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„Ungleiche Schüsseln machen schiele Augen.“

Wisst ihr, in meinem Job muss ich momentan Locations suchen für Filmaufnahmen. Das bedeutet, ich bekomme dauernd Fotos gesendet von Häusern in der Stadt. Meistens von Familien. Ich sehe dauernd Fotos von tollen Einfamilienhäusern, mitten in München, mit Garten und Pool und Kinderzimmern, viele davon in top Lagen und das fällt mir oft sehr schwer anzuschauen.

Ich war eingeladen zu einer Hochzeitsfeier in meiner Familie. Meine Tante hat geheiratet. Ihren Lebensgefährten, mit dem sie schon sehr lange zusammen ist. Sie hat ihn gefunden, nach der Trennung von ihrem ersten Mann, der sie und ihre zwei Söhne für eine andere verließ. Auf Ihrer ersten Hochzeit habe ich mit 3 Jahren Blumen gestreut. Ich wusste natürlich immer schon, dass der neuen Mann sehr viel Geld hat und irgendwo viel, viel weiter oben mitspielt. Jetzt stand ich in Ihrem wunderschönen Haus mit wunderschönem Garten und Saunahäuschen und sie zeigte mir das Exposée ihres neuen, gigantischen Zweithauses vor den Toren Münchens und ich bin ein bisschen traurig. Ich freue mich für sie und ich habe meine Tante sehr lieb. Trotzdem kann ich die Gedanken nicht verhindern. Die Gedanken, wo ich mich befinde im Leben und dass ich mit meiner zwei Hände Arbeit niemals, niemals in einem Haus mit einem Garten leben werde.

Ich muss hier in diesem schönen Garten auch wieder an meinen Vater denken, der ebenfalls viel Geld hat und trotzdem lebe ich mit meinem Kind in einer 2,5 Zimmer Wohnung im Problemviertel. Mein Vater, der mir aus Ibiza schreibt, ich könne doch zum Sozialamt gehen.

Ist es einfach nur so viel schlimmer, weil man einen direkten Vergleich hat? Weil eben, wenn man die Menschen mit so viel Geld nur im Fernsehen sieht, es einem nicht so deutlich klar wird wie das so ist, wenn man so leben könnte?

Wenn man plötzlich die Halle voller Autos und Motorräder, die nur einem Menschen gehören, ganz real sieht, nicht nur theoretisch im Fernsehen, merkt man dann plötzlich umso mehr wo man rumkrebst? Eine gescheiterte Lebensplanung später und nur noch, das was man sich alleine, in einer Stadt wie München gerade noch so leisten kann – und das ist nicht viel.

Wahrscheinlich wäre es egal, würde man nicht plötzlich drin sitzen im wunderschönen Haus mit dem wunderschönen Garten.

Ist das irgendwie nur dämlich von mir, überhaupt sowas zu denken? Der Mann hat nun mal viel Geld gemacht in seinem Leben. Vermutlich hatte er Menschen, die ihm den Rücken frei hielten. Ich weiß es nicht aber mein Gefühl sagt mir, er hat nicht gigantisch Karriere gemacht und seine drei Kinder selbst, also eigenhändig jeden Tag versorgt und groß gezogen. Sich täglich um deren Belange noch nebenbei gekümmert.

Ist es einfach nur dumm von mir, dass mich der Wohlstand anderer manchmal traurig macht?

Das Gefühl, das man bekommt, wenn man durch Straßen spaziert, wo nur Einfamilienhäuser stehen mit Garten. Da werde ich wehmütig. Ja, ich weiß: „Unter jedem Dach ein Ach.“ Trotzdem, Wehmut.

Das geht sicher auch wieder vorbei!

Ich freue mich für meine Tante! Nachdem ihr Arschloch von Ehemann sie betrogen und verlassen hat, geht es ihr jetzt auf jeden Fall richtig gut! Herzlichen Glückwunsch Frau P.

​Wahrscheinlich ist das alles total dämlich und ihr vergesst es einfach wieder.

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