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Womansplaining für Alleinerziehende

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich letztes Jahr eine kurze Therapie gemacht habe, weil mal wieder ein paar Panikattacken versucht haben durchzubrechen. Wie ihr wisst, ist auch meine Tochter bei einer Therapeutin, die ihr wirklich sehr gut tut und mir auch. Die Therapeutin meiner Tochter, die ich wirklich okay finde und mit der ich gut klar komme, bestärkt mich ja nun dauern mir wieder jemanden zu suchen: „Sie brauchen jemanden an Ihrer Seite.“ Ja, da mag sie Recht haben. Wer von euch schon mal versucht hat einen Therapeuten zu finden, der weiß, dass dies ein sehr nervenaufreibendes Unterfangen sein kann. Da braucht man Geduld. Entweder haben sie keine Termine in den nächsten 15 Jahren frei oder sie arbeiten nur Dienstag bis Donnerstag 10.00 bis 15.00 Uhr an geraden Tagen  oder sie sind einfach dermaßen bescheuert, dass du da nicht hin willst. So sucht man sich also dumm und dämlich und wenn man Glück hat, ergattert man ein paar Termine für ein Erstgespräch.

Ich hatte ein Erstgespräch bei einer Therapeutin, die ich echt gut fand. Eine ganz normale, offene, nette Frau, etwa in meinem Alter. Dann ging‘s aber los: 8.00 Uhr Termine gibt es nicht. Frühestens 9.00 Uhr. Am Freitag arbeitet sie nicht. Der letzte Einzeltermin ist um 17.00 Uhr. Die 16.00 und 17.00 Uhr Termine sind aber auf ganz lange Sicht voll. Öhm ja dann…wird das wohl nix werden. Also ich gönne es ja jedem, der sich das so einteilen kann, leider hilft mir das nicht weiter.

Heute hatte ich ein Erstgespräch der ganz besonderen Art. Eine Frau, ich schätze mal so in der 60ern. Sie arbeitet von zu Hause, die Praxis war unterm Dach. Von Style her würde ich sagen, sehr Eso – was per se nix schlechtes ist, bitte, ich neige selbst bißl zum Althippie- aber einen touch zu sehr auf der Müsliseite, wenn ihr versteht was ich meine.

Als erstes sollte ich gleich mal die Schuhe ausziehen. Pffff… ich hasse es, wenn ich im Sommer barfuß in meinen Pumps bin und dann soll ich ohne Vorwarnung die Schuhe ausziehen. Da standen auch zwei Paar Hausschlappen, die man gerne hätte anziehen dürfen. Ich entschied mich dann aber doch, die Besucherschlappen nicht an die nackten Füße zu ziehen. Nix für ungut aber ich steh nicht auf Schuhe teilen mit einer, nicht näher zu bestimmenden Anzahl, von Personen. Gut, dann also barfuß durch die Bude und unters Dach. Es war ganz gemütlich da oben, auch hier war der Esotouch nicht zu verkennen aber ich steh ja eigentlich auf sowas. Die Buchrücken auf dem Tisch, ließen mich aber dann doch ein wenig zweifeln, wo ich jetzt gelandet war. Bei der Kraft der Kristalle, da bin ich nicht dabei, Kinder! Bei aller Liebe.

Es ging dann also los und, wie sollte es auch anders sein, ging‘s nur um Spüren, sich spüren, den Bauch spüren, die Füße spüren, alles spüren. Okay, hab ich auch nix dagegen und es macht ja schon auch vieles Sinn. Ich bin ja nun auch nicht total bekloppt und mir ist die Bedeutung von Achtsamkeit durchaus bewusst. Heißt nicht, dass ich es bisher geschafft habe sie zu leben, heißt aber auch nicht, dass ich blind, taub und abgestumpft durch meine Tage stolpere.

Okay, na ja, kann ich noch mit Leben. Dann aber ging’s los mit dem Womansplaining. Leute, Leute, Männer die dir die Welt erklären sind ja schon ätzend aber es gibt ja nun auch genug Frauen, die genau wissen wie das Leben so läuft, ne.

Zwei Dinge im speziellen fand ich super und frage mich jetzt, warum wir Alleinerziehenden eigentlich alle so blöd rumjammern, Mensch!

Erstens habe ich kurz angeschnitten, dass es natürlich echt scheiße war zu erfahren, dass ich noch keinen Hortplatzt habe. Da erzählt sie mir, das sei ja mal alles nicht so schlimm, es gebe ja so viele Möglichkeiten (ja, gut, hat sie Recht. Ich kann ihr folgen). Also ich kann es doch einfach machen wie sie damals. Sie hat sich 6 Jahre lang für ihren Sohne eine Haushaltshilfe festangestellt, kann man doch von der Steuer absetzten. War super für sie, ganz easy mit so ‚ner Haushaltshilfe. Mein Einwand, dass man die Haushaltshilfe, selbst wenn sie voll absetzbar wäre, ja vorher erst mal bezahlen muss, fand sie sehr lächerlich. Ihre Theorie für mich: Man könnte ja beim Finanzamt anrufen und da mal sagen, dass man demnächst eine Haushaltshilfe anstellen wolle und was man da im Vorfeld schon machen könne….hmmm… ich glaube, die hat zu viel Patschuli inhaliert.

So und jetzt frage ich mich ganz ernsthaft warum ihr da draußen und ich überhaupt so rumjammert und was eigentlich unser Problem ist! Was soll das Geschwurbel von tausenden von Alleinerziehenden im Lande. Was labern wir alle von Burnout und Überforderung! Kinder! Ihr könnte euch ‚ne Angestellte nehmen und sie voll von der Steuer absetzt! Was is‘ n euer Problem?!

Lustig fand ich dann auch das Thema Wohnungssuche. Also, sie habe ja auch mit ihrem Sohn damals eine Wohnung gesucht und eine bekommen. Damals. Vor 20 Jahren. Liebe Frau Eso, ich bin mir sicher, dass München immer schon ein schwieriges Pflaster war in Sachen Wohnungssuche aber ich möchte trotzdem ganz frech und uninformiert behaupten, damals war eben doch damals. Das waren noch bissl andere Zeiten. Wenn ich sehe, dass Sie in einem Haus wohnen und ich in einer 2,5 Zimmer Wohnung im Brennpunkt, dann wage ich auch mal die Behauptung, ihr Geldbeutel sah auch damals schon anders aus als meiner. Das sage ich jetzt ganz ohne mich zu spüren und ohne durch mein Steißbein zu atmen. So ganz ohne Verbindung zu meinem Innersten. Kann aber natürlich doch auch an mir liegen, dass man heute als alleinerziehende Mutter keine Sau interessiert auf dem Mietmarkt. An mir und weil ich mich nicht so spüre und den Vermieter wahrscheinlich auch nicht. Also liebe Alleinerziehenden da Draußen mit Wohnungsproblemen. Hört mal auf euch hier als Opfer des Systems zu sehen! Nicht die Preise sind das Problem! Nicht die Wohnungsnot! Nicht die Vermieter, die das letzte rauspressen! Das Problem ist euer Selbstvertrauen und dass ihr euch ALLE nicht richtig spürt.

Zur Krönung hat sie mir, nach nicht mal 10 Minuten im Gespräch, erst mal die Adresse eines guten Homöopathen aufgeschrieben. Da soll ich hin, natürlich gleich mit meinem Kind und dann ist die Hälfte eigentlich schon erledigt, weil das wird alles gleich viel besser.

Joa…ich bin jetzt nicht ganz sicher ob das meine neue Therapeutin wird. Ohhhhmmmm.

 

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