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Unbeschreibliches Glück gehabt, und es nicht einmal begriffen

Irgendwann kommt der Tag an dem du mit den Injektionen fertig bist und dein Körper dadurch jede Menge Eizellen produziert hat. Die müssen entnommen werden. Unter Narkose. Ein paar Tage später werden die befruchteten Eizellen wieder eingesetzt. Diesmal keine Narkose und dann, ja dann kannst du nur warten und hoffen, dass dein Körper beschließt von nun an schwanger zu sein. Wenn man mal fix googelt, dann erfährt man, dass nur 15-20% der Frauen dann auch schwanger werden.

Aus diesem Grund lassen sich die meisten Frauen auch mindestens zwei Eizellen einsetzt um die Chancen ein wenig zu steigern.

Ich denke man kann getrost sagen, es ist alles andere als sicher überhaupt so schwanger zu werden und viele Frauen müssen es mehrmals versuchen und einige schaffen es trotzdem nie. Möglicherweise lag es also daran, dass mein Arzt kurz schluckte als ich ihm eröffnete, ich wolle auf jeden Fall nur eine Eizelle eingesetzt bekommen. Er fragt ein paar Mal nach ob ich da sicher sei. Eine ganz feste innere Überzeugung sagte mir, dass ich auf keinen Fall Zwillinge möchte. Lieber wollte ich nicht schwanger sein als zwei Kinder auf einmal zu bekommen. Im Nachhinein betrachtet kann ich dieser inneren Stimme nur auf Knien danken.

Wie ihr bereits erraten habt, ich wurde sofort schwanger. Eine Eizelle, ein Versuch, eine Schwangerschaft. Ich hoffe man bezichtigt mich nicht der Übertreibung, wenn ich sage: Das gleicht einem Lottogewinn. Herr M. war insgesamt recht zufrieden, so möchte ich es mal beschreiben. Ich habe wirklich keinen Freudentanz oder Jubelschreie erwartet, nein aber ich glaube bis heute, dass er nicht verstanden hat was uns da geschenkt wurde und das nur wenige Menschen so großes Glück haben. Über einen Lottogewinn andererseits hätte er sich natürlich gebührend gefreut.

Im dritten Monat ging meine Mutter mit mir zum Wellness. Schön war’s! Ein bisschen Entspannung und Ruhe – so war der Plan.

Als ich von meinem Liegestuhl aufstand war mein weißer Bademantel komplett voller Blut. Ohne Vorwarnung hatte ich angefangen sehr stark zu bluten. Da lag ih nun auf dem Boden im Wellnessbereich und wartete auf den Notarzt. Ich war mir ganz sicher, dass mein Baby mich verlassen hatte. Eine Woche musste ich im Krankenhaus liegen und durfte allerhöchstens mal aufs Klo gehen. Herr M. kam kurz zu Besuch und machte nicht viel Worte. Er kümmerte sich um den Versicherungskram und sah zu, dass er schnell wieder weg war. Er mag ja keine Krankenhäuser und natürlich ging es in dieser Situation vornehmlich um seine Befindlichkeiten. Ich kann mich heute nicht mal mehr erinnern wie oft er kurz da war. Er hat mich auch nicht abgeholt und nach Hause gefahren, das hat meine Mutter getan. Ich war also schwanger und lag eine Woche blutend im Krankenhaus im Grunde unbeachtet vom Vater meines Kindes, auf jeden Fall nicht besonders fürsorglich behandelt.

Das war das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass meine kleine Tochter sich bei mir festhielt. Sie krallte sich bei mir ein und weigerte sich von der ersten Sekunde an, mich wieder zu verlassen.

Es stimmt mich traurig, dass ihr Vater nicht erkennen konnte wie viel Glück im Leben ihm geschenkt wurde.

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