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Wir haben doch gar nicht ferngesehen….!

Vielleicht habe ich es schon erwähnt, Mr. M. verbrachte den größten Teil seiner freien Zeit vor dem PC mit WOW spielen.

Ich gebe es gerne zu: Ich habe selbst jahrelang WOW gezockt. Mit Mr. M. zusammen saß ich Stunde um Stunde vor dem Spiel. Wer es vielleicht selbst kennt, weiß wovon ich rede, für die andere sei nur gesagt: Es frisst jede Menge Zeit. Schon als ich schwanger war habe ich das Spiel sehr reduziert weil mir bewusst war, wenn das Baby da ist dann geht es so nicht weiter. Na ja, es geht schon aber das ist nicht meine Vorstellung von Familienleben und besonders verantwortungsvoll finde ich es auch nicht den größten Teil des Tages vor dem Bildschirm zu verbringen.

Als die Kleine geboren war, hatte ich bereits fast vollkommen aufgehört. Ich erinnere mich durchaus, dass ich noch ab und zu ein Stündchen spielte mit meinem winzig kleinen Frühgeborenen schlafend auf der Brust aber auch das hörte bald auf, ich war viel zu beschäftigt und fokussiert auf das Baby. Was ich allerdings weiterhin spielte war Farmville. Da muss man keine 5 Stunden am Stück raiden und kann nach 30 Minuten einfach aus machen, oder auch nach 5 Minuten.

Warum erzähle ich euch von meinem Farmville Spiel? Tja, Mr. M. hörte nicht auf, er verbrachte jede freie Minute zu Hause und im Büro vor dem PC, er spielte am Wochenende und fing an mit der Kleinen auf dem Schoß zu spielen wenn sie seine Aufmerksamkeit forderte. So lange sie wirklich noch sehr klein war sah ich kein großes Problem darin.

Das Problem begann massiv als sie älter wurde. Wie ein Papagei sagte ich es jeden Tag: Lass sie nicht auf deinem Schoß sitzen und dieses Spiel ansehen! Ihr kommt in 1oo Jahren nicht drauf was seine Lösung war! Er begann damit, ihr auf YouTube Kindersendungen auf dem linken Bildschirm vorzuspielen, während er auf dem rechten Bildschirm weiter spielte!!!!

Damit züchtete er mehr als nur ein Problem:

Er begann damit sie schon sehr, sehr früh (sie war noch nicht mal 1 Jahr) sie mit Fernsehen anzufixen und ich hatte eine neue Aufgabe als Papagei, denn er machte einfach nicht mehr aus. Niemals machte er von selbst aus. Jedes Mal musste ich nach einiger Zeit sagen er solle jetzt endlich wieder ausmachen, sonst hätte er sie einfach fernsehen lassen. Natürlich forderte das Kind auch andauernd ein, etwas ansehen zu dürfen. Eine Zeit lang verband sie mit dem Word Papa direkt das Wort „Bummi Bär“, also Fernsehen. Diese Ruhigstellungstaktik verhinderte natürlich noch lange nicht, dass die Kleine seinen Bildschirm sah! Sie konnte die ganze Zeit diese alptraumhaften Figuren sehen. Als zunehmend deutlich wurde, dass die Kleine das bewusst wahrnahm habe ich darauf bestanden, dass er dieses Spiel ausmacht in ihrer Gegenwart. Absolut beenden. Ausmachen wenn sie im Zimmer ist. Mr. M., ein erwachsener Mann mit 39 Jahren, versicherte mir er verstehe das und mache aus wenn seine Tochter im Zimmer sei. Sobald ich meinen Arsch aus dem Zimmer hatte machte er den Bildschirm wieder an!!!!! Er dacht ernsthaft, ich merke das nicht!? Wie ein 5 jähriger Junge!!!!!

Eine Nummer schlug dem Fass aber dann den Boden aus:

Ich bat Mr. M. eines Abends darum kurz seine Tochter zu nehmen, denn ich würde gerne baden ohne ein kleines Kind, das sich am Rand der Wanne festklammert und in meinem Wasser rührt. Ich bat ihn wortwörtlich darum sie aber nicht in dieser Zeit vor den Fernseher zu setzten. Er sah mir ins Gesicht und bestätigte mir, dies verstanden zu haben. Kaum hatte ich meinen Hintern in der Wanne hörte ich wieder YouTube laufen – extra leise, in der Hoffnung ich würde es nicht mitkriegen. Ich war so wütend ich hätte im Strahl kotzen können.

Als ich wieder draußen war fragte ich ihn warum er das getan habe, ich habe ihn doch extra gebeten nicht mit ihr fernzusehen. Er antwortete mit einem scheiß unverschämten Grinsen:“ Wir haben doch gar nicht fern gesehen.“

Mr. M. argumentierte dann gerne auch immer wieder, dass ich ja auch schon mal spielen würde mit meiner Tochter auf dem Schoß.  Ja, ich habe Farmville gespielt und sie derweilen auf dem Schoß gehalten. Meistens hat sie dann gemalt oder mit irgendwas gespielt in der Zeit.

Der maßgebliche Unterschied dabei war: Die Kleine hat niemals danach gefragt oder gebettelt, dass ich ihr die Tomaten nochmal zeige. Während sie aber permanenten den TV/Lap Top einforderte. Sie wollte dauernd etwas gucken. Andauernd und jeden Tag. Was mich in die Position brachte dauernd zu sagen, dass jetzt nichts angeschaut wird. Sie reagierte auf Mr. M. mit dem pawlowschen Reflex nach dem TV zu fragen. Die Kühe und Tomaten auf meinem Bildschirm interessierten sie nicht im Geringsten und lösten auch kein Suchtverhalten aus.

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