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Wartezimmer Blues

Ein Besuch beim Frauenarzt ist für mich immer wieder eine emotionale Angelegenheit. Warum? Weil das ganze Wartezimmer voll ist mit Schwangeren. Oft sitzen daneben dann auch noch die Männer dazu. Ich kann einfach nicht verhindern, dass ich traurig werde. 7 Jahre ist es schon her, da saß ich hier und war schwanger. Da dachte ich noch, eine schöne Zeit liege vor mir. Da hatte ich ein Baby im Bauch und dacht ich habe bald eine Familie.

Außerdem führt es mir schmerzlich vor Augen, dass meine Zeit als Schwangere vorbei ist. Ich werde das nie mehr haben. Der Weg liegt nicht mehr vor mir und mir wurde zu spät klar, dass ich mit dem ersten Kind vielleicht zu lange gewartet habe. Zu lange um zu erkennen, dass ich mit diesem Mann kein weiteres Kind bekommen kann und keine Zeit mehr bleibt für eine zweite Chance.

Schon der Weg zu meiner Ärztin macht mich melancholisch, denn in derselben Straße liegt die ehemalige Kinderkrippe meiner Tochter. Da war sie noch ein kleiner Zwerg, als ich sie dorthin brachte. In dieser Zeit war schon längst klar, dass ich alleine war in meiner Elternschaft, dass Mr. M. sein Kind niemals morgens abliefert und niemals abholt. Nicht mal, wenn ich die ganze Nacht gekotzt habe (Ja, ja, immer fair bleiben. Sicher hat er das 2 Mal gemacht oder so, wenn ich ganz oft gebeten habe). Es war schon klar, dass er zu keinem Elterntermin gehen würde, dass er sich nie um das kranke Kind kümmert oder mich unterstützt, wenn ich krank bin. Dass er niemals mit seinem Kind etwas unternehmen würde, einfach um mir mal Luft zu verschaffen oder jemals morgens aufstehen, um beizutragen.

Ich wusste schon, dass es da keine Zukunft gibt aber ich hatte es noch nicht gänzlich aufgegeben.

Ihr wisst ja vielleicht schon, dass ich seit kurzer Zeit wieder einen boyfriend habe – wie meine Kollegin sich ausdrückte. Er hat drei Kinder und natürlich spricht man über die Vergangenheit. Natürlich sagte er, es gab schöne Zeiten bei ihm als Familie.

Ich kann das von mir nicht behaupten. Nein. Ich hatte eine schöne Zeit mit meinem Baby. Eine schöne Zeit mit meiner Tochter aber ich hatte keine schöne Zeit als Familie. Ich hatte jemanden, der in derselben Wohnung wohnte und später gegen mich arbeitete. Mehr nicht.

Das war auch keine Entwicklung, das war von Anfang an so. Ich fühlte mich bereits auf der Babyintensivstation allein gelassen und das Gefühl ging nie mehr weg. Nein, eigentlich war ich schon im 3. Monat mit Blutungen im Krankenhaus allein. Nicht wortwörtlich. Meine Mutter war da aber mein Mann schaute nur kurz mal rein und war dann wieder weg.

Das alles geht mir durch den Kopf, wenn ich all die schwangeren Muttis sehe.

Aktuell bin ich immer noch jeden Tag dankbar, dass Töchterchen ihre Schule hat. Trotzdem gibt es Zeiten, in denen ich gefühlt pausenlos mit einem kleinen Stierchen ringe und es kostet mich immer noch jede Menge Nerven es auszuhalten.

An der Situation, dass Mr. M. nichts tut, was irgendwie hilfreich wäre hat sich natürlich nichts geändert. Es sind immer rund immer die gleichen Verhaltensweisen, die alles untergraben was ich jemals tue und die mir das Leben schwer machen. Das wird sich aber auch nie mehr ändern.

Wenn er mit Töchterchen bei seinen Eltern war, dann wurde meinem Kind wieder genau erklärt, warum ich daran schuld bin, dass sie mache Dinge nicht bekommt.

Ich muss jeden Tag im Minutentakt darüber diskutieren ob sie jetzt fernsehen darf, ob sie das I Pad bekommt, ob sie auf dem I Pod spielen darf. Ja, das ist normal aber die Intensität ist von einer solchen Ausdauer, dass es mich einfach zermürbt. Warum? Weil es andere Menschen gibt, da geht zum Frühstück der Fernseher an und bliebt an. Da. Liegt das Kindertablet und das I Phone und das I Pad allzeit bereit. Ist doch klar, dass ich das Arschloch in diesem Spiel bin.

Es gibt eben einen Lebensbereich des Kindes, da wird niemals nein gesagt. Nie. Da muss sie das Töchterchen nur „Bitte, bitte“ sagen und alles passiert. Das ist zu ihrem Schaden und zu meinem. Gewinnen tut nur der Vater, denn er hat keinen Ärger.

Töchterchen wir am Sonntagabend mit restlos fettigen Haaren zu mir gebracht. Auf meine Nachfrage was das soll wird erklärt, ja sie saß also ganz lange in der Wanne und ist dann einfach raus gestiegen. Dann hat man die Haare eben nicht mehr gewaschen. Wer hat wohl am Sonntagabend eine monumentale Auseinandersetzung, weil man Haare waschen muss? Joa. Nicht der Vater.

Wer sagt mir, ganz selbstverständlich, also er habe die Brille des Kindes das ganze Wochenende nicht aus dem Etui genommen? Ja klar, warum sollte seine Tochter auch die Brille bei ihm tragen? Geht ja nur um ihre Augen.

Mr. M. erklärt mir, der Husten von Töchterchen würde sich verschlimmern.

„Bitte kauf ihr doch einen Hustensaft.“

Am Abend dann: Hustensaft? Nein, habe ich nicht gekauft.

So geht das halt weiter. Endlos.

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