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Wie untergrabe ich meine Frau

Wenn das Kind älter wird, sieht man sich neuen Aufgaben gegenüber und irgendwann ist es Zeit ein paar Regeln aufzustellen und du versuchst deinem Kind die Dinge mitzugeben, die dir im Leben wichtig sind. Ich versuche mal eine Liste der Dinge zu machen, die mir wichtig sind und Mr. M nutze sein Dasein als Vater mit Leidenschaft und großer Konsequenz dazu, mich darin zu untergraben.

Hier also eine unstrukturierte Liste von Themen, die mir gerade einfallen:

  • Ich wollte sehr gerne versuchen den Konsumwahnsinn im Kinderzimmer in Grenzen zu halten

Die Eltern, die sich in unserem Level bewegen (wie formuliert man das korrekt?) oder vielleicht sage ich einfach: In meinem Dunstkreis, wir tendieren dazu unseren Kindern (fast) alles zu kaufen. Die Kinderzimmer quellen über mit Spielsachen. Wir kaufen Dinge, weil die Kinder sie haben wollen und wir kaufen Dinge, weil wir sie toll finden oder süß oder was auch immer. Bitte, ich nehme mich da nicht aus! Es ist alles zu viel, zu schnell erworben, zu einfach alles hinterhergeschmissen. Ich versuchte und versuche heute noch, das irgendwie einzudämmen, auch in der ganzen Familie! Würde jeder mit einem Geschenk ankommen, müsste ich bald anbauen! Ich möchte signalisieren, dass man nicht alles haben kann, dass man nicht alles kaufen kann was man sieht, wir haben genug und mehr als das und manchmal ist es auch gut zufrieden zu sein. Was tat Mr. M.? Natürlich genau das Gegenteil und jetzt, als toller Wochenendpapa ist es noch schlimmer. Er kaufte immer alles. Was immer die Kleine sah wurde gekauft. Immer wenn ich ihn fragte, warum er dies oder jenes wieder gekauft habe war die Antwort: „Sie wollte es haben.“ Er kaufte und kaufte. Ein Stofftier nach dem anderen und, und, und.

Ein für mich besonders bezeichnendes Beispiel war: Meine Oma und mein Onkel kauften der Kleinen eine Fahrrad mit Stützen. Jedoch, es war einfach noch zu groß. Der Wurm bekam die Pedale noch gar nicht gewuchtet. Also beschloss meine Oma, die Uroma von Zwuckel, ein Laufrad zu spendieren. Ich darf erwähnen, dass dies für eine 90-Jährige mit schmaler Rente ein großes Geschenk ist. Ist jedem fremden Leser klar, wenn ich es sage, ne? Zu Hause erzählte ich die ganze Geschichte Mr. M. Natürlich präsentierte die Maus ihr tolles neues Laufrad. Das Stützrad wartete noch bei Oma im Keller. Eine Woche später ging er mit seiner Tochter einkaufen und als sie heim kamen saß die Kleine auf einem neuen, mega kitschigen  Minnie Maus Stützrad!! Das zweite jetzt. Das dritte Rad in 2 Wochen!!! Ich dachte, ich seh‘ schlecht! „Sie wollte es haben!“Hä????

  • Vor dem Essen wird nix mehr gegessen, schon gar nix Süßes. (Kommt euch sicher alles irgendwie bekannt vor, wetten?)

Ich weiß nicht, wie das bei euch war aber für mich ist das eine ganz klare, generationenübergreifende Selbstverständlichkeit. Man kann es einem Kind absolut zumuten jetzt mal eben zu warten, bis es Essen gibt, das ja jemand zubereitet hat. Darum sollte man es dann auch nach Möglichkeit wertschätzen. Ganz, ganz sicher aber gibt es vorher schon mal nix Süßes!

Mr. M. hat davon anscheinend sein Leben lang noch nie etwas gehört. Ich rate jetzt mal, seine Eltern stopften ihm sicher, während Mama am Herd stand, noch ‘nen Schokoriegel rein und fragten freundlich ob er nicht noch einen haben wolle.

Es interessierte ihn also auch überhaupt nicht, dass ich nicht wollte, dass Zwergi vor dem Essen was bekommt. Ich machte gerade schon das Essen, da schrie Zwergi nach Schoki oder irgendwas anderem. Mr. M. ging los und gab es ihr. Nein. Das war kein Einzelfall.

  • Ich möchte gerne die Berieselung von allen Seiten in Grenzen halten

Über diesen endlosen Kampf habe ich ja bereits berichtet. Das krasse war ja, das er wirklich so weit ging zu meiner kleinen Tochter zu sagen: „Mama will nicht, dass wir Fernsehen.“ Als der Zwuckel dann anfing solche Dinge zu wiederholen: „Die Mama erlaubt das nicht“, da hätte ich fast einen Tobsuchtsanfall bekommen. Der machte mich in meiner Anwesenheit zur bösen Mama, direkt mir ins Gesicht.

  • Ich möchte gerne die Süßigkeitenzufuhr gering halten

Mr. M hatte die Angewohnheit -immer schon- Tonnen von Süßigkeiten anzuschleppen, wenn er einkaufen ging.

Wenn er den Kühlschrank damit gefüllt hatte, dann ging er etwas alle 20 Minuten hin und aß etwas davon. Ich hatte ihn irgendwann mal gefragt ob er überhaupt merkte, was er da tat. Wenn man erwachsen und alleine ist, dann kann man ja gerne daran arbeiten einen stetigen Level an Zucker und Kalorien zu halten, wenn man das gerne möchte. Möglicherweise aber ist den meisten Leuten bewusst, dass das nicht gesund ist, also theoretisch bewusst zumindest. Kann mich auch irren. Vielleicht irre ich mich ebenfalls in der Annahme, dass die meisten von uns den Plan verfolgen, ihr Kind gesund zu ernähren und ihm auch beizubringen was das bedeutet.  Kann ich mich auch irren.

Nein, nein, ich bin absolut kein Ernährungsnazi und schon gar nicht lebe ich zuckerfrei und ich ernähre mein Kind auch nicht von Grünkernkeimen. Ich habe Süßigkeiten im Haus und die Kleine bekommt auch welche.  Ich denke, man kann sich lebhaft vorstellen was passiert, wenn das Kind alt genug wird um zu bemerken, dass Papa sich alle paar Minuten die Schoki reinstopft? Jaaa…genau! Sie will auch was! Bingo! Meint ihr wohl, er hat es ihr gegeben? Aber natüüüürlich! Hier ein Stück, und noch ein Stück und da ein Stück und später auch noch eins. Selbstverständlich spielte ich wieder das Arschloch uns sagte nach dem dritten oder vierten Stück, er möge jetzt bitte aufhören. Es reiche. Seine Lösung für das Arschlochproblem war a) mich ignorieren b) es ihr heimlich geben oder c) einfach lügen, er habe ihr doch gar nix gegeben. Mr. M. alternierte zwischen diesen Möglichkeiten.

  • Ein „Nein“ ist ein „Nein“ und eine Konsequenz ist eine Konsequenz

Das Wort „NEIN“ existierte nicht in seinem Vokabular. Sein „Nein“ ist immer ein entschiedenes „Vielleicht.“ Mausi will Fernsehen. Mr. M. sagt „Nein“ mit einem Seitenblick zu mir, der signalisiert, dass er nur „nein“ sagt, weil ich da bin, wenn es nach ihm ginge wäre es kein Problem. Die Kleine sagte einfach: „Bitte, bitte,“ und dann nochmal: „Bitte, bitte, bitte“ und schon kam die Antwort: „Na guuut,“ und Zapp war der Fernseher an. Diese Situation lässt sich vielfältig auf alles Mögliche anwenden Wenn ich mit der Kleinen schimpfte z.B. weil sie nach mit trat, dann mischte er sich ein und tröstete sie. Ließ mich also wieder als Trottel dastehen. Wenn ich ihr sagte, sie soll in ihrem Zimmer bleiben holte er sie raus oder wenn ich ihr im Auto ins Gewissen redete (ich weiß nicht mehr was los war) streichelte er sie heimlich von hinten um zu signalisieren: „Da schimpft aber nur die Mama.“

  • Lebensmittel haben einen Wert

Ja, Essen war auch ein großes Thema auch abseits der dauer-Zucker-Kur. Dafür werde ich wohl ein neues Kapitel eröffnen.

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