Zum Inhalt springen

Tränen

Kurz vorbeugend für alle die versucht sind zu behaupten, ich würde hier also nur über mein Kind herziehen und sei ganz fies und böse. Nein, es liegen mindestens 5 Wochen zwischen den Ereignissen und ich schreibe einfach immer nur dann, wenn es zu viel wird. Natürlich gibt es auch gute Tage und Tage an denen alles ganz normal und schön ist. Meine Tochter ist ein sehr guter Kerl und ein lieber Mensch mit vielen guten Eigenschaften. Wer mich liest, der weiß auch, dass ich alles tue was es gibt und hart arbeite ihr zu helfen. Dennoch muss es auch legitim sein zu erzählten, dass es an die Substanz geht und dass es manchmal nicht mehr geht. DANN schreibe ich. Den Blog, mein Kind ist ein Engel und jede Minute eines jeden Tages sind ein einziges wunderbares Geschenk und das Leben ist immer nur schön, den müsst ihr woanders suchen. Danke allen, die trotzdem bleiben und mich auch in meinen schlechten tagen unterstützten *seid geknutscht*.

                                                             ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Vorletzte Woche war er im Briefkasten. Der Brief. Der Brief,
dass die Maus an der Förderschule angenommen wird.

Ich war so erleichtert, ich hätte heulen können. Ich habe so
große Hoffnungen, dass es dann endlich besser wird. Weniger Frust, weniger
Kampf, weniger Prellbock sein.

Ich habe euch ja schon mal von diesem einen epischen
Wutanfall berichtet, vor etwa 5 Wochen. Der Auslöser damals war, dass ich die Maus aus der Schule abholen musste wegen Kopfweh oder Bauchweh oder Irgend sowas.

Ihre Klassenlehrerin war wohl früher gegangen und Schnucki
hat die Gelegenheit genutzt und die uneingeweihte Vertretung sofort von ihrem Krankenstand überzeugt.

Die Regel ist: Wer sich von der Schule abholen lässt, der
ist krank und der bleibt dann auch zu Hause. Den „erlogenen“ freien Nachmittag nutzen wir nicht für extra lustige Unternehmungen oder Playdates oder so. Ich denke, das leuchtet ein.

Natürlich stand genau an diesem Tag das Nachbarskind vor der
Türe und auf mein „Nein“ hin brach das Übel los.

Das ist jetzt lange her und wir haben das auch besprochen
etc.

Das Nachbarskind im Übrigen hat auch regelmäßige
Anwandlungen und schaut mein Kind tagelang mit dem Arsch nicht an, will plötzlich nicht mehr mit ihr spielen und so. Anstrengend. So eine Ignorier-Woche war jetzt gerade und dann, am Mittwoch um 19.30 Uhr (hä?) steht sie wieder vor der Türe. Die klopft auch nicht nur einmal, sonder fünfmal!

Mein Kind war schon in Unterhose und halb auf dem Weg ins
Badezimmer zum langsamen einläuten des Betti-Gehens und wieder dreht sie in Sekunden komplett durch, weil ich natürlich sagte, dass sie jetzt nicht mehr in den Hof geht.

Die Maus wütete, schrie mich an sie gehe jetzt einfach, wollte sich anziehen und schmiss mit Lego nach mir.

Ich war in diesem Moment so fassungslos und so wütend, dass
mir das jetzt schon wieder passierte. Schon wieder, weil dieses Arschlochkind
(ja, sorry….) an der Türe stand. Es war ein ruhiger Abend, ich dachte wirklich,
heute wird ein guter Tag und dann klingelt es und ich werde Zeuge eines totalen Nervenzusammenbruchs. Verdammte Scheiße, verdammte! Wieder genau dasselbe!

Diese krassen Konfrontationen machen mich fertig. Ich wollte
am nächsten Tag nur noch heulen! Heulen, weil ich auch wieder falsch reagiert habe und wir einen Streit hatten. Heulen, weil ich das Gefühl habe, dass es seit Jahren keinen guten Tag gibt. (Stimmt natürlich nicht aber dennoch fühlt es sich manchmal so an).

Am nächsten Tag hing mir das Geschehene sehr nach, ich war
den Tränen nahe und als ich die Maus von der Schule abholte ging es – wie üblich- im Auto gleich wieder los. Sie stieg ein und forderte geschlagene 15 Minuten von mir, dass ich ihr Playmobil kaufe. Jetzt sofort. Sie wolle jetzt ein
Playmobil, ich solle anhalten, ich soll ihr jetzt was kaufen. Das ist ja ein
fast tägliches Muster. Den Frust mit irgendeiner Forderung ausdrücken. Es wird
am laufenden Band etwas gefordert. Pausenlos.

Das es da jemanden gibt, der Forderungen sofort nachkommt
und sämtliche „ich will“ Sätze erfüllt macht es natürlich nicht einfacher. „Ich
habe Durst“- OK, ich fahre schnell and die Tankstelle. „Ich will eine Breze“ –
Ok ich halte an. „Ich will Xyz“ – Ok, kauf ich dir. Ich tue das nicht und ich
muss es erleiden.

Danach musste ich was einkaufen und da ging es weiter. „Ich
will Wiener“, „ich will Salamibreze“ „ich will Dies und Das“.

Ja, im Supermarkt wollen alle Kinder alles mögliche aber ich hatte gerade vorher 15 Minuten Geschrei „ich will Playmobil“ und das spielt sich bei meiner Tochter täglich, manchmal im Minutentakt so ab.

Ich versuchte dann an der Kasse alles einzupacken und
natürlich nahm die Kleien sofort die Metzgertüte wieder aus der Tasche, riss
alles auf und wollte sofort ihre Salami. Scheiß egal ob der Schinken fast auf
den Boden fiel, ob ich gerade noch versuchte einzupacken oder zu zahlen. Alles egal. Alles einfach kurz und klein gerissen nur um die Salami sofort in den Mund zu stopfen.

Manchmal ertrage ich ihn nicht mehr, diesen enormen Druck den sie aufbaut auf der Suche nach permanenter, sofortiger Bedürfnisbefriedigung.

Nach der Supermarktkasse fing ich dann an zu weinen.

2 Kommentare

  1. Arela

    Liebe Lilli,

    ich habe deinen Blog aus Zufall gefunden und lese manchmal mit. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Energie zum Aushalten. Dass du solchr Forderungssituationen besser abfedern kannst, wenn du selbst emotional gefestigt bist, weisst du wahrscheinlich selbst am Besten. Dass deine Maus mit den Forderungen den inneren Druck abbauen muss, auch. Mein Kind hatte auch solche Forderungsphasen, als es jünger war, da wurde sich blitzschnell in irgendeine utopische Forderung hineingesteigert und die wurde verteidigt bis zum Geht nicht mehr. Ich habe das in solchen Situationen nicht erfüllt, mich ruhig zu meinem Kind gesetzt und gesagt „Ja, das verstehe ich total, dass XYZ jetzt echt schön für dich wäre. Vielleicht noch XYZ dazu….?“
    So haben wir meist über die Forderungsausgangslage ein Riesenszenario aufgebaut, du willst Gummibärchen? Vielleicht noch eine Fanta und ein Rieseneis und dann mindestens 10 Riegel Schokolade..
    Mein Kind hat es in der Regel amüsiert, immer weiter so grössere Utopien aufzubauen und es wurde ein richtiges Wortspiel und am Ende war die Ausgangsforderung vergessen, weil es um die nicht ging, sondern nur um ein inneres Ventil, das wir beim Quatschen gut auslasten konnten.
    Ob dir und deiner Maus das was bringt, weiss ich natürlich nicht, aber ich wollte dir trotzdem meine Erfahrung mitgeben.
    Ich wünsche dir eine gute Zeit, trotz allem oder auch eben deswegen.

    • Lilli Engelmann

      Liebe Arela,
      danke für deinen lieben Kommentar. Ich weiß, dass es natürlich leichter auszuhalten wäre, wenn man nicht dauer übermüdet, überlastet und gestresst wäre. An vielen Tagen kommt das erschwerend hinzu und ich bin selbst so sehr am Limit , dass es schwierig ist am Ende des Tages der Prellbock zu sein und dabei zu lächeln. Es gelingt mir oft aber eben nicht immer. Ich werde deinen Vorschlag einfach mal testen, wenn ich durchdringe. Sehr oft komme ich überhaupt nicht ran und es macht anscheinend keinen Sinn etwas zu sagen, ich habe da natürlich schon einige Varianten getestet aber, wer weiß!
      Vielen Dank, ich freue mich immer sehr über nette Kommentare. Einen schönen Tag wünsche ich dir!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.