas. Für IHN, da läuft das natürlich anders.

Mir wurden also wieder diverse Fragen gestellt, in einer Art und Weise als seien sie vollkommen neu. Noch nie gehört und noch nie dagewesen. Wieder wurde gefragt, ob sie denn nicht „bei Ihm“ in die Schule gehen solle, so als sei dies noch nie besprochen worden. Es ging aber noch weiter mit totaler Ahnungslosigkeit.

Die nächste Frage war dann: „Hat sie eine Schule? Ist das eine Ganztagsschule?“

Okay, kurz nachgedacht. „Hat sie eine Schule?“ Soll ich ihm das nochmal erklären mit den Schulsprengeln? Ich habe keine Lust.

„Ist das eine Ganztagsschule?“ Selten so gelacht. Manchem mag die Frage gar nicht so doof vorkommen. Ich begründe nur ganz kurz. Städtische Ganztagschulen gibt es so gut wie nicht in München. Schon gar nicht so, wie man sich eine Ganztagschule vorstellt. Diejenigen, die dem Wort gerecht werden sind privat, teuer und eine lange morgendlich Autofahrt entfernt oder eben nur unpraktisch weit weg. „Ganztagschulen“ im Sinne des Wortes sind (fast) nicht vorhanden. Die Frage ist also einfach nur dämlich. Es gibt Betreuungsangebote in verschiedenen Varianten. Meist eine „Mittagsbetreuung“, die, wie der Name schon sagt, für Vollzeit Berufstätige nicht hilfreich ist oder es gibt einen „Hort“. Wer arbeitet, der braucht einen Hortplatz. Die lapidare Frage „Hat sie eine Ganztagsschule?“ empfinde ich einfach nur als Frechheit.

Die nächste Frage war dann: „Hat sie einen Hortplatz.“ Jetzt brennt mir aber endgültig die Sicherung durch! Das Thema Hortplatz ist der reine Alptraum. Auch aus diesem Grund machte mich wahrscheinlich schon die blöde Frage mit der Ganztagsschule so wütend. Wieder und wieder zeigt sich, dass Mr. M nicht zu übertreffen ist an kompletter Ignoranz. Er war doch dabei als ich versuchte eine Krippe zu finden. Er war doch dabei als ich versuchte einen Kindergarten zu finden. Zumindest hatte er die Augen offen! Wie oft habe ich durchgekaut und immer wieder durchlebt was hier los ist, wenn es um Betreuung geht. Wie oft wurde ihm erklärt, dass die Lage bei einem Hortplatz genauso schlimm ist? Sogar vor Gericht habe ich darüber gesprochen, dass ich bis April oder im Extremfall bin Juni/Juli nicht erfahre, ob ich einen Platz bekomme! Wieder bekomme ich diese unverschämte, dumme Frage von ihm gestellt. Immer mit den Gedanken, dass er nichts dazu tut.

Der Vater, der nicht mal weiß zu welchen Ärzten sein Kind geht, macht sich wichtig. Er wolle ja auch mitentscheiden bei der Schulfrage! Am Arsch! Es gibt keine Schulfrage! Es gibt nur die Frage bekomme ich eine Betreuung und kann weiter arbeiten gehen. Diese Frage ist an jeder Schule dieser Stadt gleich zu beantworten: Es hilft nur hoffen. Die Chancen sind nicht sehr groß. Zusätzlich hilft manchmal sich kümmern, hingehen, reden, laufen, persönlich sein.

Mal nur so fantasiert: Selbst wenn er das Geld hätte und unsere Tochter auf der privaten, katholischen Ganztagschule in der Innenstadt anmelden möchte. (Auch da hat übrigens keiner auf ihn gewartet. Wartelisten, Vorstellungsgespräche, Auswahlverfahren. OMG! Mr. M. kommt! Er will sein Kind anmelden! Macht das Tor auf!) ICH muss doch den Alltag jeden Tag alleine schmeißen. Ich kann das schon von der Entfernung gar nicht stemmen! Totaler, utopischer, gequirlter Scheißdreck.

Danke für nix außer erhöhtem Blutdruck, mal wieder!

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