Zum Inhalt springen

So viele andere Dinge

2013 und 2014 hatte ich es geschafft, mir mehrmals einen Magen-Darm-Virus einzufangen. Herzlichen Glückwunsch. Anscheinend musste ich in kurzer Zeit alles nachholen, was mir in meinen bis dato 35 Jahren nicht gelungen war.

Den besonders wundervollen Vorfall mit der Kotzerei habe ich schon erzähle. Nachts um 3 ging‘s los. Ich hing die ganze Nacht über der Schüssel und betete den Keramikgott an. Irgendwann in den frühen Morgenstunden hörte es auf und ich lag wie eine lebende Leiche auf dem Sofa im Arbeitszimmer. Irgendwann erhob sich Mr. M., der die ganze Nacht geschlafen hatte, und fragte mich Angesichts meines käseweißen Gesichts und dem Schweiß auf meiner Stirn, ob ich nun das Kind in die Krippe fahre oder ob ich meine Mutter dafür anrufen will.

Also, er meinte damit wohl, seine unbezahlte Angestellte, die selbstverständlich morgens um 5.30 Uhr auf seinen Anruf hin, sofort in die Kleider springt und sein Kind in die Krippe fährt. Klar, oder!?

Im November 2014 ging es wieder los. Am späten Nachmittag wurde mir plötzlich speiübel und ich fiel auf die Knie. Meine Mutter kam angedüst und passte auf Zwuckel auf, bis Mr. M. um 20.00 Uhr zu Hause war. Ich lag im Bett, das Baby schlief. Mr. M. fragte mich durch die Türe ob ich etwas brauche. Diese Frage stellte er mir immer. „Brauchst du was?“ Es war wie einstudiert, ohne echte Sorge oder Anteilnahme. Man fragt einen offensichtlich Kranken doch nicht dauern nur „Brauchst du was?“, man tut einfach was. Der Beweis dafür folgte auf dem Fuße: Mr. M. setzte sich vor seinen PC. Mit Kopfhörern!! Das Baby war mein Job. Auch mit Magen Darm kann man sich ums Kind kümmern, wenn es aufwacht, ne! Logisch! Hömma!

Auch an diesem Abend kam er übrigens nicht auf die Idee darüber zu sprechen, was am nächsten Morgen passieren würde. Er sagte nicht etwa einen Satz wie: „Ich bringe die Kleine dann morgen schnell in die Kita“ oder kam überhaupt auf die Idee darüber nachzudenken.  Am nächsten Morgen rührte er keinen Finger. Er lag im Bett und stöhnte vor sich hin. Erst dachte ich doch tatsächlich, er sei jetzt auch krank aber es stellte sich heraus, er hatte einfach zu viel getrunken beim abendlichen Zocken.

In die Kita bringen? Ne, er geht ins Büro…Ruf doch deine Mutter an. Bei der dritten Infektion kam ebenfalls meine Mutter. Als Mr. M. zurückkam, ging er ins Schlafzimmer und tat nur auf direkte Ansprache ein paar Handgriffe, da der gerufene Arzt etwas brauchte um die Infusion aufzuhängen und *Trommelwirbel* er zog mir danach die Nadel raus.

Ich muss mal zusammenfassen:

Mr. M. hielt es für vollkommen selbstverständlich in den frühen Morgenstunden meine Mutter zu rufen um das Kind in die Kita zu fahren.

Während ich mit Magen-Darm kämpfte, saß er mit Kopfhörern am PC , soff zu viel und sagte dann in der Früh er müsse zur Arbeit. Ich habe schon mal erwähnt, dass die Kita 10 Minuten mit dem Auto war und zwar auf der direkten Strecke zu seinem Kunden, oder?

Ich erinnere mich noch daran, dass ich mal morgens um 8 oder 9 schnell zum Zahnarzt musste, weil ich eine Füllung verloren hatte. Nicht einmal das deckte er ab. Ich musste meine Mutter anrufen, damit ich kurz mal zum Zahnarzt konnte in der Früh. Mr. M. war an diesem Tag auf 15.00 Uhr fest gebucht aber er ging einfach morgens ins leere Büro, um seine Ruhe haben.

Im ersten Jahr nach der Geburt, Zwuckel war schon bissl größer, kann ich mich erinnern, hatte ich Schmerzen in den Handgelenken. Wochenlang war ich in Behandlung und bekam Verbände. Auf einigen Fotos habe ich beide Handgelenke eingebunden. Sogar bis zum Rheumatologen wurde ich geschickt.  Das größte Problem dabei war: Wenn ich eine falsche Bewegung oder Belastung hatte, tat es unheimlich weh. Manchmal fast wie ein plötzlicher Stich.

Was impliziert das? Nun ja, heben und tragen tat mir weh. Die Kleine aus dem Bett heben oder aus der Wanne, besonders. Das Hochheben war schmerzhaft. Will jemand raten wieviel schweres Heben er mir abnahm, wenn er zugegen war?

Ein oder Zweimal habe ich ihn konkret darum gebeten, bitte unsere Tochter für mich aus der Wanne zu heben oder aus dem Bett. Die Verbände sollten außerdem nicht nass werden. Er tat es auf Ansage mit einer Fresse. Also habe ich nie mehr gefragt.

Jeden einzelnen Arzttermin machte ich alleine mit Zwuckel. Nicht eine einzige Impfung oder Vorsorgeuntersuchung oder Arztbesuch weil krank, ging ihn etwas an. Einmal habe ich ihn durch mehrmaliges Fragen dazu bewegt mitzukommen. Nie wieder. In den ersten Monaten musste ich auch mit der Kleinen zur Osteopathie. Einmal die Woche. Hat ihn auch nicht tangiert.

Vielleicht denken jetzt viele von euch, dass euer Mann auch nichts davon tut. Mag sein. Jedoch in Verbindung mit all den anderen Missachtungen und Desinteresse, blieb sehr bald nur Frustration und Ärger übrig.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.